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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
708
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708 Um'versltätswcscn

eben bedürfen sie einer durch eine freie Verfassung begründeten korporativen Selb-ständigkeit, die st- vor solchen Eingriffen gesetzmäßig schütze.

Aus dem Wesen der Wissenschaft läßt sich aber auch noch eine zweite Fode-rung für die äußere Verfassung der Universitäten ableiten. Zu dem Wesen der wis-senschaftlichen Erkenntniß gehört eS nämlich auch, daß sie alles Mannichfaltige alsdurch die Einheit bestimmt betrachte, durch die höchsten Gesetze und Principien,aus denen alles Besondere abzuleiten ist. Die Wissenschaft ist daher wesentlich einGanzes, dessen Theile unzertrennlich zusammenhangen und ineinandergreifen, so-daß, je mehr etwas als ein Einzelnes abgesondert aufgefaßt wird, um so wenigerdasselbe wissenschaftlich erkannt ist. Die wissenschaftliche Ausbildung fodert dahernothwendig, die Wissenschaften in diesem ihrem Zusammenhange und ihrer Ein-heit zu studiren, mithin zunächst mit dem Studium derjenigen Wissenschaft, welchediese Einheit vorzugsweise darstellt, der Philosophie, zu beginnen, aber auch inder Folge bei dem Studium jeder speciellen Wissenschaft das Bewußtsein ihrer Ein-heit mit dem Ganzen nie aus den Augen zu verlieren. Wie wäre dies also möglich,ohne daß die wissenschaftlichen Lehranstalten diese Zusammengehörigkeit aller Wis-senschaften auch äußerlich in ihrer Verfassung darstellten und in der MittheilungS-weise der Wissenschaften aussprächen. Dazu nun ist zunächst nothwendig, daßeine echte Lehranstalt der Wissenschaft alle Wissenschaften in sich vereinige, daß st-eine wirkliche läniversitn» sei. Damit also müssen wir uns nachdrücklich gegen dieZerschlagung der Universitäten in Spccialschulen für einzelne wissenschaftliche Fächererklären, weil durch sie, mit Zerreißung der innigen Gemeinschaft zwischen allenWissenschaften, das Wesen der Wissenschaft selbst zerstört und diese höchstens nurzu gemeinen Mitteln für andere praktische Zwecke herabgewürdigt wird. Ich setzehier die kräftigen und wahren Aeußerungen Schleiermacher's her.Wenn eineRegierung die Universitäten in Specialschulen verwandeln wollte, so wäre dies",sagt er in der oben angeführten Schrift,ein trauriges Zeichen davon, daß manden Werth der höchsten Bildung für den Staat verkennt und daß man den bloßenMechanismus dem Leben vorzieht. Ja, wo ein Staat die Universitäten, den Mit-telpunkt und die Pflanzschule aller Erkenntniß, zerstörte, und alle dann nur nochgleichsam wissenschaftliche Bestrebungen zu vereinzeln und aus ihrem lebendigenZusammenhange herauszureißen suchte: da darf man nicht zweifeln, die Absichtoder wenigstens die unbewußte Wirkung eines solchen Verfahrens ist Unterdrückungder höchsten stetesten Bildung und alles wissenschaftlichen Geistes, und die unfehl-bare Folge das Überhandnehmen eines handwerksmäßigen Wesens und einer kläg-lichen Beschränktheit in allen Fächern." Doch es ist nicht hinreichend, daß Lehrerund Studlrende von allen Wissenschaften in der Universität vereinigt sind, sondernsie müssen auch in einem lebendigen geistigen Verkehr miteinander stehen, sie müs-sen in einem Verhältniß lebendiger gegenseitiger Anregung und Mittheilung unter-einander stehen, und sich Alle als einem Ganzen angehörend fühlen. Zu dieser in-nern geistigen Gemeinschaft aber sollen die Mitglieder der Universität durch eine äu-ßere Verfassung zusammengehalten werden, welche sie äußerlich zu Einem innigverbundenen Gemeinwesen vereinigt. Die ganze Universität, Professoren undStudenten, sollen ein in sich organisch zusammenhangende- und in sich abgeschlos-senes Ganzes bilden, sie sollen auch nach Innen eine Corporation sein. Je mehrman die corporative Abgeschlossenheit der Universitäten auflöst und der unmittel-baren Staatsverwaltung den Eingang öffnet, desto mehr wird sich der Gcmeingeistaus den Universitäten verlieren, desto mehr wird sich jede« Mitglied derselben als isolirtvon den andern fühlen, desto mehr also wird auch die geistige Gemeinschaft aufgelöst,desto weniger also die Idee der Einheit aller Wissenschaften in den studirendcnJünglingen geweckt werden können. In dieser Hinsicht entsprechen unsere Univer-sitäten gegenwärtig keineswegs ihrer Idee. In den Professoren ist der Gemeingeist