Torrijos 641
Torrijos (Joseph Maria), geboren am 2. März 1791 zu Madrid, vondem spanischen Zweige der Familie Borgia (BorjaS) abstammend, ward unterder Regierung Karl I V. in dem königlichen Schlosse als Page erzogen und als er,kaum 16 Jahre alt, in Kriegsdienste trat, ward er nach damaliger Sitte sogleichzum Hauptmann befördert. Zwei Jahre später erhielt er den Rang eines Majors,focht tapfer gegen Napoleon's Heer und zeichnete sich bei allen Gelegenheitendurch Muth und Geschicklichkeit in der Ausführung schwieriger Aufträge aus.Er war erst 19 Jahre alt, al« er, obgleich nur Oberstlieutenant, zum Befehls-haber der Vorhut des catalonischen Heeres ernannt wurde. Er erhielt 1812 einRegiment, das anfänglich zur Besatzung von Badajoz gehörte, später aber derenglischen Heerabtheilung unter dem General Hill beigegebcn ward. In derSchlacht bei Brttoria befehligte T. die zweite Jnfanteriebrigade, und von Wel-lington der spanischen Regierung besonders empfohlen, ward er bald nachher zumBrigadegcncra! befördert. Neuen Ruhm erwarb er sich bei den Gefechten in denPyrenäen 1813 bis zur Schlacht bei Toulouse. Nach seiner Rückkehr ernannteFerdinand VII. ihn zum zweiten Befehlshaber des gegen Colombla unter Morilloausgerüsteten Heeres; aber stets seinen freisinnigen Grundsätzen treu, woilte T.lieber eine ehrenvolle Entlassung suchen, als gegen die Amerikaner kämpfen, derenSache er für gerecht hielt. Seine Plane zur Befreiung seines Vaterlandeswurden verrathen, und als er 1817 mit seinem Regiment in Murcia stand, warder mit mehren seiner Offiziere verhaftet, und war einige Zeit Gefangener indem Schlosse zu Alicante, bis er später in das Gefängniß der Inquisition zuMurcia kam. Über zwei Jahre mußte er im Kerker schmachten, bis dasVolk, durch Riego und Quiroga für die Freiheit wieder entflammt, die Riegelsprengte. Er vollzog seit 1820 mehre wichtige Aufträge, befehligte die Heerab-theilung , welche zur Unterdrückung des Ausstandes in Catalonien entsendet ward,und erhielt endlich den Oberbefehl über die Streirkräfte in Biscapa. Als die fran-zösische Heercsmacht 1823 über die Pyrenäen ging, scheiterten seine Entwürfe ge-gen den feindlichen Angriff an der Unwissenheit und Schwäche und zum Theil auchwol an der Verräthcrei im Hauptsitze der Regierung. Tapfer vertheidigte er Car-tazena und Alicante gegen die Franzosen und unterlag als der letzte Vertheidigerder Sache, der er seinen Arm geweiht hatte. Er übergab Cartagena, nach-dem der Herzog von Angouleme bereits lange Cadlz bezwungen und die constltu-tionnelle Regierung zu bestehen aufgehört hatte, und erhielt ehrenvolle Bedingun-gen, die indeß von de>xfpanischen Regierung nicht gehalten wurde». T. wolltesich der siegenden Eigenmacht nicht unterwerfen, und lieber seine Stelle und dieFrüchte einer glänzenden Laufbahn aufopfern. Er ging 1823 nach Frankreich, alser aber von der französischen Regierung Unbill aller Art erfuhr, begab er sich 1824nach England, wo er eine ehrenvolle Aufnahme fand. Während er sich dort mitliterarischen Arbeiten beschäftigte, zu welchen auch spanische Übersetzungen vonGourgaud's Denkwürdigkeiten und Montholon'S Mittheilungen gehörten, verlorj er sein Vaterland nicht aus den Augen, und suchte in die Ereignisse einzugreifen,welche einer Umwandlung des Zustande« der Dinge in Spanien günstig zu seinschienen. T. war jedoch In seinen politischen Bestrebungen zu unvorsichtig undhatte zu wenig Mistrauen, als daß er nicht als Opfer hätte fallen müssen. Erberließ bereits vor der Juliusrevolution England und begab sich nach Gibraltar,wo seit längerer Zeit mehre geächtete Constitutionnellc thätig gewesen waren, diespanische Regierung zu beunruhigen. Von hier machte er bereits lm Jan. 1831einen Versuch, mit mehren Verbannten auf dem spanischen Gebiete zu lan-den, ward aber zurückgeworfen und ging wieder nach Gibraltar. Ebenso erfolglos. war ein späterer Versuch im Febr., die Linien von St.-Roch zu durchbrechen. Auch
^ mag er dem Anschlag gegen Cadiz und die Insel Leon nicht fremd gewesen sein,
Sonv.-l-ex. der neuesten Zelt »nd Literatur. IV. 41