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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
655
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Türkei seit dem Frieden zu Adrianopel 655

ders der AkropoliS von Athen, gegebenen Befehle wieder zurückgenommen. Selbstder russischen Flagge, unter welcher ein griechisches Schiff bei Pcra vor Anker ge-gangen war, widerfuhr die Beleidigung, daß der Serjasker ChoSrew Pascha dieMannschaft des Schiffes, weil sie einen türkischen Kaufmann beleidigt hatte, mitGewalt an das Ufer bringen und ungeachtet der Gegenvorstellungen des russischenStaatsraths Franchini durchprügeln ließ, das Schiff selbst aber nur nach wiederhol-ten Vorstellungen der russischen Gesandtschaft, freizugeben sich bequemte. Was denDivan zu solcher Kühnheit ermuthigtc, war unstreitig die Erwartung, daß aus einemwahrscheinlich zwischen Rußland und Frankreich wegen Polen auSbrechmden Kriegegroße Vortheile der Pforte sich darbieten würden, falls sie zur rechten Zeit gegendas durch die fortschreitende polnische Revolution sehr beschäftigte Rußland auf demKampfplätze erschiene. Diese Erwartung hatte insbesondere der französische Bot-schafter Guilleminot bei der antirussischen Partei durch seine deshalb mit demReis Effendi gehaltenen Conferenzcn erregt und selbst durch Noten unterhalten.Er war dazu, wie man später erfuhr, durch die von dem Minister der auswärtigenAngelegenheiten, Grafen Sebastian,', im März 1831 ihm zugeschickten In-struktionen veranlaßt worden und in Befolgung derselben vielleicht aus eignem Ei-fer zu weit gegangen. Frankreich mußte damals, bei seiner ungewissen Lage, inder es leicht mit den nordischen Mächten zum Kriege kommen konnte, allerdingsauf eine engere Verbindung mit der Pforte zu Gunsten Polens bedacht sein. Alsaber die Friedenspolitik in Europa und London, sowie in Frankreich selbst dasfriedliche System der rechten Mitte obsiegte, gab Sebastian! den Gedanken auf,Polen zu ünterstützen, und Guilleminot erhielt Anweisung, sofort sich aller Auf-regung der Pforte zum Kriege gegen Rußland zu enthalten. Er ward sogar ange-wiesen, dem Reis-Effcndi zu erklären, daß die hohe Pforte, wenn sie Rußland denFehdehandschuh hinwerfe, auf keinen Beistand von Frankreich ferner rechnenkönne. Der Divan sah nunmehr ein, daß er auf Frankreich so wenig als auf Eng-lands wirksame Unterstützung sich verlassen dürfe. Seitdem ist das alte diploma-tische Band zwischen der Pforte und jenen beiden Mächten, ihren alten Alürten,immer lockerer geworden; dagegen war es natürlich, daß der alte Feind der Os-manen, daß Rußland immer mehr Einfluß auf den Divan erhielt, und die Ach-tung, welche des Kaisers Ricolaus Großmuth dem Sultan einflößte, entferntefortan alles Mistraucn; es bedurfte nur noch eines Thatbeweises von Rußlandskräftigem Beistande, und die engste Freundschaft verkettete zum ersten Male beideStaaten zu einem dauerhaften Bunde. Diesen Beweis gab Rußland in demägyptischen Kriege.

Nach jener Erklärung des Generals Guilleminot verständigte sich der Divansogleich mit dem russischen Gesandten, und der Reis-Effcndi versicherte ihm feier-lich, daß die Pforte stets das großmüthige Betragen des Kaisers von Rußlandvor Augen gehabt habe, daß sie nie den mächtigen Einfluß Rußlands auf die eu-ropäischen Angelegenheiten zu schmalem beabsichtigen könne, oder dessen FeindenVorschub leisten wolle; daß ihr alle dahin zielende Schritte fremd geblieben, wic-wol es an Aufreizungen nicht gefehlt habe; u^d daß die Pforte jetzt »ehr als je-mals den Kaiser von Rußland als ihren Beschützer ehre, ja als den lreuesten Freundanerkenne.

Von dieser Zeit an stieg Rußlands Einfluß auf die türkischen Angelegen-heiten zu einer solchen Höhe, daß er selbst den von England überwog. Guilleminotwurde (Anfang Jun. 1831) auf eine auffallende Art von seinem Gcändtschasts-posten abgerufen, und mußte in der Pairskammer von dem Minister der auswärti-tzen Angelegenheiten, Grafen Sebastian!, den Vorwurf hören, daß er seine Jn-struetionen überschritten habe, ohne daß er sich durch die Mittheilung derselbenrechtfertigen durfte.