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Taubstumme und Taubstummenunterricht
so weit nur immer möglich entstammen, das heißt sie in den Stand setzen, aufmündlichem Wege mir den, hörenden Menschen zu verkehren, diese zu verstehenund von ihnen verstanden zu weiden. Für das Verstehen derselben übte er sie darin'ihre Augen unverwandt auf den Mund des Sprechenden und nicht, wie wir, ausdie Augen zu richten, und das Gesprochene scharf und schnell aufzufassen. Um vonden Hörenden verstanden zu werden, suchte er ihrer nicht nur aller Melodie, sondernauch noch anderer Erfodernisse zur Deutlichkeit ermangelnden Aussprache durchPräcision im Artikuliren aller Sprachlaute, hauptsächlich aber der Vocale, als derwesentlichsten, alle mögliche Deutlichkeit zu geben, und die letztem durch eine derdes Gehörsinns analoge Scala des Geschmackstnnes dauerhaft zu machen, indem erden Taubstummen bei jedem rein gebildeten Vocale eine ihm entsprechen sollend,Geschmacksspecies schmecken und so den Eindruck des Geschmacks mit dem der Ar-tikulation empfinden und verbinden ließ. Er bediente sich für die fünf Hauplsprach-laute eben so vieler schmeckenden Flüssigkeiten als Merkmale und zwar für das a desreinen Wassers, für das o des Auckerwassers, für das u des Baumöls, für das edes WermuthcxtractS und für das i des scharfen Essig«. Gräser glaubt, durchTaubstummenanstalten werde den unglücklichen Gehörlosen das erwünschte Heilnicht gewahrt, weil dazu einige Institute und einige Schulen nicht hinreichten, undwenn diese armen Menschen auch den herkömmlichen Unterricht erhielten, so wür-den sie doch dadurch ihren Mitmenschen noch nicht gleichgestellt. Daher müsse esdahin kommen, daß jeder Schullehrer auch Taubstumme zu unterrichten vermöge,sodaß leder Gehörlose in seinem Orte und im Kreise seiner Familie seine Bildungerhalte, auf welche Weise er auch außer der Schule im älterlichen Hause gebildetwerden könne. F-mer müsse es dahin gebracht werden, daß der Taubstumm- dieSprache seiner Mitmenschen erlerne und mit ihnen wie Hörende in Verkehr zu tre-ten im Stande sei. Zu dem genannten Zwecke müsse der Taubstummenunterrichtvon der Art sein, .daß Jedermann, wenn er ihn auch nicht zu ertheilen vermöge,doch ihn kenne und zu unterstützen im Stande sei. Seine Methode des Unterrichtsberuht nun auf folgenden Hauptsätzen. Der sprechende Mund macht bei demSprechen eines Wortes eben so viele Bewegungen, als artikulirte Töne dem Ohredes Hörenden vernehmbar vorkommen. Diese Bewegungen müssen dem ganzenGesichte eine eigenthümliche Form geben, welche bei jedem gesprochenen Buchsta-ben von dem Anschauenden gesehen, unterschieden und aufgefaßt werden können.Daher ergibt sich am sprechenden Munde ein ebenso sichtbares Alphabet, als imOhre ein tönendes vernommen wird, sodaß es Hern Sehenden, welcher darauf ein-geübt ist, gleichviel sein muß, ob er das Wort sprechen hört oder steht. Wenn nundiese eigenthümlichen Formen in bestimmten, ihnen entsvrechendcn oder ihre Ähn-lichkeit bezeichnenden Figuren gesucht, aufgefaßt, und auf dem Papiere festgestelltwerden, so erhallen wir ein natürliches Alphabet. Durch die Abbildungen dessprechenden Mundes muß aber auch nothwendigerweise eine Schrift entstehen,welche andern Menschen nicht fremd ist, indem sonst wieder der Hauptzweck, näm-lich der des gegenseitigen Verkehrs mit den Menschen sehr erschwert werden würde,und daher dürfen die Schriftzeichcn nicht willkürlich sein. Die erste Schriftspracheist unleugbar auf diese Weise erfunden worden, sonst wäre sie nicht so allgemeingeworden. Die Grundformen lassen sich am natürlichsten im lateinischennachweisen. De l'Epee hatte folgende Hauptanstchten: 1) wozu wir Hörenden mit-tels des Gehörs gelangt sind, das müssen wir dem Geiste der Taubstummen durchdas Gesicht zuführen; 2) die Begriffe haben mit den artikulirte» Lauten, durchwelche unser Geist bereichert wurde, nicht mehr Verwandtschaft als mit den Schrift-zeichen; Aj eine fremde Sprache lehrt man nur mittels der Muttersprache, welchefür den Taubstummen die Gebehrdensprache ist; 4) jeder Taubstumme besitzt dieseletztere ebenso wie jeder andere Mensch von Natur, er drückt seine Wünsche und
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