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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
653
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Türkei seit dem Frieden zu Adrianopel

läge und von Wüsten eingeschlossen, keinen Angriff von der Pforte fürchten. SeinHeer war zahlreich, geübt und mit einer gut bedienten Artillerie versehen; aberdiese starke Rüstung drückte das durch Monopole und Steuerlasten verarmte unddespotisch beherrschte Land ganz danieder. Europäische StaatSeinrichtungen undVerwaltungSformen, eine Administrationsschule, Gasbeleuchtung, Fabriken,sogar eine Zeitung, wurden auf den Boden der alten Pharaone verpflanzt, dochalles galt nur als Mittel, um die Macht des Despoten zu verstärken und seinenSchatz auf den Fall eines Kriegs zu vermehren. Krieg und Eroberung war derHauptgedanke des alten schlauen und kräftigen Mohammed; das Schwert des Feld-herrn führte sein Sohn Ibrahim. Renegaten, Franzosen, 1833 auch Polen, wa-ren seine Offiziere, und der berühmte Dembinski 1833 eine kurze Zeit Jbrahim'smililairischer Rathgeber. Während der Vicekönig, um loszuschlagen, den rechtenAugenblick crlauerte, suchte die Pforte, auf den Rückhalt von Englands Politikgestützt, die Vollziehung des Friedens mit Rußland zu verzögern. Indeß drangder außerordentliche Gesandte Rußlands, Graf AlexiS Orloff, auf die Annahm«der londoner Protokolle wegen Griechenlands Unabhängigkeit und auf die Ausdeh-nung seiner Grenzen bis zur Linie von Arta und dem Meerbusen von Volo, sowieauf die Erlaffung von Fermans zur Erfüllung der Friedensbedingungen zu Gun-sten der Rajahs und der Serbier; allein wie spät die letztem unter ihrem FürstenMilosch, welcher als Souverain das Land verwaltet, zu dem verheißenen Besitzeder sechs Districte gelangten, ist bereits in dem Artikel Rußland erzählt worden.Ein 1830 erlassener Hattischcrif bestätigte zwar den Russen die Handelsfreiheit inallen Landern und Meeren der hohen Pforte; allein Englands Politik bewirkte, daßauch allen Kauffahrern der mit derPforte im Frieden lebenden Mächte die freie Durch-fahrt durch die Dardanellen und den Canal vonKonstantincpel zugestanden wurde.Später schloß der Reis-Effendi noch mit dem Nordamerikanischen Bevollmächtig-ten einen Tractat ab, wodurch auch die Nordamerikaner freie Fahrt nach dem schwar-zen Meere und Gleichstellung mit den übrigen Mächten in Hafengeld, Jollen u. s. w.erhielten. Selbst den Mächten zweiten Ranges, Spanien, Sicilicn, Schweden,Dänemark, wurde das Tonnengcld bei der Einfahrt in das schwarze Meer erlassen.Im Jahr 1830 beunruhigte der Zug Bourmont's gegen Algier die Pforte-, siesandte den Admiral Tahir Pascha ab, um den Dei zum Nachgeben zu bestimme»;allein der Hafen von Algier war von französischen Kreuzern blokirt, und Tahirmußte, ohv.e daß seine Vermittelung angenommen wurde, in Frankreich den Aus-zang des Zuges abwarten. (S. Algier.) Unterdessen sank Mahmud immertiefer in dem Vertrauen seines Volkes. Ohne die wahre, innere Kraft eines Re-formators zu besitzen, flößte er weder Bewunderung noch Achtung ein, sondern er-regte vielmehr durch seine Neuerungen bei den alten stolzen Osmanen nur Haßoder Verachtung. Blos die Bewohner des Serails, die Frauen, die Offiziere undFremden sprachen sein Lob aus und gefielen sich in dem neuen Leben. Allerdingssetzte sich der Sultan mit Recht auch über viele Vorurtheilc hinweg. Als ihm am7. Febr. 1830 ein zweiter Sohn, Abdul Aziz, geboren wurde, standen ein grie-chischer Arzt und ein fränkischer Geburtshelfer der Mutter bei; dann ließ er Qua-rantaineanstalten anlegen und fuhr in der Organisation des Landheercs eifrig fort; erbesuchte und gab Feste den Gesandten und den Großen des Reichs; europäischeSitten drangen in das Serail ein und Sulcimans des-Gesetzgebers strenge Hos-und Scrailordnung wurde durchlöchert. Durch all Dies reizte Mahmud die Ule-mas und den Pöbel gegen sich auf. Dazu kam, das er sich, nach des VicekönigsVorgang, des Alleinhandels mit allen asiatischen Gütern bemächtigte, die Zölle"höhte, den Kaffeeschank zu seinem Monopol erklärte u. s. w. Nun gab es Unzu-friedenheit und Gährung überall. Die Wuth des gemeinen Haufens äußerte sichdurch Brandstiftungen und diese dauem mit kurzen Unterbrechungen noch >eht fort.