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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
823
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Virtuosen 823

grade in seiner Entwickelungsperiode den Unterricht jenes Meisters und hakte seinBeispiel täglich vor Augen; dasselbe war mit Karl Mäser der Fall. ObspohrundMaysedcr in unmittelbarer Berührung mit ihm gestanden, vermögen wirnicht anzugeben, doch daß sie ihn und seine Werke studiren mußten, um Das zuwerden, was sie sind, ist gar keinem Zweifel unterworfen. Die vier eben genann-ten Namen bilden die deutsche Schule, wie die vorigen die französische; man sieht,daß Rode universeller als Alle für den Stammvater beider zu achten ist. Was dieeinzelne Wirksamkeit dieser Männer betrifft, so sind die ihnen besonders gewidme-ten Artikel zu vergleichen. Sie sind, wiewol meistentheils noch am Leben und so-gar noch öffentlich wirkend, jedoch schon als eine vorübergegangene Generation zubetrachten, indem sich auf ihre Grundlagen und zum Theil durch unmittelbare Schü-ler derselben bereits eine neue Virtuosität gebildet hak, deren Hauptvcrtrcter wirjetzt namhaft zu machen haben. In Frankreich ist es vorzüglich Beriot, seitkurzer Zeit mit der berühmten Sängerin Malibran verhcirathet, der durch sein vor-treffliches Spiel für einen großen Virtuosen gilt. Er hat diesen Ruf durch Kunst-reisen nach England und Holland und eben jetzt in Italien vollständig bewahrt.Über Werth und Charakter seines Spiels vermögen wir jedoch nicht speciell zu ur-theilen, da wir ihn nicht gehört haben. Boucher, berühmt durch seine Ähnlich-keit mit Napoleon, hat sein schönes Spiel in Charlatanerien zu Grunde gehen las-sen. Ein höchst ausgezeichneter Geiger war Karl LipinSki, der meist in Polenund Galizicn gelebt hat, aber seit einem Jahre verstorben ist. Indessen hat in denletzten drei bis vier Jahren die Erscheinung Paganini' sin Deutschland, Frank-reich und Italien eine förmliche Revolution des Biolinspiels verursacht und die jetztgeltenden Virtuosen, welche die neueste Kunst vertreten, haben mehr oder wenigervon ihm annehmen müssen, obgleich es bis jetzt noch Niemand wagen durfte, seineidm ganz eigenthümlichen Benutzungen des Instruments nachzuahmen. SeinBeispiel ha! jedoch gezeigt, daß man gewisse Schwierigkeiten, welche sonst die größ-ten Virtuosen nur halb besiegten, völlig in seine Gewalt bekommen könne, und in-sofern haben die jüngern Spieler, sich nach ihm bildend, den Kreis ihrer Aufgabenerweitern müssen. Ja sogar auf die Kompositionen hat sich dieser Einfluß schonsehr wahrnehmbar erstreckt. Sollen wir die neuern Spielern namhaft machen,welche auf diese Weise den jüngst erreichten Gipfel der Virtuosität vertreten, so nen-nen wir zuvörderst Moliquein München, der sich besonders durch ein keckes, ja,verwegenes Spiel auszeichnet, und auch als Componist bekannt ist; wir nennenFranz Pech ätsch eck, der vielleicht der modernste Componist für das Instrumentund zugleich ein äußerst glänzender Spieler ist; Joh. Calliwoda, einen gutenSpieler, doch bekannter als Componist. Für den gediegnem Styl sind aus Spohr'SSchule einige vorzügliche Virtuosen hervorgegangen, von welchen wir Leon deSaint-Lubin (s. d.), der sich auch mit dem neuern Spiel verl-raut gemacht hat,und Hubert Ries (Bruder des Komponisten Ferdinand RicS) namhaft machen.Der Letztere ist besonders durch den Vortrug der Kompositionen seines Meisters unddurch den tiefsinnigerer neuerer Werke, wie z. B. der letzten Becthovenschen Quac-ütte, höchst ausgezeichnet. Ein Schüler Möser's, Karl Zimmcrmann, gibtd>e rrfceulichsten Hoffnungen. Doch der ausgezeichnetste Spieler unserer Tage, dergewissermaßen alle ältern trefflichen Schulen in seinem gründlichen Spiele concen-üm und doch zugleich Alles, was die neuere Zeit Brauchbares erzeugt und ausge-übet, in sich aufgenommen hat, ist Karl Müller aus Braunschweig, der ältesteer vier Bruder, welche durch ihr wunderwürdigos Quarkektspiel einen so großenuf erlangt haben. (Siehe den betreffenden Artikel.) Dieser große Künstler vcr-"Uigt,Alles in sich, was die Virtuosen des heutigen Tages einzeln leisten, dasurhtige Unicum Paganini, welches außer allem Vergleich steht, natürlich auSge-üinien. Doch ist Müller ihm in gewisser Beziehung sogar vorzuziehen, indem