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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
880
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880 Wangenheim

schäfte der verschiedensten Art mehr hineingestürzt als hinei'ngebildet, namentlich imFinanzsache, seit einigen Jahren blas nach Autoritäten getrieben hatte. Ein Auf-trag des jetzigen Herzogs von Altenburg führte ihn nach Stuttgart und brachte ihnin persönliche Berührung mit König Friedrich von Würtemberg, der ihm, gleichnach dem Abschlüsse des Geschäfts, durch einen vertrauten Diener den Eintrittin den wüctembergischen Staatsdienst antragen ließ. W. nahm den ehren-vollen Antrag an, und wurde am 11. Rov. 1806 zum Präsidenten desOber-finanzdepartements ernannt, auch ihm die Oberaufsicht über die Finanzron-trole übertragen. Mit Eifer arbeitete er nun daran, sich zu orientiren, indas Dunkel der Finanzvcrwaltung einigcs Licht zu bringen, die Maximen aufGrundsätze zurückzuführen, Einnahmen und Ausgaben zu regeln, zu sparen, einenLilgungssond zu schaffen, den StaatScredit zu verstärken und zu Erleichterung desdamals unter Auflagen fast erliegenden BolkeS zu benutzen, vor allem aber durchEinführung des Etatswesens und Verbesserung des Rechnungswesens die Ver-waltung wohlfeiler, übersichtlicher und dadurch ehrlich zu machen. Wozu er hierunter zahllosen Hindernissen die Bahn gebrochen, das wurde durch die Beharrlich-keit seines Nachfolgers, von MalchuS später vollendet. Inzwischen wurde W.durch seinen Eifer unbequem, und am 19. Nvv. 1809 zum Präsidenten der Ober-regierung mit Rangerhöhung ernannt, aber auch von diesem wichtigen und ange-nehmen Wirkungskreise durch Auflösung der Oberregierung und Einführung einerfranzösischen Departementalverwalkung, der er vergebens entgegenarbeitete, ent-fernt. Nachdem er eine Landvogtstelle abgelehnt, übertrug ihm der König (5. Scpt.1811) das Präsidium des OberlribunalS, damals noch in Tübingen, die Kuratelder Universität und die obere Leitung des Studienraths in Stuttgart. In jenerUniversitätsstadt war der geniale, wissenschaftlich gebildete, mit dem Erziehungs-wesen, das ihm längst Lieblingsbeschäftigung für seine Erholungsstunden ge-worden war, vertraute, von Liebe zur Jugend und Jugendbildung durchdrun-gene Mann recht eigentlich an seinem Platze. Sein Haus, in welchem die edelsteGastfreundschaft geübt wurde, war bald der gesellige Sammelplatz aller ausgezeich-netem Lehrer und Schüler geworden; die Sludirenden fanden in ihm, sobald siewollten, einen Berather ihres akademischen Lebens, einen leitenden und mitstre-dendcn Geist, ja einen jugendlich mitgenießendcn und dadurch grade eine sittlicheAutorität übenden Freund, und mehr als ein Jüngling rühmte sich, in Beziehungauf Geistes- und GemüthSbildung ihm soviel zu verdanken, als seinen verdientestenLehrern. Er selbst saß mitten unter ihnen in den akademischen Vorlesungen seinesFreundes und Meisters Eschenmeyer; und .die zahlreichen Feste seines Hauses, anwelchen viele Studenten Theil nehmen durften, waren stets durch sokratische Ge-spräche gewürzt. Er selbst rechnete diese Jahre unter die schönsten und belohntest!»seiner ganzen frühern und spätern Dienstlaufbahn. Ein erhebender Wirkungskreis,sagt er in der Ledensdarstellung, die wir vorzugsweise zu diesem Artikel benutzen,ein ungetrübtes GeschäftSvcrhältniß, erprobte Mitarbeiter, Zeit und Gelegenheitfür eigne wissenschaftliche Fortbildung, und Freunde, deren Wohlwollen und Treueüber jene schöne Zeit hinaus dauerten und sich noch heule bewähren; was konnteer Glücklicheres wünschen und verlangen? Aber die Zeitereignisse entrückten ihnbald diesem segensreichen Berufe. Am 15. März 1815 war von König Friedrichden Würtcmbergern eine neue Verfassung ortropirt, von der einberufenen Ltande-versammlung aber das alte Recht des Stammlandes in Anspruch genommen wor-den. Der hierdurch eintretenden großen Bewegung konnte W. nicht fremd bleiben,um so weniger, da er längst mit einigen Freunden, namentlich den edeln Wurtem-bergcrn Georg! und Lempp die Überzeugung hegte, daß der Kronprinz einst dem Landeunfehlbar eine gute Verfassung geben würde. Er schrieb daher unter dem T>te .Die Idee der Slaatsverfaffung in ihrer Anwendung aus Würtembergs alte L»n-

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