82V Virtuosen
glänzendsten Entwickelung ihrer Kunst dienten, jetzt von Anfängern mit ziemlich»Geläufigkeit vorgetragen werden; doch ein großer Irrthum würde es sein, darausden Schluß zu ziehen, daß unsere Anfänger so viel leisteten als jene Meister. Ja,wir bezweifeln, daß viele unserer ausgezeichnetsten Virtuosen eS vermöchten, sitz,mit einem jener einfachen Stücke hören zu lassen, wenn einer der alten Meister esvor ihnen gespielt hätte. Denn bei diesen kam es auf den Grad der Schönheit an,mit welchem fie das Anspruchlose vortrugen; nur um in dieser feinsten Ausbildungeinen hohen Grad zu erreichen, übten sie sich mit einer Unverdrossenhe it, die man jetztvielleicht sehr selten findet. Sollte man nun glauben, daß solche Anstrengungenfür einen Element! und Violti verloren gegangen wären und daß fie eS damit nichtweiter gebracht hätten al« unsere Anfänger, welche jetzt mit ihren Stücken beginnen?Schwerlich! Die ganze Virtuosität hat nur eine andere Richtung genommen, undältere Meister würden erstaunen, freilich aber nicht angenehm, wenn sie sähen, wasaus ihrer edeln schönen Kunst geworden ist. Indessen darf man auf der andemSeite nicht ableugnen, daß die vielseitigere mechanische Ausbildung auch die Mög-lichkeit gewährt hat, vielfältigere Wirkungen zu erreichen und den Gedanken in man-nichfachster Weise zu schattiren. Somit ist die Virtuosität nicht ohne Rückwirkungauf die Composikionen geblieben, und der Gedanke, dem zahlreichere Wege undFormen offen stehen, mußte dadurch an Reichthum und Mannichfaltigkeit aufgleiche Weise gewinnen. Im Allgemeinen zwar hak dieser Reichthum an Mittelnin der Composition nur dazu gedient, die Armuth der Erfindung zu verschleiern undin der Virtuosität betäubt uns mechanische Fertigkeit und sucht uns durch die Wir-kung d«S Erstaunens um die der Freude über reine Schönheit zu bringen. Dochgibt es auch sehr rühmliche Ausnahmen davon, und in diesem Verein beider Eigen-schaften muß man allerdings auch einen allgemeinen Fortschritt der ausübendenKunst anerkennen.
Der leichtern Übersicht wegen wollen wir hier nicht einer alphabetischen Ord-nung folgen, sondem die Virtuosen und die Virtuosität nach Instrumenten ein-theilen, der Einzelnen aber nur kürzere Erwähnung thun. Als das Fundamental-Jnstrument wollen wir zunächst das Fortepiano nehmen. Die größten und be-rühmtesten Virtuosen auf demselben sind freilich fast alle schon in einzelnen Artikelnin diesem Werke behandelt oder doch wenigstens im Art. Componisten genanntworden. Der Übersichtlichkeit wegen wollen wir sie jedoch hier ganz kurz mit ange-ben. Aus der ältern Clcmenrischen Schule, die vorzüglich einen edeln Styl, einenschönen Vertrag und die Kunst der Bindungen bezweckte, sind die größten der dar-aus hervorgcgangenenVirtuosen folgende vier: Cramer zu London, John Fieldzu Moskau, Ludwig Berger zu Berlin und August Alexander Klengelzu DreS-den. JohannBaptista Eramer, 177t zu Manheim geboren, ist vorzüglich durchseine 84 vortrefflichen Clavieretüden bekannt geworden. Als Spieler genießt ereines außerordentlichen Rufes, doch haben wir selbst ihn nicht gehört, indem erEngland nur sehr selten verlassen hak. Noch 1833 machte er eine Kunstreife nachDeutschland und Frankreich, wobei er sich zu München und Paris hören ließ.John Field (s. d.) ist unstreitig der größte Spieler aus dieser Schule und hat so-gar seinen Meister an gediegener Fertigkeit und Grazie übertroffen. Ludwig B e r -ger (s. d.), der größte Componist unter den genannten und zugleich Der, welcher diegenialste Weise des Vorlrags besitzt, lebt seit 1815 zu Berlin. Klengel ist si"einer Reihe von Jahren Organist an der katholischen Kirche zu DreSden; das Cla-viersplel hat er fast gänzlich aufgegeben und beschäftigt sich dagegen nur mit Eow-positionen im strengsten Styl, worin er eine wunderwürdige Meisterschaft erreichthaben soll. Von diesen vier Spielern ist wiederum eine jüngere Generation, auswelche sich die eigenthümlichen Schönheiten der Methode vererben, ausgegangenVon Field sind uns als SchülerPasspin Stockholm und KarlMeper, sitz >»
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