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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
1023
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Zedlitz

Der damalige Curator der Hochschule, Fürst Adam CzartorySki, mußte auf dieAnzeige von dem Dasein einer geheimen Verbindung eine Untersuchung verfügen,deren Leitung er dem wackern Professor Boianus übergab. Nach kurzem Verhörklärte dieser, daß kein Grund zu weiterer Untersuchung vorhanden wäre. DieSeseUschast aber versammelte sich unter A.'s Vorsitze, löste sich auf, um Niemandbloßzusteüen, und verbrannte ihre Schriften. Dies konnte aber die Mitglieder desVereins nicht gegen Verfolgungen sichern, wozu 1823 der Umstand Anlaß gab,daß ein Zögling des Gymnasiums zu Wilna an die Wand des Schulzimmecs eineZeile geschrieben hatte, die an die Constitution von 1791 erinnere. Der GrafNowosilzoff erhielt von dem Großfürsten Konstantin den Auftrag zur Untersu-chung, die sich bald auch auf die Mitglieder der angeklagten Gesellschaft ausdehnte,als man die Papiere mehrer während der Ferien abwesenden Studenten durchsuchthatte. Mehre wurden verhaftet, und unter ihnen auch Z.; welcher aber, da manihn nicht zu einem Geständnisse bringen konnte, endlich seine Freiheit erhielt. Ei-ner der Verhafteten aber nannte mehre Mitglieder der Philaretcn, und es wurdenso vl-lc Verhaftungen vorgenommen, daß am 1. Rov. 1823 fast sämmtliche Stu-denten in Gefängnissen, Klöstern und öffentlichen Gebäuden eingesperrt waren.Alle leugneten standhaft das Bestehen einer geheimen Gesellschaft. Nach sechsmo-natlicher Untersuchung faßte Z., den das unglückliche Schicksal so vieler Jünglingeschmerzte, den Entschluß, die ganze Verantwortlichkeit auf sich zu nehmen, undin einer von ihm unterzeichneten Schrift gab er sich als Gründer und Vorsteher desaufgelösten Bundes der Phllareten an, dessen Ursprung, Zweck und Wirksamkeiter umständlich darstellte, und verlangte, aus ihn allein die Strafe für Alles fallenzu lassen. Die russischen Beamten gingen auf dirse Federung nicht ein, fandenaber die Richter nicht fügsam genug, eine so große Anzahl junger Leute zu verur-tbeilen. Mehre Gefangene wurden in Freiheit gesetzt, da man jedoch den KaiserAlexander gegen den Philaretenvcrein eingenommen hatte, den man ihm als einepolitische Verbindung darstellte, so wurden durch eine Verordnung vom 14. Sept.1824 vier Profefforen-zu Wilna ihrer Stellen entsetzt und mehre Philomaten undPhilareten mit schweren Strafen belegt, indem sie des Vorsatzes beschuldigt.wur-den, die unsinnige polnische Nationalität in den russisch-polnischen Provinzen zuverbreiten. Z. wurde mit andern zur Verbannung nach Sibirien verurtheill undnach der kirgisischen Grenze gebracht.

Zedlitz (Joseph Christian Freiherr von), einer der begabtesten und geach-telstcn deutschen Dichter der Gegenwart, lebt meist zu Wien. Er ward 1790 zuJohanneSberg im östreichischen Schlesien geboren, wo sein Vater, den er bereitsin seinem dritten Jahre verlor, Landeshauptmann war. Nachdem er später mehreJahre zu Breslau einen gründlichen Schulunterricht genossen hatte, entschied ersich für die militairische Laufbahn und trat 1806 in das östreichische Husarenregi-mmt Erzherzog Ferdinand ein. Im Febr. 1809 wurde er zum Lieutenant undzwei Monate später zum Osierlieutenant befördert. Ordonnanzoffizier beim Chefdes dritten Armeecorps, Fürsten von Hohenzollern, nahm er an den Schlachtenvon Regensburg, Aspern und Wagram Theil und ward nach dem Treffen beiHausen am >9. Apr. unter Denen aufgeführt, die sich besonders ausgezeichnet hat-ten. Er ward 1810 zum kaiserlichen Kammerherrn ernannt, und im folgendenJahre vermählte er sich mit einer Tochter des Feldmarschalllieutenants Baron vonLiptay. Familienverhältniffe bewogen ihn später, den Kriegsdienst zu verlassen,und er gewann nun die Muße, die ihm verstattete, sich mit ungetheiltcr Liebe derWissenschaft und Kunst zu widmen, die von jetzt an die Beschäftigung seines Le-bens sein sollte. Mochte auch jene bewegte und für das Vaterland des Dichtersio veihängnißvolle Zeit nicht ohne Einfluß auf die Entwickelung seines dichterischenCharakters geblieben, und die ernste Betrachtung der Welt und ihrer Erscheine»!-