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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
734
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734 Verantwortlichkeit der Staatsbeamten

von welcher der Ausbruch hervorgebracht worden ist. Diese unermeßliche Kraftliegt in der Natur und Bestimmung des menschlichen Geistes, dessen Entwicke-lungsbahnen nicht non ihm selbst gewählt werden, sondern denen er unaufhaltsamund unabänderlich folgen muß, weil eine höhere Macht und Weisheit sie ihm, wieden Gestirnen ihren Lauf vorgezeichnet hat. Auf jener dem Menschengeschlecht vonder Vorsehung vorgeschriebenen Entwickelungsbahn scheint nun der Zeitpunkt ge-kommen zu sein, wo das Menschengeschlecht, und vorzüglich der ältere Zweigder Völkerfamilie, für die Idee des Rechts empfänglicher geworden ist, und auchin den öffentlichen Verhältnissen nach einer strengern und vollständigem Gerechtig-keit strebt, ein Streben, welches jede große Bewegung in der Welt, auf Übertrei-bungen, Irrthümer, Abwege und in große Widersprüche mit sich selbst führt (ilsvouieut Äre libres, et ils ne ruvent >>a« Äre justes) aber darum doch in seinenGrundlagen naturgemäß und unwiderstehlich ist. Jene Verirrungen sind am wirk-samsten durch das eigne Princip, dessen Verfälschung sie sind, zu bekämpfen, undman kann mit ebenso viel Wahrheit, wie zum Kriege Geld, und abermals Geldund wieder Geld nothwendig sei, auch sagen, daß, um die Völker vor Revolutionzu bewahren, zuerst Gerechtigkeit, zum zweiten Gerechtigkeit und zum dritten Ge-rechtigkeit erfodert werde; Gerechtigkeit für Alle, gegen Alle und in Allem. Dazuist aber vor allen Dingen erfoderlich, daß in der Staatsverwaltung selbst von deruntersten Stufe bis zur höchsten das Rechtsprincip vorherrsche und von einem Je-den, welcher sich durch einen hohem oder niedern Staatsbeamten in seinem Rechteverletzt glaubt, mit Erfolg geltend gemacht werden könne. Dieser Herrschaft desRechts in der Staatsverwaltung setzt sich vieles entgegen, die Trägheit und der Ei-gennutz der Beamten, vor allem aber und vornehmlich in der neuesten Zeit dieSucht der Autorität, welche angeblich den Zweck nicht über bloße Formen undNebendinge verlieren, nicht sowol Recht haben als immer Recht behalten will, undsich, weil es ihr oft an der innern Begründung fehlt, durch den äußern Scheinbehaupten zu können glaubt. Sie hält sich daher schon verletzt und die Wirk-samkeit des Staats für gehemmt, wenn sie eingestehen soll, daß die Verwal-tung auch nur in einem ihrer untern Organe gefehlt habe, wenn sie einen Be-schluß zurücknehmen oder denselben mit RechtSgcünden rechtfertigen soll. DieRedlichkeit der untern Beamten wird in manchen Ländern zwar mit großemGeräusch beaufsichtigt, und zuweilen der Beamtenstand mehr, als es gut ist,blosgestellt, aber es gibt doch überall noch eine Menge von geheimen Win-keln, in welchen der Eigennutz wie eine giftige Wucherpflanze Schutz undNahmng findet, und welche nur durch das Licht einer vernünftigen Preß-freiheit aufgeräumt werden können. Allein viel gefährlicher als der Eigennutzist der Hang zur bloßen äußern Autorität, welcher von den untern Beam-ten nur blinden Gehorsam und Unterwürfigkeit, kriechende Schmeichelei fodert,dafür aber auch dem vermeintlichen Ansehen des Dienstes Ruhe und Ehre der Ein-zelnen, welche das Unglück haben mit den Beamten in CoUision zu kommen, undwas noch schlimmer ist, Wahrheit und Recht bereitwillig zum Opfer bringt. DieseSucht der Autorität ist zwar immer vorhanden gewesen, sie hat aber in der neuernZeit nicht allein mehr überhand genommen, sondern sie ist auch schädlicher als je.Sie findet in den gesetzwidrigen und der echten bürgerlichen Freiheit am meisten zu-widerlaufenden Unternehmungen der letzten Jahre eine willkommene Entschuldi-gung und Nahrung; sie heilt aber nicht, sondern sie vergrößert und vergiftet dieWunden, welche den Völkern durch Fanatismus und Verkehrtheit eines kleinenTheiles geschlagen werden. Diese Sucht der Autorität ist es also, welche sich derAnwendung des kräftigsten Heilmittels am meisten widersetzt, und unter dem Ver-wände, daß die Zeit zu aufgeregt sei, Dasjenige zurückweist, welches sie am meistenberuhigen könnte. Einrichtungen, welche erfodert werden, um vernünftige und