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Ungarn in der neuesten Zeit
Urbariale, Juridicum und Contributionale-Commissoriaticum, auch das Publico-Politicum, Coiirmerciale, Montanisticum, Literarium, Ecclefiasticum und Ban-derialc betrafen, und sonach mehr oder weniger mit den königlichen Propositionmin Bezug standen, sind Alle vollendet und der Regierung vorgelegt und theils inder von dieser vorgcschriebenen Reihe bereits in reichstägiger Berathung oder wer-den dazu gelangen. Demnächst haben die Stände außer ihren altern und gewöhn-lichmPräfcrentialbeschwerden noch einige neuere Punkte besonders lebhaft in An-regung gebracht, welche den jetzigen Reichstag eigens charaktcrisrren. Dahin ge-bort ihr eifriges Dringen auf Einführung und Verallgemeinung der ungarischenSprache, auf Veröffentlichung der Reichstagsverhandlungen durch den Druck, aufPreßfreiheit, auf Verlegung des Reichstags nach Pesth rc., worüber sie von derRegierung, wenn auch nicht gradezu genehmigende, doch keine misbilligende Re-solution erhalten haben. Ein den Jnstructionen der meisten Comitate zufolge vonkatholischen Deputirten eingeschobener Punkt über die Aufhebung der ungesetzlichenBedrückung der Protestanten, ging, wiewol von der zweiten Kammer unterstützt,bei der Magnatentafel wegen des Einflusses des Hähern Klerus nicht durch, wiedenn überhaupt diese erste Kammer nicht von dem Geiste beseelt ist, welchen manbei Einzelnen des hohen Adels findet. So lebhaft die Verhandlungen sind, so lang-sam führen sie zu Resultaten, und man kann daher noch einer langen Dauer desReichstags entgegensehen, wenn nicht andere wichtige Beweggründe zu einer Ver-tagung nöthigen. Auf jeden Fall sind wesentliche Umwandlungen der Konstitutionim Werke und deren Eintritt ins öffentliche Leben zu hoffen, und übrigens sprichtsich trotz dem langsamen Geschäftsgänge in der öffentlichen Meinung eine ziemlicheGeduld des Volkes aus, welche wol im politischen Jndifferenkismus der Mengeihren Grund mit haben mag. Denn diese, zumal die sogenannte „unsern pleb,contribueus", fühlt zwar die Mangel der Stcuerverfassung und Rechtspflege ammeisten, erträgt sie aber ohne Klagen und Murren und kümmert sich um die Er-eignisse in andern Staaten Europas um so weniger, als der Segen des Landesgegen Theurung der Lebensmittel und Überstrengung in der Arbeit schützt. Siehat keinen Funken des jetzt überall so aufgeregten politischen Volkslebens, und vonihr aus sind keine demagogischen Umtriebe zu fürchten, und wenn Drangsale, wiedie Theurung 1816 und die Cholera 1831, hier und da revolutionnaire Zuckungenim Staatskörper erregt haben, so sind solche leicht durch die Milde der Regierungund der vermögenden Stände und durch einige geringe Schläge des „brocbinmuiiiitaro" beseitigt worden. Bom Mittelstände, dessen größerer Theil in den Städ-ten wohnt und wozu man noch Honoratioren und Subalternen, private und öffent-liche Beamte, die Geistlichkeit, die Advocaten, Ärzte rc. rechnen muß, ist ebenso we-nig eine demagogische Aufregung zu fürchten; er kennt zwar die Mangel der Kon-stitution besser als die niedern Bolkselassen, allein er empfindet sie weit min-der, hat sogar mitunter von mehren Gebrechen der Staatsverfassung Vor-theile und wird meist durch Wohlstand und Wohlleben in behagliche Apathie ge-gen Staatsangelegenheiten versetzt und erhalten. Höchstens in königlichen Frei-stätten kommen zuweilen die Wahlbürgsr bei Gelegenheit der MagistratSer-neuerungen in einige politische Wallung, welche aber mit der Taselfreudc des denAct krönenden Schmauses endet. Der hohe und niedere Adel, wiewol der klügereTheil in neuerer Zeit die Mangel der Verfassung erkannte, und einsah, daß, umeiner über kurz oder lang zu befürchtenden Revolution vorzubeugen, solchen abge-holfen werden müsse, will sich doch in der großen Mehrzahl zu der hierzu nöthigenAufopferung seiner großen Vorrechte nicht verstehen, und sein ganzes politischesLeben besteht in einem Vertheidigungskampfe und in Erneuerung seiner alten Be-schwerden, denen mit jedem Reichstage neue zuwachsen. Zu diesem Kampfe die-nen als Fechtschulen und Munitionsfabriken die Kongregationen der Comilatc,