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Vierter Band (1834) S bis Z
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Tholuck

wohlwollende Aufnahme, daß dieser ihn sogar als Pflegesohn annahm, und ihmversprach, in Zukunft ihm die Mittel zu einer Reise in den Orient zu gewähren.Schon nach einem Vierteljahr aber starb dieser Wohlthäter, doch war T. in Berlinmehren Gönnern als hoffnungsvoller Orientalist bekannt geworden und erhieltdurch Vermittelung des Ministers von Altenstein ein bedeutendes Stipendium, dasihn in den Stand setzte, seine orientalischen Studien zu beendigen. Er genoßhauptsächlich den Unterricht von Jdeler und Wilken. Erst in dem letzten Jahrsdieser Studien begann er, sich auch zur Theologie hinzuwenden und diejenige reibgiöse Denkart in sich aufzunehmen, der er noch jetzt zugethan ist. Während seinerGymnasialjahre war er in dem Grade einem entschiedenen Unglauben ergeben, laßer in einer Adgangsrede vom Gymnasium sich zum Thema wählte, die Vorzügedes Mohammedanismus vor dem Christenthum darzustellen. Dieser Denkart blieber auch späterhin noch während seiner Studienzeit getreu, bis er durch die nähereBekanntschaft mit dem Professor Neander in Berlin und einem andern Privat-mann für jene pielistisch-mystische Richtung gewonnen wurde, die ihn seitdem be-herrscht. Dessenungeachtet würde er auch jetzt noch nicht bestimmt worden sein,statt der orientalischen Literatur sich vorzugsweise der Theologie zu widmen, wennnicht die um diese Zeit erfolgte Absetzung De Wetke's das Ministerium veranlaßthätte, ihn aufzustöbern, an jenes Gelehrten Stelle in Berlin theologische Vorlesungenüber das A. T. zu halten. Er wurde dadurch immer mehr zu einer ausschließendenBeschäftigung mit der Theologie hingezogen, die ihn von den orientalischen Stu-dien ablenkte. Mehr noch als diese äußern Umstände aber war es gewiß der innereAntrieb und der Eifer, für die neugewonnene religiöse Überzeugung zu wirken, diesezu verbreiten und zu erwecken, was ihn vermochte, sich ganz der Theologie zu wit-mcn. Dieser Bekehrungseifer mochte jetzt zu dem vorherrschenden Princip seinerganzen Bestrebungen geworden sein, welchen er sich um so mehr ganz hingab, alser auch bei der preußischen Regierung Anerkennung und Unterstützung derselbenfand, und als cS ihm gelang, bei den ihm Gleichgesinnten, unter welchen er sichdurch gelehrte Kenntnisse auszeichnete, zu dem Ansehen eines Partcihaupkes em-porzusteigen. Unterstützt durch das preußische Ministerium, machte er eineReise nach England und Holland, zunächst zwar für wissenschaftliche Zwecke, na-mentlich orientalisch« Forschungen, jedoch benutzte er dieselbe auch für die Förde-rung der Zwecke seiner religiösen Partei bei den Glaubensgenossen jener Länder, wieunter Anderm die von ihm in den Versammlungen der Bibelgesellschaft in Eng-land gehaltenen Vortrüge, worin er die deutsche freisinnige Theologie auf das Här-teste anklagte, bezeugen. Von einem schweren Untcrleibsleiden ergriffen, kehrte erbald von dieser Reise zurück, und wurde bereits 1326 an Knapp's Stelle als or-dentlicher Professor der Theologie nach Halle berufen. Dieser Ruf bestimmte ihnnoch mehr, sich nun ganz mit der Theologie zu beschäftigen. Die ersten Jahre sei-ner Wirksamkeit in Halle verflossen unter schweren köperlichen Leiden, die ihn end-lich bestimmten, das sehr günstige Anerbieten anzunehmen, auf ein Jahr als Ge-sandtschaftsprediger nach Rom zu gehen. Am Körper gestärkt, mit reichen Erfahrun-gen ausgerüstet und zu gleicher Zeit in seiner religiösen Denkart freier geworden, kehrteer 1828 nach Halle zurück, wo er in sein bisheriges Lehramt wieder eintrat. Hierward er bald daraus in die 1830 in Folge des BerketzerungSversuchs gegen Weg-schcider und Gesinius ausgcbrochenen Streitigkeiten verwickelt. Da man nämlichT. als eines der Häupter jener fanatischen Partei der evangelischen Kirchenzeitungkannte, von welcher jener berüchtigte Angriff auf die genannten geachteten Männerausging, so war es natürlich, daß sich der Verdacht einer Theilnahme zunächst aufihn, den in Halle Anwesenden, lenkte, und daß er dadurch den ersten AusbrüchendeS gerechten Unwillens der durch jenen Aufsatz verleumdeten studirenden Jugendin Halle ausgesetzt war. Bei näherer Untersuchung der Sache ergab sich zwar, daß