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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
876
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87« Walhalla

Walhalla, ein von König Ludwig I. von Baiern dem Andenken aus-gezeichneter Deutschen errichtetes Denkmal in der Nahe von RcgenSburg. Dererste Keim zu diesem wahrhaft patriotischen Gedanken, welchen der König so langefßstrchalten, ist wol von dem Lehrer desselben, Zambuka, und zwar in der frühestenJugend des Prinzen gelegt worden. Dieser mochte etwa sieben Jahr all sein, alsZambuka mit ihm durch den Garten von Sch wetzingen ging und den Antheil des-selben an den verschiedenen Grotten und Tempeln bemerkend, zu ihm sagte:Wel-chen ganz andern Eindruck müßte es hervorbringen, wenn man die Kräfte zu Her-stellung nationaler Denkmäler benutzt hätte, und statt an Apoll, Venus und an-dere unserm Volksleben fremde Charaktere, an Karl den Großen, Heinrich I., anKcplcr, an Albrecht Dürer !c. erinnert würde." Dieses Wort war nicht verlorenund der heranwachsende Prinz beschäftigte sich fortwährend mit dem hingeworfenenGedanken. Spater als der Entschluß bei ihm festgeworden, der Gründer eines sol-chen deutschen Ehrentempels zu werden, trat er deshalb mit ausgezeichneten Ge-lehrten, namentlich mit Johannes von Müller, in Correspondenz, um die Mei-nungen erfahrener Männer über die Auswahl der zu Ehrenden zu hören. Auch mitKünstlern trat er in Verbindung, um über die Art und Weife der Ausführungfremden Rath zu vemehmen, mit welchem er sich aber meistentheilS von vorn her-ein im Widerspruch befand, da man ihm die Formen deutscher Baukunst anrreth,er aber fest am griechischen Styl hielt, als welcher allein der von ihm gefaßten Ideeentsprach. Er machte ein Programm bekannt, um Eoncurrenz zu veranlassen;allein die eingesandten Arbeiten fanden seine Billigung nicht. Schon war eineeroße Anzahl Büsten, alle in Hermenform, fertig, als 1823 der Baurath Klenze»om Prinzen den Auftrag erhielt, nach den entworfenen Grundbedingungen einenPlan auszuarbeiten. Dieser Plan wurde angenommen und nach demselben dasWerk begonnen. Säulen und andere Verzierungen wurden zu künftigem Gebrauchein den Marmorstcinbrüchen des Untersberges bei Salzburg vorgearbeitet, und am18. Oct. 1830, zu einer Zeit, wo ganz Deutschland noch von dem Sturz des bour-bonischen Thrones bewegt war, unter freudigem Zuströmen einer ungeheuren VolkS-niasse, und in Erinnerung an die Völkerschlacht von 1813 der Grundstein feierlichgelegt, aus einer Anhöhe bei Donaustauf am linken Donauuser, 1^ Stunde un-terhalb Regensburg. Auf dem 126 Fuß tiefen Fundamente wird sich ein großer imdorischen Styl erbauter, dem Parthenon in Athen nicht unähnlicher Tempel erhe-ben, 70 Fuß hoch, 100 Fuß breit und 300 Fuß tief. Zweimal acht Säulen tra-gen den vordem Giebel und bilden eine geräumige Vorhalle; daran reihen sich 17Säulen zu jeder Seite, die mit den 8 an der Rückseite den übrigen Tempel um-schließen. Den Schmuck der Giebelfelder betreffend, so wird das Hintere durch eineDarstellung der Hermannschlacht ausgefüllt werden. Zum vordem hat bereits,nach deS Königs Angabe Rauch in Berlin den Entwurf gemacht, mit dessen Aus-führung Schwanthaler in München beauftragt ist. Germania sitzt mit dem Ei-chenkranz gekrönt, inmitten auf einem Thron, ihr zur Rechten eine Gruppe, dieÖstreich und die Festung Main; vorstellt, zur Linken Preußen mit Köln amRhein.Neben Östreich sitzt Baiern mit Landauf dann folgt eine unbcnannte Gestalt, andie sich Würtemberg anschließt und der Rhein, der die Spitze des Giebels würdigausfüllt. Reben Preußen stehen Hanover und Luxemburg; dann folgt Hessen,Sachsen, die Mosel und endlich ein Berggeist, der virlleicht die metallenen Reich-thümer unter der deutschen Erde anzeigen soll. Im Innern des Gebäudes tragenschön geschmückte Marmorwände und eine doppelte Reihe ionischer Säulen einreich verziertes und casettirtcs Tonnengewölbe. Auf dem FrieS, das um den gan-zen Saal geht, Ist die Urgeschichte der Deutschen von ihrer Einwanderung bis zurVerbreitung des Christenthums im Relief dargestellt, welches von Wagner in Romgefertigt und beinahe vollendet ist. An den Wänden sind in Gruppen, die durch