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Ungarn in der neuesten Zeit K93
macht alles auf dem General-, Districtual- und Particularconvente so gut als mög-lich ab. An eine Vereinigung beider protestantischen Kirchen in Ungarn ist vor derHand nicht zu denken; die Regierung ist dagegen, sowie die römische Hierarchie,daß die beiden protestantischen Parteien sich verbinden und die Ealvinisten sind zureich und zu magyarisch, als daß sie mit den armen slowakisch-deutschen Luthera-nern eine kirchliche Mascopci eingehen sollten. — Die orientalische nicht-unirteKirche, welche im gesummten Kaiserstaate gegen 2,400,000 Bekenner zählt, wo-von auf Ungarn und die Militairgrcnze 1,600,000 mit 7 Bischöfen und 1 Metro-politen, aufSiebcnbürgen 540,000, aufDalmalien 60,000 und auf die Bukowi-na 220,000 kommen, hält im Kirchcmvesen unverbrüchlich an ihren alten Satzun-gen und ihrer mitunter strengen Disciplin, behauptet ihre Selbständigkeit undUnabhängigkeit vom Patriarchen zu Konstantinopel und ist neuerer Zeit mehr, ob-gleich noch nicht ganz, von den Anfechtungen frei, welche früher die katholischeKirche sich erlaubte, um eine Union des Ritus zu erpressen. Alle Bischöfe der Mo-narchie sind dem Erzbischofevon Carlowitz untergeordnet und führen mit ihm durchGeneralcongrcssc und Synoden das Kirchenregiment. Wie er corrcspondiren Allemit den Hof- und Landesstellen unmittelbar und haben auch seit 1791 Sitz undStimme auf dem Reichstage, jedoch bis jetzt noch keine festbcstiminten Plätze. ImSchulwesen wurden vorzüglich durch den Eifer des würdigen Erzbischofs vonStratimirovicS, welcher seit 1790 sein hohcnpriesterliches Amt mit Ehren verwal-tet, und die drei schwachen NationalschulcnfondS (sie betrugen 1813 gegen460,000 Gldn. Capital) aus eignem Vermögen unterstützt, wesentliche Verbesse-rungen vorgenommen. Die Juden, welche in Ungarn seit 10 — 20 Jahren anZahl und Reichthum bedeutend geworden sind, haben, zumal in Pcsth undAltofcn, ihr Kirchen- und Schulwesen sehr verbessert, und würden noch mehr thun,wenn nicht ihre Orthodoxen hemmend eingriffcn und ihnen nicht in den höhernchristlichen Lehranstalten durch Intoleranz der Mitstudirenden das Studium aufdie Arzneikunde beschränkt würde.
Sämmtliche ungarische Hochschulen sind seit etwa 20 Jahren, wie sonst inihren doctrinellcn Fortschritten, blos aus die exaclen Studien und namentlich dieLandesunivecsttät zu Pcsth auf die Naturwissenschaften und besonders auf die Arz-neikunde beschränkt worden. Nächstdem hat die Regierung, durch die demagogi-schen Umtriebe der ausländischen Hochschulen argwöhnischer gemacht, nicht nurdurch Verbot, solche zu besuchen, welches 1819 erging und nur rücksichllich derProtestanten seit dem 11. Apr. 1827 aufgehoben wurde, die volle Ausbildung derJugend im Auslande erschwert, sondern auch durch Anstellung besonderer Stu-diendirectoren bei der LandeSunivcrsität zu Pesth die freie Wirksamkeit der dortigenProfessoren beengt. Auch wird den sämmtlichen an höhern Lehranstalten Angestell-ten und ihren mit Pensionen bedachten Hinterlassenen fortwährend die Unbill an-gethan, daß, obgleich die Besoldungen aller andern Staatsbeamten in Conven-tionsgeld, und zwar nach dem seit 1811 allgemein normalen Cursc von 100 Gldn.Metallmünze - - 250 Gldn. wiener Währ., bezahlt werden, sie ihre Honorarienund Pensionen nach dem Curse von 100 Gldn. C. G. — 200 Gldn. wienerWähr. erhalten und mehrfache Gesuche unbeachtet gelassen worden sind, obgleichUniversitätS- und StudiensondS sich großen Reichthums erfreuen. Bei allen ka-tholischen und calvinistischen Lehranstalten wird der Unterricht unentgeltlich ertheilt,nur die Lutheraner haben ein mäßigeS Schulgeld eingeführt. Privatlehranstaltenfür Knaben gibt cS nirgend im Lande, und sie würden auch mit den durch die„katio eilucativllis" eingeführten Normen nicht wohl gedeihen; wol aber sindin den Städten, zumal in Pesth und Ofen, ErziehungS- und PcnsionSanstaltenfür Töchter der gebildeten Stände, und außer den Trivialschulen für Mädchen habendie englischen Fräulein in Pesth und Prcßburg öffentliche Institute für Mädchen