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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
621
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Thiers 621

TitelI.e National" anzulegen. Dieser Blatt war in einem freimüthigern undenergischem Tone geschrieben, als derOonstitutiannei", und erregte Aufsehen.Die Regierung Karl X. sah das Erscheinen desselben mit dem höchsten Mißver-gnügen, und derNational" hat vielleicht ihren Beschluß, durch einen Bewalt-streich der Preßfreiheit und dem Repräscntatlvspstem ein Ende zu machen, unver-merkt beschleunigt. Die Redackvren desNational", mithin auch T., waren dieersten, welche die Protestation gegen die königlichen Ordonnanzen unterzeichneten;auch fanden sich T. und Carrel am 28. Jul. bei der Versammlung in Guizot'sWohnung ein, um über die ernsthafte Lage der Dinge sich mit mehren Dexutirtenzu berathschlagen. In einer ministeriellen Flugschrift ist seitdem behauptet worden,T. und die Andern hätten schon an diesem Tage sich über die Erhebung desHerzogs von Orleans auf den Thron berathen. Diesem ist aber aufs Bestimmtestein dem noch von Earre! herausgegebenenNational" widersprochen worden. Soweit war man damals noch nicht, und die einzige Frage war, ob aus der Empö-rung eine Revolution werden sollte. Doch scheint T. schon früher mit dem Herzogevon Orleans in Berührung gekommen zu sein. Der junge Schriftsteller war einFreund des Bankiers Lasitke geworden, und als nach der Juliusrevolution diessrzumMinister ernannt wurde, berief er T. als Untcrstaatssecretair zu sich. Zudem wurdeT. zum Deputieren von seiner Vaterstadt ernannt, und Ludwig Philipp, welcher ihngern um sich sah, ernannte ihn zum Staatsrathe. Seine Talente und sein viel umfas-sender Geist wurden nun auf mannichfaltige Art in Anspruch genommen. Er zeigtesich, seiner Jugend ungeachtet, als ein erfahrener Staatsmann, sezte auf der Redner-bühne die schwierigsten Fragen über die Finanzen mit vieler Deutlichkeit und zuweilenmit wahrer Beredtsamkeit auseinander. Wenige Redner vermochten wie er, mitso großer Leichtigkeit finanzielle Erörterungen auS dem Stegreife stundenlang zugeben. Am Hofe genoß er großes Ansehen, und wenige wichtige Dinge wurdenbeschlossen, ohne ihn zu Rathe zu ziehen. Die »om Finanzminister vorgeschlage-nen Maßregeln vertheidigte er in der Deputirtenkammer auf eine beredte Art, undsetzte sie großentheils durch. Als 1.831 das Ministerium umgeändert wurde, undLasitte sich zurückzog, legte auch T. seine Stelle als Unlerstaatssceretair nieder, be-hielt jedoch am Hofe Ludwig Philipp's seinen Einfluß bei. Auch blieb er fortwährendthätig in der Deputirtenkammer. So z. B. wurde er zum Berichterstatter über daSvorgeschlagene Budget für 1832 ernannt, und gab im Anfange des Jan. eine sehrausführliche Darlegung desselben. Als nach dem Tode Casimir Perier's ein neuesMinisterium gebildet wurde, und die bisher diesem Staatsmanne übertragene«Geschäfte unter zwei Minister vertheilt werden sollten, erhielt T. den politisch, nTheil, besonders die Polireisachen, indeß seinem Eollegen d'Argout die Verwal-tungs- und Handelsangelegenheiten und die Staatsbauten zugelegt wurden. T.hatte in dieser Eigenschaft für die Sicherheit des Staats zu sorgen. Hier zeichneteer sich besonders durch die unerwartete Gesangennehmung der Herzogin von Berriaus. Zwar wußt- die Regierung längst, daß sie in der Vendc'e sei, und die Ein-wohner aufwiegle; auch daß sie zu Nantes gewesen, war den Ministern nichtunbekannt; allein ihren eigentlichen Aufenthalt ausfindig zu machen, hieltschwer, indem die Ausspäher der Regierung durch die Kundschafter der Royali-sten in ihrem Nachforschen gehindert wurden. Der Zufall machte es endlich denMinistern möglich, Frankreich von der fortwährenden, durch die Anwesenheit derHerzogin veranlaßten Unruhe zu befreien. Deutz, ihr heimlicher Agent, erbot sichbeim Minister Montalivet, ihren Aufenthalt anzugeben, und Montalivet führtediesen Mann zu T., obgleich Deutz anfangs nur mit ersterm Minister zu thun ha-ben wollte. T. nun verabredete mit Deutz die zu veranstaltenden Maßregeln, umsicher zum Ziele zu gelangen, und man weiß, daß die Gewandtheit der Policei dieGesangennehmung der Herzogin völlig sicherte. Auch die während der Einsxerrung