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unvergleichlichen Tiefe und Anmuth ihres Wesens ergriffen, schon damals ihrenBesitz als höchstes Ziel seines Stcebens ins Auge. Um aber dieses zu erreichen,mußte er zuvor eine feste Stellung im Leben gewinnen und so war Trennung fürden Augenblick geboten, während welcher die innigste Verbindung durch unausge-setzten Briefwechsel unterhalten wurde. Als 1813 Preußen sich gegen den Druckder fremden Herrschaft erhob, war Rahe! eine der ersten und thätigsten unter denFrauen, die durch Fürbitte, Rath, Krankenpflege und Hilfsleistung jeder Artdas große Werk beförderten. Während des Waffenstillstandes begab sie sich nachPrag, wo sie dieselbe Thätigkeit mit unaufhaltsamem Eifer, obgleich von Krank-heit ergriffen, mehre Monate hindurch fortsetzte. Unzählige verwundete, erkrankteund hülfsbedürstige Preußen, die durch die Kriegsereignifse nach Prag versprengtwaren, konnten, durch ihre Unterstützung und Pflege aufgerichtet, wieder zumHeere abgehen. Im Sept. 1814 ging sie nach Berlin zurück, wo sie sich mitVarnhagen von Ense verheicathete, bald darauf aber denselben nach Wien begleitete,wo sie während des Eongrcffes und später, während ihr Gatte dem StaatSkanzlerFürsten von Hardenberg nach Paris folgte, bis zum Jul. 1815 blieb. Hier wieüberall war sie mit den ausgezeichnetsten Männern und Frauen in fortgesetzter ge-selliger und geistiger Verbindung. Im Aug. 1815 traf sie in Frankfurt am Mainmit ihrem Galten wieder zusammen und zog mit demselben, als er zum preu-ßischen Geschäftsträger, dann zum Ministerresidcnten am Hofe zu Karlsruhe er-nannt wurde, dahin, wo sich denn ebenfalls die angenehmsten und belebtesten Ver-hältnisse gar bald entwickelten. Im Sommer 1819 ging sie mit ihrem Gatten,der von seinem Gesandtschaftsposten abberufen worden, nach Berlin zurück. Vonda an lebte sie still in einem kleinen, aber gewählten Kreise geistreicher Perso-nen, immer betrachtend, die schönste Geselligkeit erschaffend und belebend, in zu-nehmender Kränklichkeit durch die Gesundheit des jugendlich gebliebenen Geistes sichaufrecht haltend. Einige Reisen nach Teplitz, Dresden und Baden wurden in denJahren 1821, 1822 und 1825 zu heilsamer Erfrischung durch den Wechsel derEindrücke, im Jahre 1829 eine abermalige Reise nach Baden zur Erholungvon einer schweren Krankheit unternommen. Als 1831 Berlin von der Choleraheimgesucht wurde, konnte Rahe! dem ihr inwohnendcn menschenfreundlichenTriebe, obgleich von Körperleiden bei abnehmenden Kräften immer härter bedrängt,so wenig als in frühern Zeiten widerstehen. Eifrig und thätig, wiewol still undungenannt, spendete sie Trost und Hülfe in nähern und fernen Kressen, undsuchte, soweit ihre Kräfte reichten, dem allgemeinen Unheil zu wehren. Zu jederZeit ihres L-bens hatte Rahe! in den Thatsachen der geistigen Welt, in den Bezie-hungen des irdischen auf ein höheres Leben die liebsten Gegenstände ihrer Betrach-tung gefunden; in ihren letzten Jahren aber trat dies« Richtung nach dem Unsicht-baren immer entschiedener hervor und nabln gegen das Ende ihrer Tage noch mehrden Charakter fester Überzeugung an, sodaß endlich ihr Tod, wie sie ihn sich gedachthatte, als das Bewußtwerden des Unendlichen erscheinen mochte.
Wir sehen in Rahe! ein seltenes Beispiel von der siegreichen Macht unabhän-giger Selbstentwickelung und unverbrüchlicher Wahrheitsliebe. Aller Einfluß durchStand und Namen, durch Schönheit uno glänzende Verhältnisse, durch künstleri-sche oder schriftstellerische Verdienste war ihr versagt! dennoch hat sie unglaublichauf die umgebende Welt gewirkt, tun Besten ihrer Zeit gleich und nahe gestanden,eigenthümliche», tiefen Eindruck gemacht, die allgemeinste Aufmerksamkeit, Ach-tung und Wohlgesinnung erworben, und all Dies durch ihr einfaches, tägliches Leben,durch das unbefangene Walten ihrer stets wahren, gütigen, erweckenden Persön-lichkeit. Sie ergründete durch eigne Forschung sich selbst, die Menschen und dieWelt bis zur innersten Wurzel, und stellte das Erkannte dar in selbst gefundener,scharf bestimmender, treu abbildender Sprache. WaS sie schrieb und sagte, war
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