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Uruguay 72!
der Waffe in der Hand geführt wurde, zu vernichten. Um 1800 griff endlich dieRegierung zu einem ebenso sonderbaren als geeigneten Mittel; sie zog den berüch-tigtsten, entschlossensten aller Schleichhändler in ihr Interesse, um den Schleich-handel in der Banda Oriental zu vernichten. Dieser Mann war Don FemandoJas, de Artigas aus Montevideo. Als der Sohn eines Landbesitzers hatte er inseiner Jugend kaum lesen und schreiben gelernt; dagegen verstand er mit Pferdenund Rindern gut umzugehen, besorgte seines Vaters Heerden und verhandelte dieHäute und Homer nicht blos an die Bewohner seiner Vaterstadt, sondern auch andie Schleichhändler. Der Umgang mit diesen war verführisch; die zügellose Lebens-art gefiel dem wilden Jüngling; er verließ den Vater und schloß sich einer Bandean. Bald wurde er das Haupt der Schleichhändler und der Schrecken des Landes.Er übertraf seine Gesellen nicht blos an Kenntniß der Schleichwege, der Schlupf-winkel und Verstecke jener weiten Einöden, sondem auch durch seine Körperkraft,seine Gewandtheit im Reiten, seinen entschlossenen Muth und seine Rechtlichkeitbei der Vertheilung der Beute und des GewinnS. Der Name ArtigaS allein wareine Macht, der die Einwohner wie die Behörden stets in Furcht und Schreckenversetzte. Die gegen ihn ausgesendeten Milizen vermochten nichts gegen ihn. Einstvon einem weit stärken» Truppencorps aus der Ebene der Pampas hart verfolgt,wo der gänzlich erschöpfte Zustand der Pferde eine weitere Flucht unmöglich machte,ließ er eine große Zahl seiner Pferde niederstechen und aus ihren Körpern eine Ver-schanzung bilden, hinter welcher er gegen seine Verfolger ein so nachdrückliches Feuerunterhielt, daß sie sich mit großem Verluste zurückziehen mußten. UnterseinerSchar selbst hielt er die größte Zucht und jedes Verbrechen wurde auf der Stelle mitdem Tode bestraft, oder die Verbrecher wurden, wenn cS mehre waren und er Pulver und Blei schonen mußte, in die Häute frisch geschlachteten Viehes gebunden,sodaß nur der Kopf frei blieb und sie, wenn die Haut trocknete und einschrumpfte,eines elenden Todes sterben mußten. ArtigaS war wohlgebaut, von mittlerer Größe,seine Gesichtszüge mild und einnehmend; er hatte nur spärlichen Haarwuchs undeine schöne weiße Haut, die weder die Sonnenhitze noch der Einfluß der Witterung,denen er stets ausgesetzt war, zu bräunen vermochte. Er vereinigte mit dem An-schein von Kaltblütigkeit außerordentliche Reizbarkeit; mit anständigem Ernsteeinschmeichelnde Feinheit, kühne Freimüthigkeit mit Höflichkeit, die Sprache desFriedens mit einer angeborenen Neigung zur Zwietracht und lebhafte Liebe zur Unabhängigkeit mit verworrenen Begriffen über die Act, sie zu erlangen. DiesenMann, von der Natur mit allen Eigenschaften eines Parteigängers ausgestaltet,gewann Conde Sobrementa, der Vicekönig von BuenoS ApreS, durch eine voll-ständige Amnestie und die Hoffnung einer angemessenen Belohnung für das In-teresse der Regierung zur Vernichtung des Schleichhandels. In wenigen Jahrensäuberte Artigas die Banda Oriental von allen Räubern und Schleichhändlern undstellte das Ansehen der Regierung und die Sicherheit des Eigenthums vollkommenher. Zur Belohnung wurde er zum Gencralfeldwächter (tHuurcla goneeul <le InOvnipvüi,) der Provinz Montevideo mit einer guten Besoldung ernannt. Bei demAusbruche der Revolution in BuenoS Apres war zu Montevideo ein spanischesRarinedepot; die meisten Beamten und Offiziere, wie der größere Theil der Be-satzung, waren geborene Spanier und daher entschiedene Gegner der Umwälzung;der Commandant, General Elio, faßte strenge Maßregeln, um die Anerkennungder provisorischen Junta von BuenoS Apres zu verhindern und ließ alle patriotischgesinnten Offiziere verhaften. Dessenungeachtet empfingen die Eingeborenen vonMontevideo die Nachricht von der Einsetzung einer Nationaljunta zu BuenoSApres mit Begeisterung und beschlossen, auf ihrem Stadthause versammelt, ein-"suthig sich gn die Hauptstadt anzuschließen. Die Ausführung dieses Entschlusseshtnderle der gekränkte Ehrgeiz eine« Mannes, der aiS der Urheber alles UnglücksEouv.-llex. dir neuesten Zeit und tzlteratur. IV. 46