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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
690
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Ungarn in der neuesten Zeit

im qömörer Comitat bildete sich vor mehr als 30 Jahren eine eigne pomologischeGesellschaft, welche 1808 bereits 67 thätige Mitglieder zählte und die ganze Ge-spanschaft, namentlich aber das Jolsvarrthal, in ein Obstparadies Umschrift dem-nächst auch die Errichtung zweier kleinern pomologischen Vereine zur Folge hatte.Viel und vorzügliches Edelobst erzeugt man um Preßburg, Ödenburg, Rüst, Günsund Raab, wie auch am Plattensee, ja überall in den städtischen Gärten, aber cSist nicht sonderlich einträglich und der Obstbau wird in den Weingärten als hinder-lich betrachtet und beseitigt. Um Ödenburg liefert es, gewelkt und in zierlicher Formeingeschachtelt, einen bedeutenden Handelsartikel unter dem Namen ödenburgerObst, welches den bekannten nutzer Früchten an Delikatesse nichts nachgibt. Wall-nüsse, Maronen, Mispeln ic. werden, soweit es das Klima erlaubt, in ungeheu-rer Menge erbaut, aber dabei alles der segnenden Natur überlassen. Im Sommerdrängen die Melonen, im Herbst die Trauben alles Edelobst in den Hintergrundund überhaupt spürt man in der ungarischen Küche nicht, daß sich der Nationalge-schmack zum Obste hinneige. Dasselbe gilt auch den weißen Kopfkohl ausge-nommen überhaupt vom Gemüse, dessen sorgfältigerer und edlerer Anbau ausdie Gärten der Städte und Herrschaften beschränkt ist. Dahin ist auch die feinereBlumenzucht verwiesen, und die zahlreichen Lustgärten größerer Grundherrschaf-ten, welche, nach dem Vorbilde des Erzherzogs ReichspalatinS und mehrer Mag-naten, der Gartenkunst huldigen, sind doch nur Oasen in der Wüste. Die Forst-wirthschaft fängt an von großen Waldbcsttzern in solchen Gegenden rationneller be-handelt zu werden, wo der Verkauf von Brenn- und Bauholz ansehnlichen Ertraggewährt, weil der Bedarf volkreicher Städte zu Wasser verführt werden kann, oderder nahe Bergbau viel Holz braucht. Sonst ist in mehren Gegenden so viel Wal-dung und so wenig Holzabsatz, daß die Forstcultur ganz auf die Naturwirthschaftbeschränkt ist, und in vielen andern Landstrichen, zumal in Mitlelungarn, wowahrer Holzmangcl herrscht, hat man an Stroh und Mistzicgeln, an Rothziegeln,Brennziegeln, die mit Strohfeuer bereitet werden, Surrogate deS Baumaterialsgenug, um nicht zu Holzanpflanzungen oder zur Benutzung der allerdings in gro-ßen Massen und fast in jedem Comitat vorhandenen Steinkohlen- und Torflagergedrungen zu werden. Die zunehmende Bevölkerung und Holzverwüstung wirdmit der Zeit auf andere und bessere Gedanken bringen.

Im Kirchen- und Schulwesen haben die Römisch-Katholischen seit 10bis 20 Jahren wenig oder gar nichts geändert und sind schwerlich vorwärts gekom-men. Das publicistische Verhältniß der herrschenden Kirche zu den andern recipir-ten, oder wie die Katholiken lieber sagen möchten, nur geduldeten Kirchen des Lan-des, ist seit dem Toleranzgesetze von 1792 dasselbe geblieben. Es gebührt jedochder Geistlichkeit, noch mehr aber dem weltlichen Theile des katholischen Volkes dasLob, daß die Impulse gesetzlich bekräftigter Toleranz zu dem versöhnlichsten Verkehrmit den Akalholiken und auch aus die Geistlichkeit so eingewirkt haben, daß vonEonvertiten-Werberei und störenden Umtrieben wegen der gemischten Ehen nichtmehr wie früher die Red- ist. Die sämmtlich- katholische Geistlichkeit, zumal di-höhere, genießt ihre Pfründen mit Duldung und zeichnet sich großentheils durchUnterstützung der Wohlthätigkeitsanstalten und auch der nationalen literarische»Unternehmungen aus, und behauptet durch Bildung, Talente und Anstand lneEhrenposten, welche Gesetz und Herkommen ihr bei allen Gelegenheiten verleihen.Dabei hat sie jedoch den Einwirkungen deS Zeitgeistes, welche in allen katholischenLändern den Nimbus der Hierarchie in den Augen des Volkes schwächen, nicht entge-hen können, sodaß sie wegen ihres guten Auskommen- beneidet wird und kein ehrsa-mer Bauer um die gewesene Dienstmagd oder Haushälterin eines Geistlichen steil.Dennoch ist nirgend länger als in Ungarn die katholischeGeistlichkeit sicherer,ihre Vor-rechte und Güter in Besitz zu behalten, weil all Dies mit den Vorrechten des AdelS m