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Vierter Band (1834) S bis Z
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654
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Türkei seit dem Friede» zu Adrianopel

Das neue Steuersystem aber erregte solchen Haß, daß der Sultan, wie er schon früherÄhnliches gethan hatte, zur Beruhigung des Volkes den Kopf des Jhtiffal-Agassi(ObersteueraufsehcrS) an des SerailsMauem ausstecken ließ. Zn den schon genanntenProvinzen hörten Empörung und Bürgerkrieg nicht auf; Plünderung der ReisendenMord und Brand verheerten einen großen Theil des Reichs. Ward ein großerSieg erfochten, wie 1830 der zu Magnesia über die SeybeckS, so gewährte er nur«ine kurz- Waffenruhe. Aufrubr gehört noch jetzt in den Provinzen zur Tagesord-nung. Er ist die Hydra, welche Mahmud's Serailpolitik nicht vertilgen kann. N«dem Großwessir Reschid Pascha gelang es, nachdem die russischen Truppen sich ausVarna und den Plätzen auf dem rechten Donauufer zurückgezogen hatten, Bulga-rien und Rumelien zu beruhigen und sich das Vertrauen der Bevölkerung zu erwer-ben. Um diese Zeit beschloß Albanien, aufgeregt von dem geachteten Mustapha,Pascha von Scutari, Freiheit und Unabhängigkeit zu erringen. Die Männer schwo-ren in der Kirche zu Alefso über Skandcrbegs Grabe den Eid der Rache und derBefreiung vom Türkenjoche; an ihre Spitze trat ein albanesischer Held ZoannitzaBaskon, und Mustapha sammelte die zerstreuten Zanitscharen. Bald ergriff derBrand auch Bosnien. Jetzt eilte Reschid herbei mit 10,000 Mann europäischgeübter Soldaten und 30 Stück Geschützen. Nach türkischer Staatskunst aberzog er Heimtücke und Verrath dem offenen Kampfe vor. Mustapha wurde vonihm durch glänzende Versprechungen zur Unterwerfung überredet. Darauf lud erdie Häuptlinge der Aldaneser zum Abschluß eines Vergleichs nach Bitoglia ein.Sie kanien mit einem Kriegsgefolge von 5000 Mann, und foderten als rückstän-digen Sold 15 Millionen Piaster. Reschid versprach, dies bei dem Sultan zu ver-mitteln, und gab den Anführern und ihren Begleitern, 200 tapfern Männern,ein militairischeS Schauspiel. Auf ein Zeichen wurden jene umzingelt und nieder-geschossen; darauf überfielen Reschid'S Truppen das Lager des entfernten Gefol-ges ; nur Wenige entrannen der blutigen Metzelei. Die Gefangenen wurden hin-gerichtet; unter ihnen befanden sich die bekannten Veli Bei, Eoslan Bei undDiner Vrionc. Hierauf drang der Weffir tiefer in Albanien ein; erobertedie Festungen Parga und Prevesa, schickte die gefangenen Albaneser in die Skla-verei, oder als Ackerbauer in die Bulgarei. Das verheerte Land unterwarfsich; als aber in der Folge Reschid abgerufen, als Mahmud's Heer in Asien ge-schlagen war-, loderte der Aufruhr in Albanien von Neuem auf, und er lodert nochsetzt fort.

In Konstantinopel hoffte man alles von der Zeit, und der Glanz europäi-scher Feste zerstreute die Besorgniß der von Ägypten her drohenden Gefahr; dochmußte dem Vicekönig das Ziel seiner bisherigen Bestrebungen, das Paschalik vonKandia, zugestanden werden. Der Vicekönig rüstete sofort eine Flotte aus, um diesedurch einen fortdauernden innern Krieg beunruhigte Insel seiner Herrschaft zu un-terwerfen Mahmud betrieb seinerseits ebenso eifrig die Herstellung seiner Land-und Seemacht; Halil Pascha wurde zum Nachfolger deS verstorbenen Kapudan-Pascha ernannt, und ein tapferer Offizier, der in Folge seiner Eapitulation vonVarna geächtete Zussuf Pascha, welcher bisher in Rußland gelebt hatte, erhieltdie Erlaubniß zur Rückkehr nach Konstantinopel. Die Rüstungen der Pforte wur-den um so thätiger fortgesetzt, als 1831 der Kampf Rußlands in Polen neue Hoff-nungen in Konstanlinvpel erregte. Schon weigerte sich der Divan, die für Grie-chenland gemachten Zugeständnisse zu erfüllen; er nahm die ausgesprochene Ge-nehmigung der Grenzerweiterung des griechischen Staates zurück, und erklärte,daß die verbündeten Mächte, bei dem kategorisch bekannt gemachten Grundsätze derNichtintervention, auf keine Nachgiebigkeit der hohen Pforte rückflchtiich neuerFederungen zu Gunsten der Griechen mehr rechnen könnten. Zn Gemäßheit dieserErklärung wurden alle bereits zur vollständigen Räumung Griechenlands, beson-