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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
617
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Thienemann 617

bindende Idee, aus welcher sich die christlichen Dogmen, die sittlichen Verhältnisse,G.sinnungen, Bestrebungen und Gesetze ableiten lassen, glaubt er in der Idee von»Reiche Gottes gefunden zu haben. So hat er sie darzustellen versucht in seinen»geistvollen Buche:Die kehre vom göttlichen Reiche" (Berlin 1823). Vondein Interesse, welches die ausländische Literatur ihm einflößte, zeugt die (un-vollendet gebliebene) Übersetzung von CervantesPersileS und SigiSmunda"(Berlin 1808) und eins Übersetzung derHebräischen Gesänge" deS LordS Byron(Berlin 1823). Die Beobachtung, daß das innere Leben des Glaubens wenigerdurch eine Überzeugung der Vernunft, als durch die Eindrücke sich bildet, welchedas Herz eines Menschen durch seine Schicksale unter Leitung der göttlichen Vor-sehung empfängt, gab ihm die Veranlassung und den Stoffzu einer religiös-poe-tischen Darstellung in BriefenAdalbert'S Bekenntnisse" (Berlin 1828), «ineSchrift, die das Gepräge der Vollendung in der Form wie vielleicht keine anderedeS Verfassers an sich trägt, und der wir in dieser Hinsicht überhaupt kaum einErzeugniß der neuern deutschen Literatur an die Seite zu setzen wissen. Von seinenPredigten" hat er sieben Bände herausgegeben. In einem Bande derselben, der be-sonders erschien unter dem Titel:Zeugnisse von Christo in einer bewegten Zeit"(Berlin 1832), macht der Verfasser die Begebenheiten und Erfahrungen der Z.il (be-sonders in den Jahren 183032) zum Gegenstand der Betrachtung und gewährtschöne Blicke in sein durch die Leiden und Gebrechen der Menschheit tief bewegtes, zuchristlicher Hülfleistung bereites Herz. Mehrfache Theilnahme haben der 5. und 6.Band gefunden, die unter dem besondern Titel erschienen:Kreuz Christi" (1. Bd.T829,2. Aufl, 1831,2. Bd. 1832) und neulich auch inS Englische übersetzt wordensind. In allen diesen Predigten hört man die Stimme eines offenbarungsgläubigen,für die Sache seines Herm begeisterten Theologen, der die christliche Erkenntniß, abernoch mehr das fromme Gefühl seiner Zuhörer zu bilden sucht, und der vornehm-lich in neuern Vortragen auf die Nothwendigkeit dringt, durch Selbstverleugnungund Hingebung zur Gemeinschaft mit Gott zu gelangen; eine Richtung, die My-sticismus, aber im guten Sinne, genannt werden kann, und die in derNach-folge Christi" von Thomas von Kempen und in den religiösen Schriften Fenelon'sallgemein geachtete Vorbilder ßndet. Was die Form der Darstellung in diesen Pre-digten betrifft, so hat sie sich nach keinen von den in der deutschen homiletischenLiteratur hergebrachten und anerkannten Regeln und Mustern gebildet, vielmehrscheint der Verfasser da, wo er nicht durch seine Persönlichkeit und seine eigenthümli-chen Grundsätze beherrscht wird, griechische und französische Redner, unter den letzter»vorzüglich Massillon vor Augen zu haben. Die Wirkung und der Eindruck, denT.'S Predigten hervcrbringen, wird durch ein Talent unterstützt, das ihn als ge-borenen Redner beurkundet und ihm in der Reihe der jetzt lebenden Prediger denersten Platz sichert. Nach manchen trüben Erfahrungen hat er sich aus dem Lebenund den Geschäften in stille Einsamkeit zurückgezogen, aus welcher neuerlich seineStimmen aus den Gräbern" (Berlin 1832) hervorgegangen sind, und wid-met letzt seine Zeit der Erziehung zweier hoffnungsvollen Kinder, dem Stu-dium der Schrift und einer auserwählttn Lieblingsliteratur deutscher und spa-nischer Klassiker. Als Ergebniß seiner Studien und Frucht siiner Lebens- undAmtSerfahrungen darf man von ihm eine Darlegung seiner christlich theologischenÜberzeugung im Zusammenhang erwarten. (86)

Thicncmann (Friedrich August Ludwig), zweiter Znspector am Natu-raliencadinet zu Dresden, geboren am 23. Dec. 1793 zu Glcina bei Freiburg inThüringen, wo sein Vater Prediger war, kam nach empfangener Vorbildung imälterlichen Hause 1805 auf die Domschule zu Naumburg, die er jedoch 1808 mitSchulpforte vertauschte, wo er unter der Leitung Jlgen'S, Langc'S, Gernhardl'Sund Fleischmann'S dem Studium der classischen Literatur oblag. Hier fand sein«