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Univcrsitätswesen 719
aus allen Ständen zu ähnlichen Verirmngen hinriß, hauptsächlich durch jeneZwangsmaßregeln gegen jede Regung des naturgemäßen und unvertilgbaren poli-tischen Lebens unter den Studenten. Man gebe dem gemeinsamen Skudentenledenöffentliche gesellschaftliche Formen, und man wird in dieser Öffentlichkeit die sichersteGarantie für die Unschädlichkeit derselben haben. In diesen öffentlichen Formenwird man auch den politischen Geist der studirenden Jugend sich ohne Gefahr frei aus-sprechen lassen können. Man strafe strenge die politischen Verbrechen Einzelner, abernur qn den Einzelnen, damit man nicht durch Verdächtigung und Verfolgung auchDenen den Charakter der Staatsgefährlichkeit aufpräge, dle ohne Jene unschuldigwaren. Man hemme nicht die Begeisterung der Jugend für politische Ideale, auchwenn sie mit den bestehenden Verhältnissen nicht in Einklang gebracht werden kön-nen, so lange sie nicht aus dem Gebiete der Idee und der jugendlichen Phantasie instrafbare Handlungen heraustreten. So wird sich der Geist der Gesetzlichkeit undder Mäßigung auch unter den Studirenden geltend zu machen wissen; die Tüchti-gern und die Wohlgesinnten, die falsche politische Ängstlichkeit nur zu oft zurück-drängt, werden durch ihre geistige Übermacht den bessern Sinn in der ganzen Ge-meinschaft zur Herrschaft bringen, und gehalten und getragen durch diesen öffent-lichen Geist der ganzen Gemeinschaft, wird auch jeder Einzelne, Schwächere, festerden Einwirkungen der Zeit oder den Lockungen und Versuchungen unbesonneneroder egoistischer politischen Revolutionsmacher zu thörichten und widerrechtlichenUnternehmungen zu widerstehen im Stande sein. Somit wäre denn auch dieserletzte Vorwurf, als wäre die Freiheit des StudenkenlebenS der Grund der verderb-lichen Vcrirrunaen der studirenden Jugend, von den Universitäten abgewendet, unddie Beibehaltung dieser Einrichtung auch unter den gegenwärtigen Zeitvcrhältnissengerechtfertigt.
Es würde ein ganz vergebliches Bemühen sein, aus dem Wege der wissen-schaftlichen Verständigung und der Überzeugung jene Absolutisten für die Universi-täten zu gewinnen, denen die Wissenschaft und die freie geistige Bildung überhauptein Greuel ist, und die nur stumpfsinnige Hingebung an die äußere Autorität undblinden Gehorsam unter die unbedingte Herrschaft wollen. Sie müssen die unver-söhnlichen Feinde der Universitäten sein, denn von diesen strömt das Licht der Wis-senschaft aus und durch diese eine selbständige Gcistcsthätigkeit, Aufklärung undfreie Geistesbildung, die jene Plane für unbedingte Herrschaft und blinde Autori-tät immer wieder zerstört. Der Kampf der Universitäten mit diesen Gegnern istdaher nur ein Kampf der Gewalt, der jedoch wol darum gefahrlos für jene ist, weildie äußere Macht dieser Partei, wenigstens gegenwärtig, noch zu gering ist, als daßsie ihre verderblichen Plane durchzusetzen im Stande wäre; gelänge es ihr je, die Machtan sich zu reißen, so wäre dies freilich nicht allein der Sturz der Universitäten, son-dern auch der Triumph der Barbarei und der geistigen Nacht. Möchten dagegenjene wohlmeinenden Gegner der Universitäten oder doch ihrer freien Verfassung,welche die hohe Bedeutung und Würde der Wissenschaft anzuerkennen und zu ach-ten wissen, sich klarer bewußt werden, waS sie thun, wenn sie diese ehrwürdigenInstitute anfeinden und zu zerstören suchen. Möchten sie sich überzeugen lassen,wie sehr das Gedeihen der Wissenschaft durch die Freiheit und Selbständigkeit derUniversitäten, wie hier gezeigt worden ist, bedingt sei, und daß sie also, durch Zer-trümmerung dieser Verfassung, nur der Unwissenschaftlichkeit und der Knechtschaftin die Hände arbeiten. Zu diesen wohlmeinenden Gegnern aber möchten wir imGanzen auch die deutschen Regierungen zählen, von denen nicht zu glauben ist, daßsie die Würde der Wissenschaft verkennen können, wiewol diese mehr alS Änderedurch politisches MiStrauen und Ängstlichkeit ungünstig gegen die Universitätenbestimmt sein mögen. Darauf stützt sich unsere Hoffnung, daß die deutschen Uni-versitäten durch die jetzt wahrscheinlich bevorstehenden Anordnungen der deutschen