Tielemans Tilcsius 631
sind. Das pariser Institut, das seine „Anatomie der Röhren-Holothurie, despomeranzenfarbenen Seesterns und des Steinseeigels" (Heidelberg 1820), mitdem Preise krönte, hat mehr als einmal mit der Beurtheilung von T.'s Schriftensich beschäftigt, und wie kein anderer deutscher Anatom und Zoolog hat T. die Ar-beiten französischer Fachgenvffen zum Ruhme deutscher Gründlichkeit und deutscherUntersuchung zergliedert. Große Verdienste hat sich T. um die Bildungsgeschichtewichtiger Organe, z. B. des Gehirns („Anatomie und Bildungsgeschichte desGehirns im Fötus des Menschen, Nürnberg 1815, 4.), u. s. w. erworben, undneues Licht hat er theils allein, theils in Verbindung mit Gmelin über die wichtig-sten thierischen Funktionen z. B. „Die Verdauung nach Versuchen" (2 Bände,Heidelberg 1826 — 27), erworben. Unter seinen anatomischen Werken erinnernwir nur an seine „labnlac artcnnrum" (Karlsruhe 1822, Fol.); seine „labulasnorvornm Uteri" (Heidelberg 1822, Fol.); seine „Icones cerebri sirniarum" (Hei-berg 1821). Von seiner „Physiologie des Menschen" (1. Bd., Darmstadt 1830),ist bis jetzt erst die Einleitung erschienen. In Verbindung mit den Brüdern Trc-viranuS gibt er die „Zeitschrift für Physiologie" (Heidelberg und Darmstadt1824 fg.), heraus. (2)
Tielemans (Franz), geboren 1799 zu Brüssel, der Sohn eines Bä-ckers, verdankte seinen vielversprechenden Anlagen die Gunst wohlwollender Män-ner, welche ihm die Mittel gewährten, eine gute Erziehung zu erlangen. Einerseiner Gönner, der Minister von Gobbelschroy, verschaffte ihm eine Unterstützungvon der Regierung, um ihn in Stand zu setzen, eine Reise nach Deutschland zumachen, und sich dort vorzüglich dem Studium der Rechte zu widmen. Als er1823 zurückkehrte, erhielt er zwar nicht das Lehramt des canonischcn Rechts andem philosophischen Kollegium zu Löwen, um welches er sich beworben hatte, abersein vielgeltender Beschützer verschaffte ihm die Stelle eines Referendars in demMinisterium der auswärtigen Angelegenheiten, eine Anstellung, die vielfachenTadel erfuhr, da die Ansprüche mehrer achtbaren Männer dadurch zurückgesetztwurden. Aus den in dem Proceß gegen Potter (s. d.) bekanntgemachten Schrif-ten geht hervor, daß T., dem seine Stelle besondere Pflichten auflegte, seit 1826die Seele der Umtriebe war, welche gegen eine Regierung gerichtet waren, derenWohlthaten er genoß. Als der Regierung endlich die Augen aufgingen, ward ermit Potter, BarthelS und andern Angeklagten vor die Assisen in Südbrabant ge-stellt, die ihn im April 1830 zu siebenjähriger Verbannung verurtheilken. T.ging nach Frankreich, setzte von dort seine Umtriebe fort, und war einer der eifrig-sten Beförderer der belgischen Revolution. Seine Partei kennte und benutzte seineunbestreitbaren Talente, aber sein Charakter konnte kein Vertrauen einflößen, undkaum war die Regentschaft eingesetzt, als man ihn im April 1831 entfernte undibn zum Gouverneur von Antwerpen machte. Einige Monate später ernannteihn der Regent zum Gouverneur von Lüttich und er verwaltet noch jetzt dieseStelle. (74)
Tilesius (Wilhelm Göttlich von), ward -u Mühlhausen in Thüringenam 17. Jul. 1769 gebore», studirtc zu Leipzig Medicin und promovirte auch da-selbst. Schon früh machte sich T. durch sein künstlerisches Talent bekannt, indemer den, als große Seltenheit, zum ersten Male in Leipzig blühenden Pisang zeich-nete, „fllusae parackis. Icones" iLeipzig 1792, 4.). Nicht minder erregte erAufmerksamkeit durch die wohlgelungenen Abbildungen der zu jener Zeit inDeutschland reisenden sogenannten Stachelschweinmenschen (Altenburg 1802,Fol.), sowie er vorher schon eine ähnliche Arbeit („Historia cutis tnrpiturlinis",iLeipzig 1793, Fol.) geliefert hatte, und bei einer andern („Icones vener. inorki",Leipzig 1804,4.), einen Freund, Mariens, mit Zeichnungen eifrig unterstützte. Auchzu Rosenmüller's „Beschreibung der muggendorfer fossilen Knochen" lieferte er