Stüve 581
Gute keinen gefährlichem Feind hat, als jene Lust des Vernichtend jenen gänz-lichen Mangel fester Richtung, der nur deshalb Alles zerstören möchte, weil ihmbeständig unklar ist, wo das wahre Übel liege. Er glaubte daher die Mängel auf-decken und was fehlerhaft gewesen, zeigen zu müssen, damit das Übrige gerettetwerden könne. Von solcher Erkenntniß des Übels zunächst, sodann aber und Haupt-sächlich von wieder zu erweckender Liebe zum Vaterlande Rettung hoffend, schriebS. unter dein Titel „Über die gegenwärtige Lage des Königreichs Hanover", «inzwar im Auslande, aber — zur Ehre der Regierung sei eS erwähnt — unterhanöverischrr Censur im Druck (Zena 1831) erschienene- Buch, welches sowolDeutschlands Stellung als den Zustand des Königreichs Hanover mit einer Ein-sicht entwickelte und die gegenwärtige Lage und die Bedürfnisse de« Lande« miteiner Schärfe deS Urtheils darlegte, die allgemeine Bewunderung um so mehr er-regen mußte, als man es kaum zu begreifen vermochte, wie ein dem königlichenDienste fern stehender Privatmann einen solchen Schah der gründlichsten Einsichtin alle Verhältnisse der Verfassung und Verwaltung des Landes sich habe erwerbenkönnen. Daß dieses Buch, welches seinem Zwecke gemäß mit freimüthiger unddarum oft bitterer Kritik die Fehler der Regierung aufdeckt», dem Verfasser vieleFeindschaft und Mißdeutungen aller Art zuziehen werde, hatte er vorausgesehen;aber im Bewußtsein seiner redlichen Absicht und in der Überzeugung, daß die Fol-gen auch etwaigen Irrthums auf ihn zurückfallen, die Wahrheit aber Allen nütze»werde, durfte er nicht schweigen. Mag gleich der Nutzen, den diese Schrift demLande gebracht hat, im Einzelnen nicht nachzuweisen sein, mag dessen Erscheinenvielleicht insofern gar bedauert werden müssen, als S. sich dadurch eine von ihmselbst nie gewünschte, von Einzelnen gefürchtet«, von Vielen aber dringend ersehnteBerufung zu einem seinen ausgezeichneten Fähigkeiten entsprechenden umfassen-der» Wirkungskreise für die nächste Zukunft selbst abgeschnitten zu haben scheint,so wird doch die durch jenes Buch verbreitete Aufklärung über die wichtigsten An-gelegenheiten deS Lande- noch lange, wenn auch unbemerkbar, heilsam wirken unddie in manchen Beziehungen veränderten Ansichten der Regierung dürften schonjetzt als eine Frucht desselben zu betrachten sein.
Wie viel S. während der viermonatlichcn Prüfung deS von der Regierungentworfenen StaatSgrundgesetzeS als Mitglied der au« sieben königlichen und14 ständischen Commissarien zusammengesetzten Commission im Winter 1831— 32 zur Verbesserung des ersten Entwurfs beigetragen hat, vermag nur Der zubeurtheilen, der entweder an jenen Commissionsberathungen Theil genommenoder die darüber vorhandenen Protokolle gelesen hat. Nach Beendigung derselbenund da indessen die Ständeverfammlung wegen deS Ablaufs ihrer sechsjährigenDauer halte ausgelöst werden müssen, erwarb er sich neue Ansprüche auf den Dankdes Landes durch umständliche Mittheilungen über jene Verhandlungen mittelsder eben erst gegründeten „Hanöverischen Zeitung", in welcher er auch später seineAnsichten über die Bedürfnisse des Lander, namentlich in Beziehung auf dessenGewerbe, in mehren gediegenen Aufsätzen aussprach. Daß aber ohne seinen wäh-rend des neunmonatlichen Landtags von 1832 trotz allen MiSdcutungen ruhig be-folgten Grundsatz, daß die zweite Kammer nur durch weis« Sclbstbeschränkungihrer Anträge das Wünschenswerthe erreichen könne, daS StaatSgrundgesetz schwer-lich zu Stande gebracht sein würde, dürfte Zeder, der den Tang der Verhandlun-gen in der Nähe unbefangen zu verfolgen Gelegenheit gehabt hat, als wahrschein-lich zugestehen müssen. Schon deshalb durfte oben die Behauptung aufgestelltwerden, daß auch daS Staatsgrundgesetz, an welchem übrigens S. mehr als irgendein Anderer im Lande auch unmittelbar gearbeitet hat, gewissermaßen sein Werkgenannt werden könne. Daß S. bei der Mäßigung und Besonnenheit seines jederhohlen Theorie und dem oberflächlichen Gerede von Freiheit und Liberalismus