826 Virtuosen
weniger als die Oboe zum Soloinstrument geeignet, und schon deshalb wird eineVirtuosität darauf stets minder dankbar bleiben als auf andern Jnstrummien.Größer ist seine Wirkung schon, wenn u «Ine geblasen wird. Ausgezeichnet und all-gemein bekannt als Virtuosen auf diesem Instrument sind indessen die BruderGugelaus PelerSbcrg, wie auch Gugel der Sohn; ferner die Bruder Schunkein Berlin, endlich Lenß, der an Schönheit deS Tons und Vortrags noch die Vor-hergcnannten übertrifft, seit einigen Jahren aber schon nicht mehr öffentlich bläst.Er ist auch als Componist für das Instrument ausgezeichnet. — Das Fagor,so wenig es sich zum Concertinstrumcnt nach unserer Ansicht eignet, hat doch so-wol in früherer Zeit als jetzt manchen in der That großen Virtuosen auszuweisen.Gewissermaßen steht es freilich unter den Blasinstrumcnten, wie das Cello unterden Saiteninstrumenten, doch können wir dies nur im Verhältniß zum Orchesterannehmen, da es demselben als Soloinstrument an Mannichfaltigkeit gebricht.Um so schätzenswerther sind Diejenigen, die es bei so wenigem Dank, als eS ge-währt, bis zu einem solchen Grade ausgebildet haben. Unter die ausgezeichnetenNamen früherer Zeit gehörten Ritter und Bärmann, der Bruder des Klari-nettisten. Der größte jetzt lebende Bläser, ein wahrer Paganini auf seinem In-strument, istHumann aus Sachsen, gegenwärtig in Berlin. Dennoch wurdeer an Fertigkeit wie an Geschmack im Vortrage noch von einem Künstler NamensWcidinger weit übertreffen, der aber leider für das Orchester nicht gebrauchtwerden kann, weil er völlig blind ist. Dieser Mann war überhaupt eine der erstau-ncnswürdigsten Erscheinungen in der Virtuosität, indem er zugleich auch auf demvielleicht undankbarsten aller Instrumente, dem dünnen ungarischen Czakan, einerArt Pickelflöte, eine ganz »»gemeine Fertigkeit, und sogar Schönheit und Grazieentwickelte. In Berlin wurde dieser Virtuos von der Cholera überrascht und beiden ersten verkehrten Maßregeln dagegen abgesperrt, weil ein Krankheitsfall in sei-ner Nähe vorgefallen war. Blind und hülflos, wie er war, stand er das größteElendauS; überhaupt gcricth er in Armuth und cS mußten Unterstützungen fürihn gesammelt werden. Ein Gerücht sprach bald darauf von seinem Tode. Et-was Näheres haben wir nicht ergründen können. — Von den im Orchester ge-bräuchlichen Instrumenten bleiben uns nur noch die Blechinstrumente, Trompetenamd Posaunen übrig; denn auf die speciellen Erfindungen, wie z. B. Kcnthorn,Tenorhorn, Ophiklcidc u. s. w., können wir nicht eingehen. Die Virtuosität aufder Trompete war in frühern Zeiten viel allgemeiner als jetzt, wo man eingesehenhat, daß die zu künstliche Benutzung dieses Instruments gegen die wahre Wirkungdesselben ist. Findet sich daher auch fast in jeder Kapelle ein guter Solobläser, sokennen wir doch keinen, dessen Virtuosität sich zum Range einer selbständig erfreu-liche» Leistungerhoben hätte. In Berlin ist der ausgezeichnetste Bläser BaganS.Die Pojaunc hat sich, wiewol unsers ErachtenS ebenfalls sehr gegen ihre eigentlicheBestimmung, in neuerer Zeit mehrfach als Soloinstrumcnt geltend gemacht. Alsbewährtesten Bläser nennt man Quei sscr in Leipzig; Belke in Berlin soll ihmam nächsten kommen. Diesen letzter» haben wir oft gehört, müssen aber bei allerAnerkennung seiner Fertigkeit sagen, daß wir nie eine reine Freude daran gehabthaben.
Die gebräuchlichern Instrumente hätten wir nun betrachtet; doch bleibenunS noch einige andere zu erwähnen, die seltener, zumal in Deutschland, zu einergroßen Virtuosität gebracht werden. Zuvörderst die Harfe. Vor 10 Jahren undnoch länger waren die Virkuosinnen auf der Harfe — denn dieses Instrument falltmeist weiblichen Händen anheim — häufiger als jetzt. Großen Ruhm erwarbensich die Frauen Spohr, Gattin deS Componiflen, Longh! - Möser, eineItalienerin, die sich in Berlin mit dem berühmten Violinspieler Möser verheira-thcte, Frau Pollet und Fräulein Dc'mar, eine Schülerin von Naderrnann
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