Druckschrift 
Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
857
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Wächter (Georg Friedrich Eberhard von) 857

,z für Ihn keine Schande mehr war, Künstler zu werden, Hirte nun auch der Um-stand, Sohn eines der ersten Staatsbeamten zu sein, für ihn auf ein Unglück zusein. Er warf sich mit Eifer auf das Studium der Zeichnung unter Guibal inStuttgart und bald darauf in der Galerie zu Manheim. Später reiste er nach Pa-ris und fing daselbst erst das Malen an. Der correcte Styl der französischen Schulehotte auf seine technisch« Darstellung unverkennbaren Einfluß gewonnen, und eSb,durfte, um seinem ideenreichen Gemüthe Befriedigung zu verschaffen, nur nochd,s Eintretens in die Stadt der Kunst und der Welt. Er kam um 1795 nach Romund traf noch mit Carstcns so nahe zusammen, um nach dessen Tode die vcor ihmgebrochene Bahn in gleichem Geiste und mit schönem Erfolge fortzugehen. Wirhoben in der übersichtlichen Darstellung der neuesten deutschen Kunst und KünstlerW. die bedeutende Stelle angewiesen, die ihm in der Geschichte der Entwickelungder neuern Malerei zukommt. Aber es scheint, er sollte nur in kleinerem Maßstabeund wie aus der Ferne zeigen, was die Kunst an ihm gewonnen hätte, wenn ihnvon Jugend auf bis ins Alter die Umstände würden begünstigt haben. Ein einzi-ges großes Bild, Hiob unter seinen Freunden, existirt von ihm, ein nicht blosdurch Großartigkeit des Gedankens und charaktervolle Würde der Composition, son-dern auch durch tüchtige Behandlung als Gemälde, in Farbe, Modcllirung undAusdruck ausgezeichnetes Werk; und dieses einzige hat noch keinen Käufer gefun-den. Seine Bilder von kleinerm Umfange, die man aber trotz ihrer theilweise sehrsorgfältigen und schönen Ausführung, um der außerordentlichen Idee und des herr-lichen Motivs willen immer nur wie Skizzen betrachten kann, die erst im Großen,zumal ill Kresco, an Wänden und Kuppeln gemalt werden sollten, und die einenGeist beurkunden, der wie Giulio Romans ganze Paläste mit eigenthümlichenBildern zu schmücken im Stande gewesen wäre, befinden sich an vielen Orten, inPirvatsanrnilungen, seltener in Kirchen, wie in der Klosterkirche der Kapuziner zuWien, zerstreut. Geschichte der alten Welt, nicht so häufig Srenen der heiligenGeschichte, Mythus und Allegorie der Griechen, sind seine Lieblingsgegenstände,deren einzelne immer neu aufzufassen und darzustellen er unerschöpflich ist. Auchin den neuesten Gemälden, woran der 70jährige Meister arbeitet und worin aller-dings die Spuren der geschwächten Augenlicht« mehr oder weniger zum Vorscheinkommen, ist gleichwol die ungeschwächte Kraft der Empfindung und Phantasie of-fenbar, und der würtembergische Kunstverein rechnet eS sich zur Freude, dergleichenWerke zu erwerben und zur Förderung des wahrhaft idealen Kunstsinne« zu ver-breitet, die freilich von den sinnlichen Feinschmeckern unter den Gönnern derKunst nicht gesucht werden. Der Unstern, welcher hauptsächlich den Bestrebungenund Wünschen W.'S in den Weg trat, hing mit den von Frankreich auch nach Ita-lien übergegangenen politischen Unruhen zusammen, welchen er mit den Deinigenzu entfliehen suchte, als namentlich über den Kirchenstaat und die päpstliche ExistenzDrangsale hereinbrachen; er hatte nämlich eine Römerin geheirathet »nd warzugleich zu deren Glauben in Rom übergetreten. Nach mehrjährigem Aufenthaltetu Wien, von dessen Einflüsse auf die jüngere Künstlerwelt die erwähnte Übersichthandelt, begab er sich in die Heimat, wo er bis jetzt geblieben ist, da als die poli-tischen Verhältnisse nach dem Jahre 1815 sich wieder günstiger für ihn gestaltethatten, die Vermehrung seiner Familie und Anderes ihm den Tausch des Nordensmit dem Süden bedenklicher und bei vorgerücktem Alter zuletzt unausführbar ge-macht harre. König Friedrich von Würtemberg hatte ihn mit einer für sein Be-urfniß freilich unzureichenden Pension zum Jnspector des königlichen ZeichnungS-uud Kupferstichcabinets ernannt, und er bezieht dieselbe als Gehalt seit Errichtunger Kunstschule in Stuttgart fort, da er zum Mitgliede des Vorstandes und derprlrfringscommisflon dieser Anstalt erwählt worden ist. (31)