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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
669
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Türkei seit dem Frieden zu Adrianopel 669

Vielleicht hätte sich der Vicekönig nachgiebiger gezeigt, wenn England die-selbe Sprache geführt hätte; allein der Oberst Campbell wurde erst zu AnfangFebr. 1833 vorn Cabinette des Lords Grey an Mohammed Ali abgeschickt, um darzuthun, wozu dieses Cabinet schon 1832 aufgefodert worden war. Auch Ruß-land und Östreich hatten im Aug 1832 die Aufmerksamkeit des Grep'schen Cadi-netS auf die schon damals nicht undeutlich hervortretenden Absichten MohammedAli'S gelenkt. Diese Mittheilung wurde miSachtet. Indeß trug Oberst Campbelldoch zum Abschluß des Friedens mit bei; auch ward das BersöhnungSwerk im Na-men Östreichs, welches den Obersten von Prokisch nach Ägpptcn sandle, wirksamgefordert, indem Mohammed Ali nun wol begriff, daß alle Großmächte Europasdie Herstellung des FriedenS ernstlich wollten. Beide Agenten erlangten wenig-stens soviel, daß Mohammed Ali auf den Besitz von Adana verzichtete. Unterdessenhatte Mahmud bereits alles bis auf Adana zugestanden. Dieser Bezirk in Nato-lien war besonders wichtig, weil er an der Grenze des TauruS eine Stellung dar-bietet, welche Kleinasien beberrscht. Da aber Ibrahim eben deshalb nicht nachgab,so blieb dem bedrängten Sultan, welcher den Ausgang der Verhandlungen inÄgypten noch nicht wissen konnte, keine Hoffnung, diesen Bezirk sich zu erhalten.Er gab also dem Verlangen des Admirals Roussin nach, und trat am 4. Mai1833 denselben unter dem Titel einer Pachtung an Ibrahim persönlich ab. Sowar der Friede gewissermaßen schon geschloffen, als ein außerordentlicher Botschaf-ter Rußlands, GrafOrlcff, am 5. Mai in Konstantinopel eintraf. Der Sultanerließ jetzt einen Amnestieferman (6. Mai) zu Gunsten seiner Unterthanen IN Klein-asten, und Mohammed Ali ward nicht nur in den Statthalterschaften von Ägypten,Abyssinien und Kreta bestätigt, sondern erhielt noch dazu die Bezirke von DamaS-cuS, Tripolis, Seyde, Aleppo, St.-Jean d'Acre, Jerusalem und NaplouS, mitdem Geleite der Pilgrimme, abgetreten, sowie sein Sohn Ibrahim die Bestäti-gung der Würde eines Scheid al-Harem von Mecca, den Bezirk von Dschidda,

! und als Pachtung (Muhassilik) vom Reichsschatze den Bezirk von Adana. Hier-

! auf trat Ibrahim von Konjeh, das er am 24. Mai verließ, seinen Rückmarsch

j über den TauruS an, und auch bei der russischen Ltztztd- und Seemacht wurden so-fort Vorkehrungen zum Abgang aus Konstantinopel getroffen. Der Sultan zeich-^ netr bei dieser Gelegenheit die russischen Befehlshaber, Offiziere und Soldaten sehraus; er ließ Medaillen unter sie vertheilen, nahm militaiiische Feste an, und gab. Feste. Auch ward ein Denkmal zur Erinnerung an die Anwesenheit der russischenTruppen im Bosporus errichtet, das aber die türkischen Frauen in der Folge zer-störten. Nachdem hierauf Graf Orloff noch den wichtigen Off- und Defensivbund! zwischen Rußland und der Pforte am 8. Zul. 1833 unterzeichnet hatte, verließ dasrussische HülsScorps am 1». Jul. den BoSporuS und schiffte sich in Bujukdere ein,um nach Rußland zurückzukehren. Später zogen sich auch die englischen und diefranzösischen Kriegsschiffe aus den türkischen Gewässern in der Levante, jene nachMalta, diese nach Toulon zurück. Rußlands bewaffnete Dazwischenkunft, welcheKonstantlnopel vor Aufruhr schützte und den Frieden mit Ägypten beschleunigte,sowie die Besetzung des Bosporus ein Ereigniß, welches Paris und London inder größten Spannung erhielt *) war jetzt in ein enges Bündniß zwischen Ruß-land und der Pforte umgewandelt, welches die Eifersucht jener Staaten in einemnoch höhern Grade erregte. Die Dauer jenes Bündnisses, dessen Inhalt nochnicht genau bekannt ist, wurde auf 10 Jahre bestimmt. Beide Mächte versprachensich gegenseitigen Beistand gegen innere Empörung und äußem Angriff, zur Er-

') Der französische Botschafter hatte, was England aber nie that, gegen dieBesetzung der Türkei durch russische Truppen schon am 19. F br. protestirl; alleinder Sultan erklärte, daß er der russischen Intervention die Erhaltung seines Rei-ches verdanke.