660 Talleyrand
Spätherbst« seine» Ministerposten in London wieder an. Auch am Ende de«res 1833 besuchte er Pari« und sein Landgut Valenpap, kehrte aber schon imfange des Januar« 1834 nach Löndon zurück, wo er ein seiner hohen Etellumangemessenes Hau« macht, und am 2. Fcbr. 1834 seinen achtzigsten G-bunii»»feierte. Seine Nichte, die Herzogin von Dino, geborne Prinzessin von Curlandeine hochgebildete, edle und geistreiche Frau, leitet sein Haus. Sie ist seine Loch-'tcr, seine Freundin und die Zierde jedes geselligen Kreise«, der sich aus der höh^Welt, wie früher in Pari«, so jetzt in London in T.'s Hause versammelt. Daß T.übrigen« nicht die belgische Frage allein, sondern auch die portugiesische, die orien-talische, die spanische und andere minder wichtige mit dem britischen Minist,rumverhandelt hat und darüber fortwährend unterhandelt, daß er zugleich an der Eiei-terung eine« zwischen Frankreich und England abzuschließenden Handelsvertrag,«lebhaften Antheil nimmt, ist bekannt. Aber auch in den innern AngelegenheitenFrankreich« gibt es keine nur einigermaßen zarte Frage, die der König ihm nichtvorlegte. Er steht im Vertrauen desselben über dem Herzog von Broglie und demGrafen Sebastian!. So ist ihm der Sache nach die Oberleitung aller diplomati-schen Angelegenheiten übertragen. Man befolgt seine Rathschläge, wie die ein,«alten Orakel«, das man achter. Indeß steht in allen jenen Angelegenheiten nochkein Resultat fest, welche« eine Entscheidung herbeigeführt hätte. Selbst die bel-gische Frage hängt zum Theil noch von der Feststellung der Luxemburgischen(s. d.), ab. Da« Einzige kann als T.'S Verdienst ausgesprochen werden. Erhat in allen Angelegenheiten Zeit gewonnen; er hat Frankreichs gutes Verneh-men mit England, selbst in der dornigen Unterhandlung über den russisch-türkischenVertrag vom 8. Jul. 1833 zu erhalten gewußt, und hat dadurch Frankreichs po-litische Stellung gegen da« AuSland klug behauptet, durch all dies aber sowolzur Erhaltung de» Weltfrieden« wesentlich beigetragen, als auch mittelbar auf dieBefestigung des sogenannten Justemilieuspstems in Frankreich zurückgewirkt.„T.", sagt freilich da« junge kriegslustige Frankreich, „räth zum Frieden, und zwarzum Frieden um jeden Preis, weil eS in der Natur eines Kreises liegt, seine letz.ten Augenblicke nicht durch Stürme trüben zu wollen". Ohne Grund jedoch ha-ben ihn die französischen republikanischen Journale eine« VerralhS an dem Prin-cip der Juliusrevolution beschuldigt. Seit 46 Jahren hat T. keiner Partei ange-hört, sondem allein Frankreich, und zwar dem seit 1784 wiedergeborenen Frank-reich. Er war nicht Bonapartist, als er dem Kaiser Napoleon diente; er warebenso wenig Ultraropalist, obgleich er Ludwig XVIII. und Karl X. als Oberkam-merherr buldigte. Ebenso wenig darf man ihn einen Philippisten nennen. T. hatsich nur einmal vor der öffentlichen Meinung rechtfertigen zu müssen geglaubt.Al« man im 7. Jahre der Republik an seinem RepublikaniSmuS zweifelte, verthei-digte der „Bürger" T. seinen EiviSrnuS durch die von ihm bekannt gemachten„Kclaircissemoos elonnös par le citszen lAIIez-raull a ses o-mcitoz-ens." Denndamals war die Nation sein Souverain; und er konnte in jener Schrift wol mitRecht die Eonstitution von 1791 „un pus immense rrers la röpubiigue" nennen.All er späterhin von Savarp der Theilnahme an der Ermordung des Herzog« vonEnghien beschuldigt wurde, rechtfertigte er sich durch ein Schreiben an Ludwig X VIII.,das nicht öffentlich bekannt gemacht worden ist, und blieb in Gunst wie zuvor. Da«Bestehende anerkennend, diente T. demselben mit aller Klugheit, die seine Machtwar; ward er nicht gehört oder verstanden, so trat er in die einsame Stellung ei-ne« neutralen Beobachter« zurück. Seine Thätigkeit als Staatsmann war stet«auf die Erhaltung und die Befestigung des Bestehenden gerichtet; darum vermieder, in jedem Verhältnisse, einen kühnen energischen Schritt zu thun, oder da,uzu rathen, «eil er die Folgen desselben nicht berechnen konnte; darum sagt er seldjin der oben angeführten Schrift, wenn man von ihm al« Garantie seine« Repu'