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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
640
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640 Torlonia

übrig bleibt. Indessen ist man in der neuern Zeit in vielen Staaten von der Ver-heimlichung topographischer Werke zurückgekommen, indem man sich überzeugthat, daß nicht der Besitz, sondern die Kenntniß und richtige Beurtheilung der Kai,teu sowie die Intelligenz des Heerführer«, welcher sie zu benutzen versteht, zu denglücklich.« Ergebnissen eine« Feldzugs beitragen. Sowie nun ein aus einer sel-chen Anstalt hervorgegangenes Werk alle Eigenthümlichkeiten des Bodens zur Auf-stellung von Truppen, zu Leitung von Marschen und zur Beurtheilung von Er-fechten darstellen soll, ebenso ist es auch geeignet zur Anlegung von Srraßen, Däm-men, Kanälen, Wasserleitungen. Gebäuden u. s. w. Anweisung zu geben. Nichtder Kriegsmann allein, sondern auch der Naturforscher, der Staatswirth, Berg-und Forstmann, der Land- und Wafferbaumeister und selbst drr größere Landwirthbedarf zu seinen Unternehmungen guter Karten und Plane, d. h. der Erzeugnisseeines topographischen Bureau oder der nach dessen Principien hervorgegangenenArbeiten. Der Ingenieur richtet seine Aufmerksamkeit besonders auf Anlegungvon Militairbauwrrken. Ein topographische« Bureau trägt daher vorzüglich zurVerbreitung der richtigen Erkenmniß und klugen Benutzung der Erdoberfläche bei.Wenn auch hier und da zur Darstellung des Örtlichen in Bildern oder Gemäldendas Wort Topographic,gewählt wird sowie man z. B. ein topographisches Cabi-net hat, tvblches perspektivische Ansichten berühmter Orte enthält so ist diese Be-nennung als unecht zu betrachten und der eigemlichc Wirkungskreis des topogra-phischen Bureau bleibt immer nur die Darstellung der Gegend in der Vertikal-,nicht in der Seitenansicht.

Torlonia, Herzog von Bracciano, Stifter des allbekannten Bankier-hauses Torlonia zu Rom, wurde 1754 zu Siena geboren. Nach einer in Italienvielvcrbreiteten Versicherung war der nachmalige Herzog T. in seiner Jugend Lohn-bedienter, dabei ein sehr guter Wirth. Durch Sparsamkeit habe er, sagt man, einkleines Capital zusammengebracht, das Cardinal Braschi von ihm erborgte, als»in das Conrlavs ging, aus dem er 1775 als Papst,PiuS VI. wieder herauskam.Dankbar für diesen sehr erwünschten Vorschuß, habe der Papst ihm seine Geldge-schäfte übertragen und so sei das Bankgeschäft und das Vermögen begründet wor-den, das an den Reichthum von T.'s Landsmann Agvstino Chigi erinnerte, demder Herzog auch darin glich, daß er für Kunstwerke große Summen zu verwendennicht scheute. Wie Chigi, übernahm T., den Plus VI. schon zum Marchese diRoma Vecchia erhob, die Pachtung der Alaunwcrke von Tolfa und war überhauptmit allen größer» Finanzunkernehmern dieser und der nächstfolgenden Regierungaufs innigste verflochten. Auch in dem Königreiche beider Sicilicn hatte er auseine Reihe von Jahren einen ansehnlichen Theil der öffentlichen Abgaben von derRegierung gepachtet. Plus VIl., dessen Staatsbankhalter er blieb, erhob ihn zumHerzog von Bracciano, sowie denn auch der König von Spanien ihn zu seinemKammerhcrrn ernannte, Polen ihm das Großkreuz des Stanislausordea, Frankreichden Orden der Ehrenlegion, Parma das Großkreuz des Konstantinischen HauSor-dens verlieh. Seine beiden Paläste zu Rom, einst Bolognetii und Verospi, prang-ten mit ursprünglichen Kunstwerken, die er zu vermehren eifrig bedacht war. Wand-gemälde von Camuccini, Mosaikfüßböden, die er dorthin hatte versetzen lasten,Canova's Marmorgruppe, Herkules und Lpcas, schmückten seine prächtigen Säle.Er veranstaltete die misglückte Ausfischung der Tiber. Seine wöchentlich geöffne-ten Gesellschaftszimmer waren der Sammelplatz aller Fremden, welche die ewigeStadt vereinigte. Der König vön Neapel und sein in Rom lebender Bruder derKönig von Spanien (Karl IV.) verschmähten 1818 die Feste nicht, die er inseinem Palast« Bolognetti ihnen anbot. Herzog T. starb nach kurzer Krankheitam 25. Febr. 182S, aber noch besteht sein Handelshaus in ungemindertcmAnsetzn. (")