842 Volksschulwesen
„Volk" voraussetzt, und die Idee des BürgerthumS davon losreißt und ihm gegen-über stellt; allein als durchaus tadelnswerth und unrichtig müssen wir eine letzteBedeutung des Wortes verwerfen, in welcher Volksschule und Elementarschuleals identisch erscheinen; der Elementarunterricht ist vielmehr nur ein Theil, nurder Anfang jedes Unterrichts überhaupt, sofern wir unter Elementen eben nur dieersten Anfänge des Wissens verstehen, soweit diese in der Schule gegeben werden,und die Elementarschule demnach nur ein Theil der Volksschule.
Die Dauer der Volksschule begreift die Zeit vom sechsten bis zum 16. Lebens-jahre in sich, wenn sie ihre höchsten Zwecke erreichen soll. Die Stufen derselbenbezeichnet Schwarz sehr sinnig und naturgemäß nach den Gesetzen der Jugendent-wickclung und ihrer Bildung, und will danach ebenso viele Schulen eingerichtetwissen. Die Natur zeigt uns aber drei solcher Stufen. Die erste ist die vorberei-tende zum aufnehmenden Lernen, die zweite das Aufnehmen der nothwendigenKenntnisse und Geschicklichkeiten, die dritte die Entfaltung derselben für das Leben;der Keim sproßt, auf dem Schafte füllt sich die Knospe, die Blüte geht auf. Die -unterste Schule unterrichtet vorzugsweise formal, die mittlere Material, die oberstevereinigt beides in höherer Weise, eine Übung der Kraft im Erlernen derjenigenLehrgegenstände, die unmittelbar in das Leben eingehen. Auf den Grund dieserAnsichten theilt der oben genannte würdige Pädagog in drei Abtheilungen, welchewelche er Anfangsschule, Mittelschule und Oberschule, oder wenn man lieber will.Elementar-, niedere Real-und höhere Realschulen genannt hat. (S. Schwarz„Die Schulen", Leipzig 183?.) Zu so vollständiger Organisation ist zwar dasVolksschulwesen bis jetzt erst in wenigen deutschen Staaten, und selbst in diesennoch nicht in gleichem Maße auf dem Lande und in den Städten ausgebildet wor-den; allein das Streben nach möglicher Vervollkommnung desselben ist in gleichemGrade lebendiger und anhaltender geworden, als man es erkannt hat, daß alleStaatsinstitutionen, namentlich aber diejenigen eines constitutionnellcn Staatseinzig und allein auf dem Grunde wahrer Volksbildung sicher erwachsen können.Unwissenheit und Rohhelt, Aberglaube und Unglaube bedingen den Despotismus,und Freiheit gedeiht nur im Gebiete und unter dem Einflüsse religiöser Sittlichkeitund geistiger Klarheit und Bildung, welche ebenso weit von seichter und nutzloserVielwifferei, als von pedantischer, dem Leben entfremdenden Stuben- und Bücher-gelehrsamkeit entfernt ist. N<«h solchem Ziele moralisch-intellectueller Volksbil-dung durch die Volksschule strebte in den neuern Zeiten unter allen deutschen Staatenzunächst und zumeistPreußen,und es dürfte darin vielleicht der Hauptgrund des bedeu-tenden und überwiegenden Einflusses zu suchen sein, welchen dasselbe seit 10 bis 15Jahren nicht nur in Deutschland, hindern in ganz Europa ausgeübt. Der Weg,welchen eS zu Erreichung jenes Zieles eingeschlagen hat, ist ein einfach natürlicher,indem es, mit der Einrichtung und würdigen Ausstattung guter Seminare begin-nend, zuerst für die Bildung tüchtiger, mit gründlichem Wissen des ihnen Nöthi-gen ausgestatteter Lehrer Sorge trug; denn auch der beste Unterrichtsplan kann erstdurch gute Lehrer volle Geltung und eigentlichen Werth erhalten. Eine überflcht-liche Zusammcnstellung sämmtlicher Haupt- und NebenieminarePreußens gibt Cou-sin in seinem „Bericht über den Zustand des öffentlichen Unterrichts i» Deutschland"fKröger's Übersetzung, Berlin 18.3? — 33, Bd. ?, S. 17? fg.), indem er sie zu-gleich als eine der wichtigsten Erscheinungen in der neuesten Geschichte deS Volks-schulwcsens bezeichnet. Dem tüchtig vorgebildeten Lehrer wurde eine würdigeStellung gesichert, sowol den Behörden als den Gemeinden und betheiligken Alterngegenüber; denn wenn eine öffentliche Schule sich redlich bemüht, die Pflichtentreu zu erfüllen, welche der Staat ihr auflegt, um die Bürger desselben zu bilden,so hat sie ihrerseits auch das Recht zu verlangen, daß Jeder ihr seinerseits durchHochachtung die Dankbarkeit bezeige, welche er ihr, als arbeitend an dem heiligen