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Vierter Band (1834) S bis Z
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Universitätswesen

Zweck der Universitäten, der hier, wie bei der ersten Classe von Gegnem, angefoch-ten wird; man will wissenschaftliche Bildung, Verbreitung der Aufklärung undgründlicher Gelehrsamkeit; nicht auf Aushebung der Universitäten selbst oder aufgänzliche Vernichtung ihres innern LebcnSprincipS, der freien Lehre, gehen vonhier aus die Vorschläge, sondern nur gegen die bestehende äussre Verfassung sindsie gerichtet, eben durch Aufhebung oder wesentliche Reformation dieser glaubt mandie wahren Zwecke der Universitäten zu fördern. Aufhebung der ganzen Selbstän-digkeit und Abgeschlossenheit der Universitäten als Korporationen und der damitverknüpften angeblichen Privilegien, namentlich also der eignen akademischen Ge-richtsbarkeit, der zunftähnlichen Trennung der Fakultäten, der Verrichtungen desSenats, z. B. der Mitwirkung der Professoren bei Besetzung vacanter Stellenu. dergl.; all Dies soll unmittelbar der Leitung der höchsten Staatsbehörde übergr-ben werden. Diese äußere Verfassung der Universitäten aber ist, wie wir spät«,zeigen werden, so enge mit dem Wesen und Zweck der Universitäten selbst ver-knüpft, ist eine so unumgängliche Bedingung des wahren Gedeihens derselben,daß auch diese wohlgemeinten V-rbefferungsvorschläge die innere Bedeutung der Uni-versitäten fast nicht minder gefährden, als die der oben erwähnten direkten Feinde derUniversitäten und ihres innern Wesens selbst. Au diesen beiden Hauptclassen vonGegnern der Universitäten kommt noch eine dritte, die aus dem unsere Zeit beherr-schenden Geist der Industrie und der unmittelbaren Nutzbarkeit hervorgeht. Nurdem aus diesem niedrigen StandpunktePraktischen", d. h. dem für den Broter-werb unmittelbar Förderlichen oder für das Geschästsleben unmittelbar Anwend-baren gesteht man einen Werth zu, und deswegen wird die reine Wissenschaft,weil sie in diesem Sinne unpraktisch ist, weil sie nur Theorie ist, für unnütz, fürleere Grübelei der Stubengelehrten gehalten. Leider sehen wir nicht wenige Staats-männer von diesem Geiste befangen, die, ohne Sinn für die Wissenschaft selbst,den Werth derselben nur nach dem Maßstabe der sogenannten materiellen Interes-sen, uach dem Grade der Förderung der Industrie beurtheilen. Von diesemStandpunkte aus erklärt sich jene Vorliebe für polytechnische Schulen, deren gro-ßer Werth zwar durchaus nicht verkannt werden soll, die aber nur dann mit größe-rer Aufmersamkeit behandelt werden können als die Universitäten, wenn man dasunmittelbar Nützliche und Praktische höher stellt als die Wissenschaft, die ihrenWerth und Zweck nicht erst in etwas Andern; zu suchen braucht, sondern rein insich selbst trägt. Sollen nun die Universitäten nach diesen niedrigen Ansichten um-gestaltet werden, so geht die Klage gegen sie dahin, daß sie sich viel zu sehr mit lee-ren Theorien beschäftigen, sie sollen also praktischer werden. Und dies bedeutethier nichts Anderes, als die Universitäten sollen AbrichtungSanstalten künftigerStaatSdiener zum Dienste in der StaatSmaschiene werden und dadurch den Studi-renden die nöthigen Kenntnisse verschaffen, durch welche sie sich ihren künftigenBroterwerb sichern können. Unter den Studirendcn selbst sind ohnehin nur zuViele diesem gemeinen Brotdienst ergeben, und nur Wenige erheben sich aus derMasse dieses Pöbels zu einem dem Wesen der Universitäten entsprechenden freienStreben nach echter Wissenschaft. Nach Analogie dieser Classisication der GegnerdeS UniversitätSwesenS können wir auch ihre Freunde und Vertheidiger anordne».So sehen wir auf der einen Seite diejenigen Liberalen, die den engen Zusammen-hang der freien wissenschaftlichen Geistesbildung mit dem freien politischen Lebenerkannt haben, als die wärmsten Vertheidiger des freien UniversitätSwesenS her-vortreten, während zugleich auf der andem Seite häufig auch Aristokraten und An-hänger deS Alten, aus Vorliebe für die alte korporative Verfassung der Universitä-ten sich derselben annehmen; und zu diesen kommen dann als die natürlich-sten Vertreter deS Wesens der Universitäten alle Diejenigen, welche von dem Wer-the wahrer freier Wissenschaft durchdrungen sind.

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