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Völkerrecht
aller Staaten, und sie können ihre Erhaltung nur verdienen, indem sie dem Dienst,der Gerechtigkeit alles andere nachsetzen. Es ist also nicht einmal bloßes Interesse,es ist wahre Pflicht für die Völker, Rechtsverletzungen gegeneinander mit vereintenKräften abzuwehren und die Andeutungen, welche zuweilen vernommen wordensind, daß es lächerlich sei, um der Unabhängigkeit eines einzelnen Staates willen,ganz Europa in Bewegung zu setzen (ein Sturm nicht sowol in als aus einemGlase Wasser) kommen nicht aus dem Munde kundiger Männer, weil diesen we>bekannt ist, nicht nur daß der Schneeflocken, welchen der Fuß des kleinsten Wä-gelchens vom Gipfel der Alpen kratzt, zur Lauine wird, sondern auch, daß nicht«in der Welt weder an Macht noch an Werth der Ideen von Recht, Wahrheit undReligion zu vergleichen ist. Aus diesen Garantien gegen fernere Rechtsverletzun-gen, welche freilich in materieller Machtverminderung gesucht wurden, ist da«System das Gleichgewichts entstanden, welches in der That nur als ein MiSver-ständniß derselben angesehen werden kann.
Auch diese Garantien führen aber nur zu einseitigen und vorübergehendenEinrichtungen und wenn eS hoch kommt, zu vertragsmäßigen Anerkenntnissenvon Grundsätzen, nach und nach auch zu einer Art von System des Völkerrechtsund zur Unterhaltung der Verbindungen zwischen den Staaten; sie bahnen alsoden Weg zu Gründung einer organiflrten Gemeinschaft der Staaten; aber sie sindes doch noch nicht. Und in dieser Hinsicht hatte Wolf Unrecht, wenn er seinenWeltstaat, oder allgemeinen Staatenstaat schon als etwas wirklich Vorhandene«der wissenschaftlichen Darstellung des Völkerrechts zum Grunde legte. Richtigerdrückte sich hierüber Kant auS: „Das Völkerrecht soll auf einen Föderalismusfreier Staaten gegründet werden." Dieses wäre allerdings die höchste Stufe,welche der Zustand der Völker erreichen könnte, und welchem er sich in der Thatunfehlbar immer mehr nähern wird, weil es in der neuern Zeit immer klarer ge-worden ist, daß ohne eine solche engere Verbindung der Staaten kein Heil undkeine Ruhe zu-erwarten ist. Es sind in der neuern Zeit bedeutende Schritte ge-schehen, und wenn diese bis jetzt den Erfolg noch nicht gehabt haben, den mansich versprach: so läßt sich auch die Ursache nachweisen, welche diesen Erfolg verhin-dert hat, und welche keineswegs in der Natur der Sache lag, sondern nur in Ne-benumständen, und also beseitigt werden konnte. Als der Anfangspunkt dieserneuern Tendenzen ist der Krieg gegen Napoleon vom Beitritt Östreichs an zu be-zeichnen, weil die Alürten sich damals schon über gewisse leitende Grundsätze znverständigen suchten, die dann in der Erklärung, daß man Iveder mit Napoleonnach einem Mitglicde seiner Familie unterhandeln könne, und in der Abschließungdes pariser Friedens selbst und in der Unterzeichnung desselben durch die achtMächte, bei dem wiener Eongreß und in der gleichsam richterlichen AchtserklärungNapoleons ihre weitere Ausbildung erhielten. Die heilige Allianz vom 26. Sept.1815, die Congreffe zu Aachen, Troppau, Laibach, Verona, die Unter-drückung der Revolutionen in Neapel und Spanien, die Verhandlungen überGriechenland; die londoner Conferenzcn über Belgien; die Diskussionen über dieVerhältnisse in Belgien; alles dies sind Glieder einer Kette, welche zwar nochnicht geschlossen ist, aber doch einmal geschlossen werden muß. Denn man siehtschon aus dem bisherigen Gange, daß es für die europäischen Mächte völlig un-möglich ist, sich wieder in eine so isolirtc Stellung zu versetzen, als sie voreingenomnien hatten; sie sind durch die Gewalt der Umstände genöthigt, über Al-les, was die allgemeinen Angelegenheiten Europas angeht, gemeinschaftliche Be-schlüsse zu fassen. So sehr auch Großbritannien anfangs allem widersprach, "aSin den Berathungen unter den fünf wortführenden Mächten eine Art von L>>-rection und Einmischung in die besondern Angelegenheiten Anderer ähnlich sehe. 1°hak es doch nicht umhin gekonnt, an der Entscheidung solcher, sogar innern üng
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