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Vierter Band (1834) S bis Z
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Ungarn in drr neuesten Zeit

welche nachher durch ihre Abgeordneten auf den Reichstagen das stärkste, rührigsteund einmüthigste Corps der Stande bilden und sich in ihren Meinungen und Be-mühungen weder durch die Magnatentafeh bei welcher Hinneigung zur Regierungvorherrscht, noch durch die Abgeordneten der Städte irren lasse», die noch abhängi-ger vom Hofe sind, aber fast gar keinen Einfluß auf die Reichstagsverhandlungenhaben. Die hohe katholische Geistlichkeit, durch ihren Grundbesitz und sonsti-gen Einfluß wichtig, beobachtet ein Mittelsystem zwischen Regierung und Stän-den, und wacht nebenbei, daß sie nichts von ihren Rechten und Gütern verliereund daß die Aufklärung überhaupt und die Akathvlischen besonders ihm nichtmehr Boden abgewinnen als unabwendbar schon geschehen und nicht mehr zu än-dern ist. In diesen Tendenzen wird sie vom katholischen Adel, zumal von denMagnaten, wenn auch im Stillen, doch um so eifriger unterstützt, als die reichen Prä-benden meist Sinekuren des Adels sind, und dieser darin und in den Schatzkammernder Domcapitel bedeutende Geldhülfe sucht und findet. Aufdiesen Motiven und ne-benher auf Verbesserung der Kirchenzucht beruhte auch die Generalsynode, welche derverstorbene Cardinalprimas von Rudna 1822 nach Preßburg berief, wo er esauch zu einem Beschluß von 63 Artikeln brachte, welcher der Regierung vorgelegtwurde. Allein wie die ganze Sache kein populaires Interesse bei der Nation ge-wann und selbst von der Geistlichkeit nicht sonderlich beachtet wurde, so scheint auchhier die Regierung das östreichische Staatsprincipnur von sich alle Kirchenanord-nungen und Verbesserungen ausgehen zu lassen" durch ihr nunmehr II jährigesStillschweigen zu bethätigen, übrigens momentane und locale Wirbelpnnktc desöffentlichen politischen Lebens für den Adel sind die Generalcongregationen der Co-mitale, zumal solche, worin deren Magistrat erneuert, Reichstagsabgcordncke er-wählt oder Instruktionen für solche entworfen werden. Die Einsetzung der Ober-gespane, die Einführung der Bischöfe und die Statutionen neuerworbener Gütersind nur feierliche Lustbarkeiten, welche spurlos wie ein Marktgewühl verschwinde».Aus all Diesem ergibt sich, daß zur Zeit in ganz Ungarn bei keinem Stande eine po-litische Reizbarkeit vorhanden sei oder sich in einem solchem Grade entwickelt babe,daß man Störung der öffentlichen Ruhe oder thätig- Theilnahme an auswärtigenUnruhen und Umtrieben zu fürchten hätte. Wol erregte das Unglück des nahenPolens unter den gebildeten Ständen lebhaftes Mitleid, und wenn es erlaubt ge-wesen wäre, einen Kreuzzug gegen die Russen zu predigen, so würde sich ausder edeln ungarischen Jugend ein ansehnliches HülfscorpS gesammelt haben, aberim Ganzen war es und blieb es doch nichts als ein modernes Strohfeuer edler Em-pfindungen, an welchem aber mancher unglückliche Flüchtling sich gewärmt hat.An diese aphoristische Diagnose des ungarischen StaatSkörpers und seiner Unpäß-lichkeiten wäre wol folgende Prognose zu knüpfen. Fährt man mit der vom Reichs-tage ausgehenden Heilcur sort, so wird die Autokratie der guten Natur die Ge-sundheit fördern und erhalten und unfehlbar zu einer bessern Constitution führen;sollten aber die edeln Gliedmaßen der gemäßigten Heilmethode sich hartnäckig wider-setzen, so könnten doch mit der Zeit die andern Glieder die Geduld verlieren und inEntzündung gerathen, was um so gefährlicher wäre, als die davon unzertrennliche»Convulstonen der physischen rohen Kraft schwer zu bändigen sein würden.

Nach diesem flüchtigen Blicke auf die allgemeinen politischen Verhältnisseund die Verfassung des Landes betrachten wir die Erscheinungen, welche in denletzten Jahren in Beziehung auf die Grundmacht des Staates und die Verwaltunghervorgetreten sind. Die Landwirthschaft hat wol in keinem europäischenReiche so sehr zugenommen, als seit 10 20 Jahren in Ungarn, denn da be-schien und bescheint noch eine ungetrübte Friedenssonne ungeheure Strecken garnicht oder doch wenig angebauten Landes, das hier und da durch gelungene gigan-tische Entwässerungsversuche ansehnlich vermehrt worden ist. Nun hat aber die