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Vierter Band (1834) S bis Z
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602
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Taubstumme und Taubstummenunterricht

bisher vorzüglich nur in kleinern Stücken, besonders elegischen Inhalts hervor-gethan. Bei diesen wird sie vielleicht stehen bleiben müssen, um sich keinem MiS-lingcn auszusetzen. Sie soll übrigens eine sehr bescheidene Frau und nur durch diedringenden Bitten ihrer Freunde bewogen worden sein, sich vor dem großen Publi-kum zu zeigen. (25)

Taubstumme und Taubstummenunterricht. Taubstummnennt man einen Menschen, welcher deswegen, weil er gar nicht oder nur sehr un-vollkommen hört, ohne besondern Unterricht auch nicht sprechen lernen kann. Die-ses Gebrechen ist entweder angeboren oder in den ersten Jahren des Lebens durchKrankheit entstanden, wiewol dieser Unterschied in der Wirklichkeit nur sehr schwerauSzumiktcln ist, und in dem ersten Falle scheint es bisweilen erblich zu sein. Ehe-dem glaubte man die Ursache desselben in einer mangelhaften Bildung der Sprach-organe und besonders der Zunge suchen zu müssen, seit 1570 aber sah man ein, daßdieselbe einzig und allein in dem Gehörorgane liege. Meistens wird das Übel näm-lich durch ein Erkranken oder eine Lähmung dcS Gehörnerven verursacht, nur ineinzelnen Fällen fand man bei Taubstummen organische Fehler, und zwar im La-byrinth, in den Gehörknöchclchen, in der Paukenhöhle und auch am äußern Ohre.Die Taubstummheit kann durch die meisten Kinderkrankheiten, besonders wennsie das Nervensystem heftig ergreifen, hervorgebracht werden. Bei den wenigste»Taubstummen ist jedoch eine gänzliche Gehörloflgkeit vorhanden, sondern die mei-sten derselben besitzen noch etwas Gehör, und zwar lassen sich bei ihnen zwischengänzlichem Mangel und geringer Härte des Gehörs ebenso viele Grade unterschei-den, als bei derjenigen Gehörlosigkcit, welche ohne Stummheit vorkommt. Meistfindet man bei den Taubstumme» ein verfeinertes Gefühl, wodurch man geneigtwird zu glauben, sie hätten Das, was ihnen dadurch zugeführt worden ist, gehört,aber man täuscht sich dabei oft. Die übrigen Sinne hingegen sind in der Regel beiihnen nicht mehr ausgebildet, sondern scheinen geringere Empfindlichkeit zu besitzen.Weitwichtiger als aufdieSinncistder Einfluß der Taubstummheitaufdas Geistigeund Moralische, und zwar sind die Folgen davon nicht etwa im Verhältniß zu denverschiedenen Graden dcS Gebrechens in stärkerm oder schwächerm Grade vorhan-den, sondern Kinder, welche nur in einem geringern Grade taub sind, unterscheidensich nur wenig von andem, welche an diesem Übel in einem hohem Grade leiden,weil das Gehörorgan eine vollkommene Organisation verlangt, um alle einzelne»Laute der Unterhaltung aufzufassen und den Sinn der Rede zu verstehen. Durchdie angeborene oder früh entstandene Taubheit wird nämlich die Person, welche sichin diesem krankhaften Zustande befindet, in geistiger Hinsicht auf sich allein be-schränkt und ihr Verstand bleibt daher (ohne besondere Anstrengungen Derjenigen,die sie umgeben) mehr oder weniger unentwickelt, da daS Gehörorgan bei der ge-wöhnlichen Entwickelung der geistigen Fähigkeiten des Menschen die Hauptrollespielt. Der Taubstumme kann daher mitten in einem gebildeten Staate mitseines Gleichen keinen Umgang haben, und bleibt ein Wesen, das wie ein Thierzwar Stimme, aber keine Sprache hat, weil diese ein Erzeugniß der Nachahmungist, und in der Regel nur mittels des Gehörs unter redenden Menschen erlernt werde»kann. Der Mangel des Gehörsinns zieht zwischen ihm und der geistigen Welteine doppelte Schranke, welche einerseits verhindert, daß er seäne Gedanken undGefühle uns nicht mittheilen kann, und andererseits es uns sehr schwer macht, ihnvon unsern Kenntnissen zu unterrichten. Nur ein Weg bleibt ihm übrig, aufwelchem er Verkehr mit den Menschen haben kann, und dieser Weg ist das Gesicht;allein Das, was er sieht, ist für den Taubstummen nur ein Schauspiel, über wel-ches ihm keine Stimme Erläuterung zu geben vermag. Unsere Sinne bedingensich nämlich gegenseitig so sehr, daß das bloße Sehen, ohne die Fähigkeit zu hören,wenn es auch noch so treue Dienste leistet, doch gleichsam seine geistigeäöeziehung

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