Treviranus (Gottfried Reinhard — Ludwig Christian) 645
Kathedralschule in Christiania eine Einrichtung zu verschaffen, wodurch der Wunschder Nation nach einer eignen Universität einigermaßen befriedigt werden könnte,allein Ranke, denen er nicht zu begegnen vermochte, hinderten die Ausführung die-ses Plans. Die kopsnhagener Universität ertheilte ihm 1796 nach einer Disser-tation : „Oe Lntkropnmorpbismo", die theologische Doktorwürde, und er ward1803 als ordentlicher Professor der Philosophie dahin berufen. Mit ungetheiltemBeifalle hielt er theil« den Studirenden, theil« einem gemischten Publicum Bor-! lesungen über alle Theile der Philosophie, und seine Lehrbücher erfreuten sich der! günstigsten Aufnahme. Wahrend er die Würde eine« Reclor« der Universität be-kleidete, wurde Kopenhagen durch die Engländer im Sept. 1807 beschossen, wo-^ durch er in seinen häuslichen Verhältnissen sehr zurückgesetzt wurde. Die Verwicke-j lung des dänischen Reiche« in einen nachtbeiligen Krieg mit England und die dar-, aus entstandene Schwierigkeit des Verkehrs zwischen Dänemark und Norwegenhatten zur Folge, daß König Friedrich VI. die Errichtung einer eignen norwegischenUniversität beschloß. Daß eine feindselige Partei nicht die Ausführung diesesEntschlüsse« hintertrieb, verhinderte T. durch ein unmittelbar an den König gerich-tetes Schreiben. Zum wirklichen Etatsrath ernannt, arbeitete er in einer Com-mission, deren Bemühungen auch so glücklich waren, daß die norwegische Friedrichs-I Universität in der That gestiftet wurde. T. begab sich 1813 als ordentlicher Pro-l feffor der Philosophie nach Christiania und trat sogleich seinen ueuen Wirkungs-kreis an. Dieser erweiterte sich bedeutend, als Norwegen, von Dänemark getrennt,seine Selbständigkeit erhielt, und eine neue der Zeit und den Umständen ange-messene, dem Bedürfnisse der Nation entsprechende Regierungsform entworfenwurde. Als Deputirter der Stadt Christiania aus dem außerordentlichen Stor-thing im Spätjahre 1814 ri'eth er zur Vereinigung mit Schweden unter EinerDynastie, doch ohne irgend einen wesentlichen Artikel des am 17. Mai 1814zu EidSvold gegebenen Grundgesetzes aufzuopfern. Nach erfolgter Vereinigungernannte ihn der neue König zum Staatsrathe und Chef des Departement« fürdas Kirchen - und Schulwesen. Die Annahme dieses Postens misfiel der Na-tion, die ihn höchst ungern beider jungen Universität vermißte, und erregte sogarFeindschaft gegen ihn, wodurch mancher heilsame Plan, den er auszuführen suchte,vereitelt wurde. Indessen verwaltete er sein Amt 12 Jahre lang mit seltener Thä-tigkeit, bis er nach mehr als SOjährigem Staatsdienste 1826 seinen Abschiednahm und sich auf seinen kleinen reizenden Landsitz in der Nähe Christianiaszurückzog, um einzig den Wissenschaften leben zu können. Mehre gediegeneWerke, wie „Moral für Volk und Staat", „Principien der Grundgesetzgebung",„Geist des Christenthums", „Übersetzung des Evangeliums Johannis" und seinsogenanntes „Philosophisches Testament oder drei Bücher von Gott, der Jdeen-und Sinnenwelt und der Offenbarung der erstem in der letztem" sind die vor-züglichsten Früchte seiner Muße. Dadurch wirkte dieser würdige Greis, derim hohen Alter noch im ungeschwächtcn Gebrauche aller seiner Geisteskräfte warund die Beschwerden des Alters wenig fühlte, überaus vorkheilhaft auf da« norwe-gische und dänische Publicum. Heiter, gesellig, unterstützt von einer durch Geistund Herz achtungs- und liebenswürdigen Gattin und aufgemuntert durch den Ge-nuß der schönen Natur, der allgemeinen Achtung und der treuen Anhänglichkeiteiner Anzahl auserlesener jüngerer Freunde, hatte er den schönen Abend eines wohl-anzrwandten Lebens genossen, als er am 22. Sept. 1833 auf seinem Landsitzebei Christiania starb. (1)
. ^Treviranus (Gottfried Reinhold), Professor zu Bremen, geboren den4. ^ul. 1776, hat sich als anatomischer und physiologischer Schriftsteller rühmlicherannt gemacht. Seine erste Schrift („Physiologische Fragmente", 2 Bde., Ha-nover 1797 — 99), lenkte schon die Aufmerksamkeit der Naturforscher auf ihn,