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Vierter Band (1834) S bis Z
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Würtemberg in der neuesten Zeit

Range, eines Redners, eines Finanzmannes, Diplomaten, Easulstikers undVertrauten der Regierung in sich vereinigen. Und vollends die Resumirkunst, wieviel Geistesgegenwart und scharf spaltende Dialektik war dazu crfodcrlich! DieWhwaltung dcS Präsidenten mag freilich dadurch erleichtert worden sein, daß dieEingeweihten des Ausschusses und des Ministeriums in geheimen VorberalhungendieHauptschwierigkeitcn zurecht legten und dann ihren Freunden die Losung ertheil-ten, während die kleine Zahl der Unabhängigen isolirt stand und bei dem Zusam-menwirken jener häufig gar nicht zum Worte kommen konnte. Merkwürdig, daßjetzt die ministerielle Partei der Opposition den Vorwurf machte, sie beabsichtigedurch eine solche Praxis, sich der Herrschaft bei den Verhandlungen zu bemächtigen.Sie nannte dies einesystematische" Opposition bilden. Wenn man aber billigsein will, so kann man die größere Übereinstimmung, in welcher die freisinnigenMitglieder der Kammer zu einander erschienen, nicht als ein vorgefaßtes Partei-wachen gegen die Regierung darstellen, sondern man wird den Erkläruifgsgrunddarin suchen müssen, daß die Opposition aus Männern bestand, welche durch Ein-heit der Ansichten und Bestrebungen zusammengeführt wurden, hingegen die mi-nisterielle Seite viele Ehrgeizige zählte, welche, indem sie der Macht ihre Dienstewidmeten, sich um den Preis stritten. Zum Theil dürfte sich übrigens die Regie-rung selbst die Schuld beimeffen, wenn sie sich über die freiere Haltung beklagenwollte, welche die Kammer ihr und dem Präsidenten gegenüber annahm. Durchdie gegen den gewöhnlichen parlamentarischen Brauch vier Wochen verzögerte Be-setzung des Präsidentenstuhls, in 22 Sitzungen der ungenügenden Leitung einesAlterspräsidenten anheimgegeben, bekam die Kammer Zeit, sich zu einer Autono-mie erziehen, deren sie sich nicht so leicht wieder hätte entsetzen lassen. Allein dieRegierung hatte auch ihre guten Gründe, dieses Provisorium nicht früher aufzu-heben. Man beobachtete sich, suchte einander Vortheile der Stellung abzugewin-nen, parlamcntirte, studirte einzelne Personen und Interessen, kurz, die Regie-rung hlllt es für angemessen, ihre Mannschaft erst in kleinen Scharmützeln zudistiplimren, ehe sie ein Haupttreffen wagte.

Zu diesem Haupttreffen kam es in der 19. Sitzung am 9. Febr. bei Entschei-dung der Demagogenfrage. Das ganze Land sah mit gespannter Erwartung demResultate dieses Tages entgegen. Jedermann sagte sich, daß von diesem Resul-tate mehr oder weniger das Schicksal des Landtags abhänge. Die Auflösung warfast gewiß in dem Falle, daß die liberale Opposition, durch vier talentvolle Volks-«änncr verstärkt, zur Majorität würde, höchst wahrscheinlich im andern Fall.Ä allen bisherigen Abstimmungen waren es immer nur wenige Stimmen gewe-seii, zwischen welchen die Majorität schwankte. Unter dem zweifachen Eindruckeder Hoffnung und der Furcht, nach einer sechsstündigen stürmischen Sitzung, inwelcher alle bekannten Gründe wiederholt, alle Künste der Rede und der Dialektikj aufgeboten wurden, sprach die Kammer ihr Urtheil aus; es lautete mit 47 gegen37 Stimmen auf Ausschluß der Abgeordneten Tafel, Rödinger, Wagner undKibel. Der Sieg der Einen war theuer erkauft, nicht rühmlos die Niederlage derAndern. Um das Verdammungsurtheil zu rechtfertigen, hatte der Ausschuß, wel-, ch°r als vorläufiger Prüfer der Wahlurkundcn dieBeanstandung" ausspcach, undEchla yer, der als Rcgierungscommissair dieselbe als Cabinetsfrage zu vertretenWte, nebst ihren Anhängern sich zu Behauptungen hinreißen lassen müssen, welche! sonstigen Meinungen auffallend genug contrastirten. Man hielt ihnen

> °e» Grundsatz des römischen Rechts entgegen, das auch im deutschen Staatsrecht§ mne Anwendung finde und wonach die Begnadigung im weitesten Sinne auszu-säen sij. Das sei ein Recht, erlassen von despotischen Imperatoren und könnel»r das Verfassungsrecht des constitutionnellen Würtembergs keine Quelle der Jn-'pretation sein, erwiderte Schlaper. Und doch ist dieses römische Recht in drm