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Vierter Band (1834) S bis Z
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Ungarn in der neuesten Zeit

durch die wachsende Bevölkerung gesteigerte innere Consumtion und der sich erhö-hende Werth mancher vorn Auslande begehrten Hauplartikel die rationnellen wiedie naturgelchrten Ökonomen angeciferk und eifert sie noch an, ihre Wirthschaft zuerweitern und zu verbessern, sodaß jetzt zahlreiche große und kleine Musterwirth-schastcn im Lande anzutreffen sind. Der Feldbau mit der Viehzucht in Verbin-dung hat sich im Allgemeinen sehr durch die Modifikationen gehoben, welche in derBewirthschaftung vieler früher nur nomadisch benutzten Pußten insofern eingetre-ten sind, daß man auf solchen Meicrhöfe mit zugehöriger Stallung und Wirthschafts-gebäuden angelegt und mit Lohngcstnde beseht, oder diese Pußten entweder theil-weise oder insgesammt an Einzelne oder an ganze Gemeinden verpachtet hat, welcheletztem denn sie unter sich zur bessern Benutzung vertheilt haben. Dies hat in Un-garn wie in Siebenbürgen durchaus einen häufigern und sorgfältigern Anbau vonKörnerfrüchten und auch von Futterkräutern, und namentlich in solchem Maße vonKartoffeln zur Folge gehabt, daß jetzt nicht so leicht eine HungerSnoth wie 181617zu fürchten ist, welches schreckliche Jahr eine so nachdrückliche Lehre gab, daß seitder Zeit die nationale Antipathie gegen die Kartoffeln fast verschwunden ist. Die-ses Pußtcnsystem ziehen die Grundherr«» der Anlage von neuen Dörfern vor, in-dem die hierzu ausgegebenen Sessionen sofort unabänderlich steuerpflichtig und demllrbarium unterwürfig werden, welches die grundherrlichen Rechte beschränkt, wo-gegen bei der Bewirthschaftung der Pußten durch Pachter ihnen die vollen Rechtedes Pachtherrn, und falls sie da mit Lohngesinde wirthschaften, des Eigenthümer«und Dienstherr» bleiben. Auch thut dies der Bevölkerung keinen Eintrag, dennes gibt genug so oder so bewirthschaftete Pußten, und gab sie auch vorher, wo mehreHunderte mit Weib und Kindern leben, und manche haben ihre Dorfhandwerker,Krämer, Capellen und Schulen, und sind wahre Dörfer von Pachtern oder Ge-sinde bewohnt. Die Viehzucht ist zwar in nähere, doch bei weitem nicht in so engeVerbindung mit dem Ackerbau getreten, als in solchen Ländern, wo man des Dün-gers nicht entbehren kann, und hat im Ganzen wol nicht sehr zugenommen, aberbesonders und außerordentlich ist sie rücksichtlich des Wollenviehes gestiegen undsteigt noch, vielleicht hier und da auf Kosten des übrigen Viehstandcs. Das Jo-sephinische Verbot, fremde Tücher einzuführen, hatte seit 1784 auch allmälig aufVermehrung und Veredlung der ungarischen Schafzucht gewirkt; aber die neuemErgebnisse der ausländischen und einheimischen Wollmärkte haben schnell und er-staunlich «»geeifert und thun cS noch. Schon 1806 verkaufte man auf dem könig-lichen Patrimonialgute zu Holits im ncutraer Eomitate einen veredelten ungari-schen Widder um 3641 Gulden, 1810 um 16/150 Gldn. und 1811 um 30,000und 28,000 Gldn. wiener Währung, und noch jetzt stehen diese Edclschafe in un-geheurem Preise. Die schönsten feinwolligen Heerden befinden sich auf den gro-ßen Gütern des Erzherzogs Karl, der die ungarische Grundherrschaft des verstor-benen Herzogs Albert Sachscn-Teschcn erbte, und die meisten ebenfalls verfeiner-ten Schafe aus den ungeheuern Besitzungen des Fürsten Nik. Estcrhazp, welcher300,000 Stück mit 3000 Schäfern haben soll. Übrigens gelten die Gespanschaf-ten Stuhlweiffenburg, Ödenburg, Wieselburg, Neutra, Weßpricn, Raab, Pcsth,Bars, Tolna (hier und in Pesth wurde 1821 eine landwirthschastliche Gesellschaftvorzüglich zu Verbesserung der Schafzucht gestiftet), Bekes, Neograd !c. rücksicht-lich der Schafzucht und des Wollhandels für die berühmtesten und ergiebigsten ;doch auch im ganzen übrigen Lande strebt man, wo cS nur thunlich, Schäfereienanzulegen, zu vermehren und zu veredeln. Dies beweist sowol der vermehrte Woll-handel der pesther Messen, als das zunehmende Herbeiströmen deutscher, englischerund niederländischer Wollhändler, von welchen viele schon ganze Schuren im Vor-aus kaufen; ja man kann sicher behaupten, daß die Wolle jetzt eine Hauptgeldquelleder ungarischen Landwirthe ist. Die erfahrenen Wollhändler theilen solche in sechs