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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
1076
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1076 Cavaignac

Cava.i'gnac (Godefrop), eines der vorzüglichsten Mitglieder der jungenrepublikanischen Partei in Frankreich, ist der Sohn eines Deputicten im National-convent, welcher für den Tod Ludwigs XVI. stimmte, dann in die Departementsals Commiffaircher Republik gesandt wurde, daselbst heftige Maßregeln gegen denAdel und die Geistlichkeit traf, von Napoleon eine Consulstelle im Orient erhielt,dann nach der Rückkehr der Bourbons mit den andern Conventsmitgliedern »er-bannt wurde, und nach 12 Jahren in der Verbannung starb. Der Sohn erbte,wie er in der Folge öffentlich gestand, die republikanischen Grundsätze seines Vaters,und seine Studien befestigten ihn darin. Da er unter den Bourbons nichts zuhoffen hatte, und dieselben wegen der seinem Vater zuerkannten Verbannung haß-te, so lebte er in der Verborgenheit bis zur Juliusrevolution. Hier focht er mitder größten Unerschrockenheit gegen' die Truppen Karl X., und nahm aus Rachesowol als aus Vaterlandsliebe bedeutenden Antheil an der Staatsumwälzung,welche auf den Kampf der Pariser erfolgte. Er wurde daher auch unter Denjeni-gen ausgezeichnet, die an den drei Tagen am meisten ihr Leben gewagt hatten,und zum Mitglied« der Commission ernannt, welche über die Vertheilung derNationalbelohnungen entscheiden sollte. Auch erwählte ihn eine Batterie der Ar-tilleriebrigade der Nationalgarde zu ihrem zweiten Hauptmann. Die Mitgliederdieser Batterie wurden jedoch der neuen Regierung bald durch die häufige Äußerungihrer republikanischen Gesinnungen verdächtig. C. gehörte in der That zu derjenigenParkei, welche nach dem Sturze der ältern bcurbonischen Linie nicht wieder einenKönig haben, sondern die Republik einführen wollte. - Er war die Seele derseit der Juliusrevolution entstandenen Gesellschaft der Volksfreunde, und ließ injene Batterie manche Mitglieder jener Gesellschaft aufnehmen. Während des Cri-minalprozefses gegen die Minister.Karl X. bemerkte man eine starke Gährung inder Artillerie der Nationalgarde; der Regierung war bange, die der Nationalgardeanvertrauten Kanonen möchten gegen sie gerichtet und die neue Verfassung überden Haufen geworfen «erden. Es kam auch zu heftigen Auftritten, und dasVolk, welches fürchtete, die Regierung möchte die strafbaren Minister Karl X.durchschlüpfen lassen, war einem Ausstande nahe. C. wurde beschuldigt, Patronenunter seine Leute vertheilt zu haben, und man fürchtete sogar, er wolle sich desLouvre bemächtigen, in welchem die Kanonen der Nationalgarde aufgepflanzt waren.DieRegierung ließ ihn mit ungefähr 20 andern republikanisch gesinnten jungen Leu-ten verhaften unter der Beschuldigung, sie hätten ein Komplott angezettelt, um dasVolk gegen das Königthum aufzuwiegeln, die jetzige Regierung umzustürzen unddie Republik wieder einzuführen. Sie wurden vor Gericht gezogen und im Märzkam der Criminalproceß vor den Assisenhof zu Paris. Der königliche Anwalt ließaber bald die Anklage gegen C. fallen, bestand jedoch auf Verurtheilung fastaller Übrigen. Nun hielt C. eine VcrtheidigungSrede, die als ein Meisterstück ge-richtlicher und politischer Beredtsamkeit angesehen wurde und eine erstaunliche Wir-kung hervorbrachte. In dieser Rede äußerte er mit der größten Freimüthigkeit, ersei der Meinung, man habe das Volk nach der letzten Staatsumwälzung zu Ratheziehen sollen, ehe man eine neue Regierung einführte.Ich gestehe es, sagte er,ohne Hehl und ohne Affectation, ich bin Republikaner aus Neigung und Über-zeugung. Es war aber nicht genug, daß mir die republikanische Regierung die ammindesten unvollkommene Regierungsart schien; ich habe gesucht eine Rechenschaftvon den Thatsachen abzulegen, um zu sehen, ob sie ins Werk zu stellen sei, und da-durch bin ich zu dem Bewußtsein gelangt, daß sie nicht allein möglich, sondernunvermeidlich ist, und daß alles dahin zielt, die Begebenheiten, die Gemüther,die Sachen. Ich habe begriffen, es fei unmöglich, daß die jetzt die Welt bestellende Bewegung mit etwas Anderm endige als mit der Republik. Schon lange«st diese Tendenz bezeichnet worden. Napoleon hat sie anerkannt, Chateaubriand

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