Topographisch«, Bureaux 6Z9
jeder Karte ist daher ein Hauptgegcnstand eines bei dem topographischen BureauAngestellten. Mehr als von jedem Andern muß man von ihm verlangen können,daß er eine Karte oder einen Plan richtig lese und verstehe, oder daß er die Ursachenauffinde, warum dieses oder jenes darauf nicht naturgetreu abgebildet sei. Gleichden Buchstaben hat man auch in der Topographie besondere Zeichen, welche dieGegenstände auf der Oberfläche des Bodens, z. B. Gebäude, Straßen, Wälder,Gewässer u. s. w. in der Vertikal- oder Vogelansicht darstellen, und welche in allenAnstalten der Art sich ähnlich und größtentheils übereinstimmend sind. Dasselbefindet auch bei der Bezeichnung der schiefen Fläche», d. h. der Abhänge und Bergestatt, wofür man jedoch erst in der neuern Zeit die einfache Strichlage, von 5 zu 5°Böschung bis 45°, nach dem System des verstorbenen königlich sächsischen Plan-kammerdireckors, Major Lehman» "), angenommen hat. So lange nicht ein all-gemeines Princip für alle topographischen Bureaux eingeführt ist und alle solcheAnstalten dasselbe nicht befolgen, werden immer noch einige Zweifel über die Dar-stellung des Bodens entstehen, welche nur dadurch zu heben sind, wenn bei jederKarte, welche erscheint, die Stufenleiter der Schwärzen oder der Strichlage für dieBerge besonders angegeben wird. Dieses ist bei einigen neuem Werke» geschehen.Sehr häufig aber findet man noch Schatten und Licht oder Abstufungen der Höhenangegeben, da wo sie in der Vertikalansicht gar nicht wahrgenommen werden kön-nen. Diese Widersprüche und Mängel zu heben, über die richtige Angabe der Ho-rizontalentfernungen, der Längen und Breiten, vorzüglich im eignen Lande, zuwachen, ist eine Hauptobliegenheit eines topographischen Bureau. Es soll ebensobedacht sein, allen Sudeleien, allen unechten Producten speculativer Kartenfabri-kantcn und Hänoler vorzubeugen, als vor allen Dingen mathematische Gründlich-keit und Wahrheit in einer Wissenschaft zu verbreiten suchen, welche auf untrüg-lichen Grundsätzen beruht. Die Wirksamkeit eines topographischen Bureau, wel-ches den Schatz guter Karten und Plane, vorzüglich des Inlandes, verwahrt, gehtbesonders auch auf die Bildung junger Künstler, welchen man nicht genug Gewis-senhaftigkeit anempfehlen kann. Die Phantasie ist in dieser Wissenschaft ganz zuverdammen. Die Wahrheit und Treue der Darstellung nach der Vertikalbeleuch-tung kann hier allein Platz finden. Wenn auch diese Beschäftigung aus den erstenBlick monoton und Pedantisch erscheint, indem die Stärke jedes Striches und dieLage jedes Punktes fast sklavisch befolgt werden muß, so gewährt sie doch dem inder Anschauung geübten Blicke das getreue Verhältniß mit der Natur in einer viel-tausendsachen Verkleinerung. Die topographischen Bureaux haben in der neuernZeit durch die Lithographie sich eine bedeutende Erleichterung zu verschaffen gewußt,indem früher nur der Grabstichel — kaum die Nadel — die nöthigen zarten Stricheauszuführen vermochte. Die in Kupfer ausgeführten Arbeiten bleiben jedoch im-mer noch die vorzüglichsten und der Steindruck kann diese Zartheit nicht vollkom-men gewähren.
Alle großen Staaten besitzen topographische Bureaux, doch haben die aufdem europäischen Conlinente und namentlich die von Paris, Wien, München,Dresden, Stuttgart, Karlsruhe, ja selbst Petersburg, wol unstreitig die größtenFortschritte zur Beförderung dieser für Kriegführung, Handel und Länderkunde sowichtigen Wissenschaft gemacht. Nicht immer werden die Resultate und Leistun-gen derselben bekannt, wie denn z. B. aus den Materialien des russischen undöstreichischen Kaiserstaats noch Manches für das größere Publicum zu erwarten
') In seinem trefflichen, nach der dritten Ausgabe auch in das Englische über-setzten Werke: „Die Lehre von der Situationszeichnung, oder Anweisung zum rich-tigen Erkennen und genauen Abbilden der Erdoberfläche i» Karten und Plan«»",ssstte Auflage, hlrauSglgeben vorn Major Becker und Professor Fischer (Dreeden