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Vierter Band (1834) S bis Z
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Würtemberg in der neuesten Zeit

daß diese Flugschrift unter andern Umständen der Beschlagnahme und gerichtlichenVerfolgung gewiß nicht entgangen wäre. Dennoch vermochte das Ministeriumdie Wicdererwählung der meisten und angesehensten Mitglieder der Oppositionnicht zu hintertreiben. Zum heftigsten Wahlkamps kam es in Stuttgart. DieDrohung, die Residenz zu verlegen, die später wirklich ausgeführte Drohung, allenBürgern, die für den Hof oder öffentliche Stellen zu arbeiten hatten, diesen Nah-rungszweig zu entziehen, wurde in die Wagschale des ministeriellen Candidaten ge-legt; alle städtischen Beamten und Staatsdicner, bis zuHausschneidern" und La-kaien herab, für seine Bewerbung in Thätigkeit gesetzt. Allein obgleich dieser Candi-datein Mann von Ansehen, derPrästdent des ersten Gerichtshofs des Landes war, sohielten die Parteien so einander die Wage, daß für Uhland und Bolley Stimmen-gleichheit herauskam, wo dann freilich der Erstere als der Jüngere hätte nachstehenmuffen. Es zeigte sich aber bald, daß bei der ministeriellen Partei Personen mit-gestimmt hatten, deren Stimmrecht angefochten werden konnte, und so räumteBolley das Feld. Uhland war nun gewählt, und da ihm die Regierung den Ur-laub verweigert-, so legte er seine Professur in Tübingen nieder. Von der StadtTübingen wurde Pfizer wieder gewählt, obgleich man die Bürger in diesem Falleden Verlust der Universität befürchten ließ; er hatte seine Stelle bei einem Gerichts-höfe schon früher aufgegeben, als Maurlcr seine schriftstellerische Unabhängigkeitangriff. Denselben Schritt that jetzt auch Römer, welcher Kriegsrath war. Daman erwarten mußte, daß Staatsdicner, welche mit der Opposition gestimmt, nurschwer den zum Eintritt in die Ständcversammlung erfoderlichen Urlaub erhaltenwürden, so hatte sich ein Verein gebildet, um nöthigenfalls Entschädigungen an-bieten zu können, eS bedurfte aber dieses Antriebs nicht, um zu diesem Opfer zuvermögen.

Am 20. Mai trat die neue Ständcversammlung zusammen. Die Eröff-nungsrede, durch den Staatsrath Schlayer vorgetragen, verwies auf die bereitsbekannten Gesctzgebungsvcrbefferungcn, versprach einige neue Verwaltungsgesetze,empfahl einengemessenen von störenden Einmischungen freien Gang der Bera-thungen und gegenseitiges Vertrauen" und im Betracht der Nähe des Ablaufs derFinanzperiode die schleunige Vornahme des BudgetS. Dieser Landtag mit seinen116 Sitzungen bietet folgendes Charakteristische dar. Die Opposition machte noch' ungrfähr ein Drittheil der Kammer aus. Aus nicht viel mehr Mitgliedern beste-hend, hatte sie auf dem vorigen Landtage die Leitung der Geschäfte an sich gerissen,weil die ministerielle Partei weniger als comparte Phalanx handelte, und durchihren Einfluß in den Commissionen. Jetzt wurden die Ministeriellen zu einersy-stematischen" Contreopposition organistrt, und die entschiedensten Liberalen durchgeheime Vorwahlen aus den Commissionen ausgeschlossen. Hierdurch bekam derLandtag die Richtung, welche ihm die Regierung geben wollte, er wurde einSteuerverwilligungslandtag. Nachdem die aus 15 Mitgliedern zusammengesetzteFinanzcommission gewählt war, brauchte sie ungefähr dritthalb Monate zu Fer-tigung ihrer Berichte; in dieser Zeit waren wenige Sitzungen und keine der intcr-essantrn Fragen, die zum Theil noch vom vorigen Landtage her vorlagen, kam zur Be-rathung. In dieser Monotonie erregten größere Theilnahme blos die zu verschiede-nen Malen zur Sprache gebrachten Beschwerden über Beeinträchtigung der Wahl-freiheit, wo die Opposition ihre alte Stellung behauptete und die Regierungsiom-wiffaire so in die Enge geriethen, daß sie die Censur gegen den ihr gemachten Vor-wurfunerhörten Drucks nicht besser zu vertheidigen wußten, als durch den bitterndcherz, sie habe die Wahlfceiheit schützen sollen. Die Budgetsberathung gingdann athemlos in ununterbrochenen Sitzungen über drei Monate lang fort; esaßt sich davon nicht viel sagen als daß die Departementschefs ihre Etats geschickt,wenigstens mit Glück vertheidigten, daß man sich in der Kammer, wo es sich um

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