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Vierter Band (1834) S bis Z
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607
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Lauchnitz

Neigungen, seinen Schmerz und Freude darin aus, und zu dieser Sprache verhelfenihm nicht die Kunst, sondern blos die verschiedenen Eindrücke, welche er aufnahm;S) wenn man daher diese Gebehrdensprache an die Stelle unserer Wortsprache setzt,so ist man im Stande, den Taubstummen auszubilden so weit man will. Mithinfaßte de l'Epe'e bei seinem Unterrichte der Taubstummen mehr die geistige Seite insAuge, während Bonet, Amman, Pereira mehr den rein mechanischen Theil desUnterrichts der Lautsprache behandelt hatten. Seine Methode zeigte sich durch dieDarstellung der Gebehrdensprache, als des natürlichsten Mittels der Begriffsent-wickelung, sehr auf das Bedürfniß der Taubstummen berechnet, sie gestattete jedochderselben eine zu große Ausdehnung. Sicard, sein Nachfolger, wich nach undnach von dc l'Epee's Methode sehr ab. Von der richtigen Ansicht ausgehend, daßaller Grund einer Sprache in der Natur deS Gedankens selbst aufgefunden werdenmüsse, glaubte er denn auch vorweg die geistige Kraft der Taubstummen weckenund üben und den Sprachunterricht so ertheilen zu müssen, daß die ganze Sprach-lehre gleichsam aus dem Zöglinge hervorgehe, die Sprachgesetze aus seiner Seeleentwickelt würden. Sicard ging von den Sachen aus, indem er an ihnen die Be-griffe und mit ihnen die Sprache entwickelte, da de l'Epe'e zuerst das Work seinemmateriellen Inhalte nach gab und hierauf den durch dasselbe bezeichneten Begriffmittels der Gebehrdensprache erklärte. Sicard war vorzüglich bemüht, die eigneThätigkeit seiner Zöglinge anzuregen, überzeugt, daß da, wo dies nicht geschieht,alle Arbeit vergeblich ist, und die Seldsthülsc der Taubstummen ganz unmöglichwird. Gupot, ein Schüler von de l'Epe'e, hat dessen Methode mannichfach ver-ändert und ausgebildet. Sein Hauptgrundsatz jedoch besteht darin, daß er demjungen Taubstummen den, ersten Unterricht durch Spielen ertheilen zu müssenglaubte, um ihm auf diese Weise alles leichter und anziehender zu machen. Über dieUnterrichtsmethoden, die Taubstummenanstalten und die Taubstummen selbst fin-det man nähere Nachweisung in Schmalz'sGeschichte und Statistik der Taub-stummenanstalten und des Taubstummenunterrichts, nebst vorausgeschickten ärzt-lichen Bemerkungen über die Taubstummheit" (Dresden 1830), worin auch zu-gleich alle Quellen genau angegeben sind. (98)

"TauchnitzsKarl Christoph Traugott). Wenn man das ausgebreitete Ver-dienst dieses Mannes, der, jetzt schon im Hähern Alter, noch immer rüstig schafft, wasselten jugendlichen Kräften möglich ist, nach dem, was ihm stets als Leitstern seinesStrebens vorgeleuchrct hat, würdigen will, so besteht es vornehmlich darin, daß durchihn die Typographie Deutschlands auf den Punkt gehoben worden ist, wo sie mit derdes Auslandes in Geschmack, Reichthum und Kunstfertigkeit, sich zu messen imStande ist. Dieses Verdienst erhält um so größeres Gewicht, wenn man fernererwägt, mit welchen Beschränkungen der rastlos strebende Fleiß dieses Manneslange Zeit zu kämpfen hatte, um sich zu seiner gegenwärtigen Stellung emporzu-arbeiten. Als der Sobn eines armen Schulmeisters in dem Dorfe Großpardaubei Grimma (geboren den 29. Oct. 1761), vermochte er die Mittel zum Studiren,wohin seine erste Neigung ging, nicht zu gewinnen; er entschloß sich daher, derBuchdruckerkunst sich zu widmen, und trat 1777 bei dem Buchdrucker Sommerin Leipzig in die Lehre, der ihn seines ausgezeichneten Fleißes und Geschmackes we-gen liebgewann und in seiner Kunst sorgfältig unterrichtete. Nach überstanden«»Lehrjahren sah er sich auch an andern.Orten in seiner Kunst um, und benutzte be-sonders die Anstalten des als Typographen und Holzschneiders gleich berühmtenUnger in Berlin zur Erweiterung seiner technischen Ausbildung. Er kehrte 1792in das Haus seines ersten Lehrhcrrn als tüchtiger Factor zurück, und benutzte dieZeit, welche seine Mitgenoffen größtentheil« zum Vergnügen anwendeten, eifrig,um sich diejenigen Kenntnisse und Geschicklichkeitcn anzueignen, welche ihm zurFührung eines eignen typographischen Geschäfts erfoderlich schienen. Nachdem