Druckschrift 
Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
648
Einzelbild herunterladen
 

648

Tunnel

Pharmaceuten zu erwecken und die Cultur der Pharmacie nach allen Kräftenzu befördern, so beschäftigte ihn doch auch das Studium der Chemie im ganzenUmfange und er war vorzüglich bemühl, diese Wissenschaft ins Leben einzuführenwie seine zahlreichen, von seinen Zeitgenossen beifällig aufgenommenen Schriftenbezeugen. Die meisten naturwissenschaftlichen Gesellschaften des In- und Aus-landes ernannten ihn zu ihrem Mitgliedc. Seit 1823 ist er Directoc der königlichPreußischen Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. Nachdem er seinpharmaceutisch-chemisches Institut geschlossen hat, ertheilt er den Gewerbtreiden-den in Erfurt unentgeltlich Unterricht in der Chemie, Physik und Technologie, undist noch fleißig mir chemischen Arbeiten im Laboratorium beschäftigt, sodaß keinJahr vergeht, wo nicht mehre werthvolle Arbeiten, namentlich aus dem Bereiche deranalytischen Chemie, von ihm bekannt werden. Sein Hauptwerk ist das um-fassendeSystematische Handbuch der gesammten Chemie" (8 Bde., Erfurt1805 20). (10)

* Tunnel. Schon 1802 wurde von einigen unternehmenden Männernder Plan entworfen, einen Bogengang unter der Themse bei London zwischen Ro-therhilhe und Limehouse anzulegen, und die Ausführung einem erfahrenen Berg-mann aus Cornwall übertragen. Eine Unterzeichnung ward eröffnet und esbildete sich eine Gesellschaft unter dem Namen Tllamcs rrcckev»)- compan^. AISdie nöthigen Vorarbeiten gemacht waren und die Gesellschaft durch «ine Parla-menlSacte ihre Bestätigung erhalten hatte, begann das Werk. Es wurde einSchacht von 11 Fuß im Durchmesser angelegt, aber die Schwierigkeiten, welchedie Beschaffenheit des Bodens dem Bergmann entgegensetzte, nahmen bei demFortgang« der Arbeit so sehr zu, daß er in einer Tiefe von 42 Fuß aufhö-ren mußte. Das Ergebniß neuer Bohrversuche schien indeß so günstig zu sein,daß ein unternehmender Mann sich anheischig machte, den auf 8 Fuß im Durch-messer verengten Schacht bis auf eine Tiefe von 76 Fuß fortzusetzen, da man esfür gefährlich hielt, tiefer zu gehen. Im Aug. 1807 ward ein zweiter geschickterBaumeister von der Gesellschaft angenommen. In einer Tiefe von 76 Fuß, wodie Unternehmer festen Sand fanden, begannen sie einen Stolln zu treiben, deroben 2 Fuß 6 Zoll, unten 3 Fuß breit war. Im Nov. 1807, als dieser 384 Fußweit getrieben war, wurde der erste Baumeister entlassen, dem andern aber eineBelohnung von 1000 Pf. Sterling versprochen, wenn er das jenseitige Ufer de»Stromes erreichte. Der Stolln wurde seitdem bis auf 814 Fuß weil in einertrockenen Sandschicht getrieben, während man stets, wie von Anfang an, denStelln mit Bohlen ausfütterte. Man war noch 138 Fuß weiter durch eine Kalk-stcinschicht gekommen, als am 21. Der., wo man den obern Theil des StollnS indie über dem Kalkstein liegende Schicht zu treiben anfing, die Decke einstürzte, undeine weile Öffnung ließ. Es war, als dieser Unfall sich ereignete, noch eineSchicht von 30 Fuß zwischen dem Stolln und dem Flußbette. Den Baumeisterfüllte die Öffnung zwar wieder aus, aber die Schicht über dem Kalkstein war solocker, daß bei einer ungewöhnlich großen Flut im Jan. 1808 die Stollndecke ei-ncn neuen Riß erhielt und das Wasser hereinstürzte. Als auch diesem Unfall ab-geholfen war, setzten die Arbeiter das Werk fort, ließen aber dem Stolln nur eineHöhe von 3 Fuß. Sie mußten aus den Knien arbeiten, aber trotz allen Anstren-gungen konnten sie das jenseitige Ufer nicht erreichen, da stets lockerer Sand undWasser hereinbrachen. Im März 1808 boten die Unternehmer eine Belohnungfür einen bewährten Plan zur Vollendung des Werkes. Es wurden 50 Entwürfevorgelegt, nach deren Prüfung aber Alle sich in der Meinung vereinigten, daß einWeg unter dem Flusse von einem nutzbaren Umfange unausführbar wäre. Nacheinem neuen vergeblichen Versuche, den ein dritter Baumeister machte, wurde derPlan aufgegeben.