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Vierter Band (1834) S bis Z
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Ungarn in der neuesten Zeit

alle Schuld auf sich allem nahm, ««urtheilte man ihn zu sechsjähriger Festungs-stmfe nach Glogau. Kaum hatte er hier Nachricht von den Ereignissen desag. Nov> 1830 erfahren, so war sein Entschluß gefaßt; es galt die Unabhängig-keit seines Vaterlands. Trotz der verstärkten Wache gelang es ihm am 17. Febr.1831 zu entkommen; am 22. war er in Warschau, und am 25. machte er, vonder Nationalregierung zum Divisionsgeneral ernannt, als Befehlshaber einesCorps in der Schlacht von Grochow durch trefflich combinirtc Stellungen alle An-griffe des Feindes fruchtlos. Als dieser sich auf den rechten Flügel warf, war eSwieder U., der durch zwei Batterien das Borrücken der Russen hemmte. Selbstfremde Schriftsteller und Augenzeugen behaupteten, daß damals, wennKrukowieckrseinem Rathe gefolgt und von Bialolenka dem General SchachowSkoi entgegenge-rückt wäre, der Kampf mit Diebitsch's Vernichtung sich geendigt haben würde. Ander Narew, wo er die Russen aus der Woiwodschaft Plock vertreiben sollte, hielt ermit geringer Truppenzahl das Sackenschc Corps und den Großfürsten Michael mitden Garden drei volle Monate zurück. Die Schlacht bei Dembe und die beidenGefechte am Liwiec bilden schöne Blätter in seinem Lorberkranze. Mit kaum8000 Mann widerstand er bei Kaluszyn den 24,000 Mann starken russischenTruppen unter Diebitsch's eignem Befehle, und operirte so geschickt, daß Diebitschin gänzlicher Unwissenheit über Skrzynecki's Plane blieb. Bei der Vertheidigungvon Warschau verlor U. keine einzige Bastion, nicht eine Redoute. SeinenRückzug nur in Gemäßheit von Befehlen antretend, über welche die Geschichte der-einst ihr unbestechliches Urtheil fällen wird, gehörte er in Modlin zu den Männern,die mit den Russen nicht ander« unterhandeln wollten, als mit Kanonen. Alsin Plock von Unterwerfung die Rede war, foderte er seine Entlassung. WenigeTage darauf boten ihm Regierung und Landtag nach Rpbinski'S Absetzung dieDictatur und den Oberbefehl über die Armee an. Doch der Zustand des Hee-res war schon hoffnungslos, und u. verließ mit den Mitgliedern der Regierungund Kammern Plock. Von Rußland und Preußen geächtet, irrte er untermancherlei Vermummung vier Monate in beständiger Todesgefahr umher, bis erin Frankreich ein Asyl fand. In Posen ward er im Bilde gehängt, aber der Gal-gen, sonst ein Ort des Schreckens, war für seine ihm gleichgesinntcn LandSlcutc einGegenstand der Verehrung. (8)

Ungarn in der neuesten Zeit. Während in den meisten Landen,die zu dem durch die Ergebnisse des heiligen Krieges gedeihlich abgerundeten OrlüsAastriacus gehören, der seit 18 Jahren ungetrübte Schein der FriedenSsonnc einepolitische Cvnsolidation und feste Aufrechthalkung des Bestehenden zur Folge gehabthat, kann man von dem fast über zwei Fünftel des Kaiscrstaats ausmachenden Un-garlande dasselbe nicht sagen. Nicht etwa, daß in solchem, wie in andern europäi-schen Reichen, politische Gährungen und ruhestörende Umtriebe stattgefunden undRegierung und Volk zerklüftet hätten, sondern eS hat sich in diesem Lande der Kon-traste, welches durch die Verschiedenheit der Religion und der Bolksstämme seinerBewohner ein einiges Volksthum zu gewinnen und gleich den andern Erblandendem monarchischen Princip seiner Herrscher unbedingt zu huldigen, constitution-Nell gehindert ist, eine ernste, aber langsame und unverdächtige Regung der politi-schen Elemente gezeigt und dauert noch fort, welche den Kosmopoliten wie denPatrioten zu nicht geringer Hoffnung berechtigt. Der Impuls hierzu ist sowol vonder Regierung als von den das Volk freilich unvollkommen repräsentirendcn Stän-den des Reichs ausgegangen, und von beiden Seiten scheint man die Mangel derConstitution zu erkennen und daraus hinzuarbeiten, daß dem mancherlei Verän-derungen der Verfassung federnden Geiste der neuern Zeit genügt und auch allenältern wechselseitigen Beschwerden abgeholfen werde. Unter diesen, durch die Reichs-tage von 1828 27 und 1830 und durch die neueste am 16. Der. 1832 eröffnete