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Türkei seit dem Frieden zu Adrianopel
traf. Unterdessen hatte das Petersburger Cabinet in der Person des Herrn vonBukenieff eine sehr umsichtige Wahl seines Repräsentanten getroffen. Dieser Di-plomat hat so gefällige Formen und wußte sich mit so vieler Gewandtheit in denGeist der vornehmen Türken hinelnzudenken, daß er das völlige Vertrauen desReis Effendi gewann. Da die Pforte sich auf dies« Art von ihrem alten Mittenverlassen sah, und da auch kein französischer Botschafter in Konstantinopel sich be-fand, so wandte sie sich an Rußland. Dies war der entscheidende Wendepunkt fürdie neue Gestaltung der orientalischen Verhältnisse.
Unterdessen hatte das Unglück der ottomanischen Waffen die Unzufriedenheitin Konstantinopel, wo Pest und Cholera wütheten, immer höher gesteigert; auchdie geheimen Agenten des Pascha von Ägypten unterhielten die Gährung. Diesegab sich, wie gewöhnlich, durch Feueranlegcn zu erkennen, und es brannten inden letzten Tagen des Aug. 1832 mehr als 1000 Häuser in den Vorstädten ab.Die letzte Hoffnung der Pforte in Asien beruhte auf einer Hauptschlacht. Diesefiel am 21. Dec. bei Konjeh (Iconium) zum Unglück der.Pforte aus. Der Groß-wesstr ließ sich durch einen Scheinrückzug Jbrahim's täuschen und zu einem über-eilten Angriffe verleiten. Er wollte nämlich mit 42,000 Mann, meist Albanesem,das Centrum des Feindes durchbrechen, während die großherrliche Reiterei in zweiTreffen, jedes von 6000 Mann, die Flügel der ägyptischen Armee beschäftigensollte. Allein Ibrahim kam dem Großwesstr zuvor, schlug seine beiden Flügel undgriff nun dessen Centrum selbst an. Die Schlacht währte fast den ganzen Tag;einzelne Abtheilungen des türkischen Heeres kämpften mit Muth und Entschlossen-heit; als aber die Masse zu weichen begann, warfen die ägyptische Reiterei undArtillerie Alles was noch Widerstand leistete über den Haufen, und die Niederlagewurde vollständig. Der Großwesstr wurde verwundet und gerieth in Gefangen-schaft *); mit ihm hatten viele Paschas dasselbe Schicksal. Das ägyptische Heerlitt jedoch auch einen so empfindlichen Verlust, daß es keine weitem Forlschrittesogleich machen konnte. Nun blieb der Pforte nichts übrig, als sich Rußland indie Arme zu werfen. Der General Murawieff hatte bereits das schriftliche Aner-bieten des Kaisers Nikolaus, ein russisches HülfSheer und eine Flotte der Pforte zusenden, überbracht, Mahmud aber dasselbe abgelehnt; dagegen ersuchte er den rus-sischen General, sich als FriedenSvermitklcr nach Alcpandricn zu begeben. Jetztbat er, in Folge der bedrohten Lage der Hauptstadt, als die ägyptische Armee aufder Straße von Brussa weiter vordrang, um den Beistand Rußlands. Dies ge-schah durch eine Note des Reis Effendi vom 2. Febr. 1833, an den russischen Ge-sandten, worin die Pforte förmlich um die Sendung eines Geschwaders mit 4 bis5000 Mann Landungstruppen und außerdem um ein Hülsscorps von 25 — 30,000Mann nachsuchte. Aber auch in London und Paris wurden jetzt Conferenzcn dar-über gehalten, wie die Pforte zu retten und Rußlands überwiegender Einfluß inKonstantinopel zu beschränken sei. Ehe jedoch von hier aus ein Beschluß verlautete,führte der Generallieutenant Murawieff in Alexandrien die Unterhandlungen soglücklich, daß der Vicekönig am 16. Jan. 1833 den Befehl an Ibrahim Paschaabfertigte, die Feindseligkeiten einzustellen. Diese Nachricht bracht« Murawieffselbst am 6. Febr. nach Konstantinopel, und zugleich kam die Anzeige von Ibra-him Pascha an, daß er die Bewegungen seiner Armee eingestellt unb zu KlttastaHalt gemacht habe. Wenige Tage nachher, am 14. Febr., ging ein russisches Ge-schwader unter dem Contreadmiral Lasareff von Sedastopol nach Konstantinopel
-) Zu dem Posten eines Großwessirs wurde jetzt Reuff Pascha gewählt, der die-sem Amte schon einmal vorgestanden hatte und zuletzt Generalstatthalter von SUelN-asien war. Der Vicekönig behandelte den gefangenen Großwesstr mit der größtenAuszeichnung und er wurde am 7. März lSZs in Freiheit gesetzt, worauf er nachKonstantinopel zurückkehrte.