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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
707
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UniversitätSwcscn 707

sein muß. Die Universität muß eine gewisse, durch ihre Verfassung begründete,Unabhängigkeit von der Regierung besitzen, sie muß frei und selbständig ihre wis-senschaftlichen Zwecke zu verfolgen im Stande sein. Durch ihre freie Verfassung,durch ihre Rechte und Privilegien, gelang es den Universitäten des Mittelalters,mitten in der Rohhcit der Zeit, doch der Wissenschaft ungestörte Pflanzstätten zuöffnen, durch die Wissenschaft mächtig einzuwirken auf ihre Zeit, selbst gegen diedamals so mächtige Gewalt der Kirche oft die freie Wissenschaft standhaft zu be-haupten, später aber zu der Erkämpfung der Geistessceiheit in der Reformationbedeutend mitzuwirken. Hat nun aber die hierarchische Kirchengewalt aufgehört,für die Selbständigkeit der Universitäten gefährlich zu sein, so gilt es jetzt um somehr, diese Selbständigkeit gegen die Politischen Einwirkungen der Staatsgewaltaufrecht zu erhalte». Zwar sind wir weit entfernt, die Staatsgewalt als eine derUniversität und ihrem Zweck, der Wissenschaft, feindselige oder doch fremdartigeanzusehen; denn geben wir uns nicht der einseitigen Ansicht von dem Staate alsbloßer Rechtsanstalt hin, sondern betrachten wir ihn als die höchste umfassendsteGemeinschaft für alle gemeinsamen Zwecke der Menschen, so fällt auch die Wis-senschaft, als einer der bedeutendsten, unter die Zwecke des Staats, so ist also auchder Staat verbunden, den Anstalten für die Wissenschaft seine Sorgfalt zu wid-men, sowie diese der Staatsgewalt unterworfen und in sofern Staatsanstaltensind. Damit aber ist keineswegs zugestanden, daß die Universitäten nicht dermochinnerhalb der gesetzmäßigen Grenzen der höchsten Staatsgewalt doch eine gewisseSelbständigkeit behaupten sollten, daß nicht ein gewisses Gebiet ihrer Unabhängig-keit ihnen gesetzmäßig zugesichert sein sollte, innerhalb welches ihnen eine un-gestörte Thätigkeit für die freie Behandlung der Wissenschaft gestattet wäre. Sturjenes elende System der mechanischen Centralisation kann eine solche Selbständig-keit als unverträglich mit dem Staate ansehen. Überhaupt ist es für die geisti-gen Angelegenheiten immer heilsam, wenn die Staatsgewalt sich so wenig als mög-lich in das Innere derselben einmischt, sondern sie der freien Thätigkeit Derjenigenüberläßt, die sich für diese Zwecke vereinigt haben. So ist es der Kirche und da-durch mittelbar auch der Religion höchst verderblich gewesen, daß sie allmälig immermehr ihrer Selbständigkeit und Unabhängigkeit von dem Staate beraubt und nachpolitischen Interessen auf das Härteste bevormundet und unterdrückt worden ist.Darum ist es auch für die Universitäten dringendes Bedürfniß, daß sie sich durckihre freien Verfassungen als selbständige Corporationen von dem Einflüsse derStaatsgewalt so viel möglich unabhängig erhalten, daß sie für sich das Recht derSelbstregierung ihrer Gemeinschaft, der eignen Verwaltung ihrer innern Angele-genheiten behaupten. Nur so wird es ihnen gelingen, freie Entwickelung undMittheilung der Wissenschaft, freie Wahrheitsforschung gegen die Einwirkungeneiner unwissenschaftlichen Politik sich zu sichern, und die Universitäten vor der Herab-würdigung zu bloßen Veranstaltungen zum unmittelbaren Gebrauche der Staats-verwaltung zu bewahren. Denn die verwaltende Staatsbehörde, die aus praktischenGeschäftsmännern zusammengesetzt ist, verkennt nur zu leicht den Werth der reinenWissenschaft selbst, sie ist nur zu häufig von der verderblichen Ansicht befangen, daßdie Wissenschaft nicht um ihrer selbst, sondern nur uin ihretwillen, nur als Mittelfür den praktischen Beruf betrieben werde; statt also das in dem wissenschaftlichenVereine selbst liegende natürliche Bestreben, sich ganz nach der Idee der Wissen-ichast zu gestalten, frei sich selbst zu überlassen, wird die Verwaltungsbehörde viel-mehr geneigt sein, in der ganzen Einrichtung der Universitäten dasjenige, was nurauf Einübung zu einem künftigen Geschäftsberufe im Staatsdienste abzweckt, vor-walten zu lassen. Solchen Einwirkungen müssen die Universitäten mit ganzerKraft entgegenstreben, wenn sie nicht ihr innerstes Wesen aufgeben und ihren Zweck,w hohe Wissenschaft, auf das schnödeste entwürdigen lassen wollen, und dazu