Druckschrift 
Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
58
Einzelbild herunterladen
 

58 Sachsen - Koburg -Gotha

Schranke» hatten müsse. Die neue Stadtordnung kam auch erst 1833 zur Ein-chrung. Während früher der Magistrat sich selbst durch eigne Wahl ergänzte,,o werden nun die Mitglieder desselben von 30 Stadtverordneten gewählt, welchezugleich ein berathendes Eollegium in wichtigen Angelegenheiten für den Stadtrathbilden und die Verwaltung des Gemeindewesens controlircn. Die Stadtverord-neten werden von den Bürgern durch Stimmenmehrheit gewählt. Es wurde auch«ine aus den Chefs der Landkscollegien bestehende Commission niedergesetzt, umeinen Entwurf zu einer Verfassung für Gotha im Geiste des constitution-ncllcn SpstemS auszuarbeiten, was aber bis jetzt noch zu keinem Resultat geführthat, nicht als ob die Regierung nicht auch hier mit dem Geists der Zeit hätte fort-gehen wollen, sondern weil die weiter» Folgen der Juliusrevolution in den Zer-würfnissen der deutschen Kammern mit ihren Regierungen und in dem Auftaucheneiner republikanischen Partei Maßregeln des deutschen Bundestages hervorriefen,welche es rathsam machten, die Entwerfung und Einführung einer neuen Verfas-sung bis auf eine günstigere Zeit zu verspäten. In einer Zeit so heftiger und de-sorglicher Aufregung wie seither, war zu fürchten, daß die Verhandlungen übereine neue Verfassung kein erwünschtes Resultat geben, sondern eher das gute Ver-hältniß zwischen dem Regenten und Unterthanen stören möchten. Das hambachcrFest mit seinen leidenschaftlichen Ausschreitungen fand in Gotha keinen Anklang;wol aber zeigte es sich, daß in Koburg eine Gesellschaft junger Leute sich von demSchwindel habe bethörcn laste», den jedoch die Masse der Einwohner Koburgs aufkeine Weise theilte. Nicht so ruhig als i» Koburg und Gotha blieb es in dem rheini-schen Fürstenthum Lichtenberg. Die Nähe Frankreichs, des bairischm Rheinkrei-seS und der Aufregungen in Baden erhitzten hier die Gemüther um so eher, jemehrdie isolirle Lage des Ländchens und die Einführung des preußischen Zolls die Unzu-friedenheit nährten, obgleich der Herzog die vorgefundene französische Verfassungnicht aufgehoben hatte. Die Formen dieser Verfassung erleichterten es, die Bandedes Gehorsams mehr und mehr zu lösen; es entstanden unruhige Bewegungen,die endlich dahin führten, daß der dortigen Regierung die Demagogen den Gehor-sam verweigerten, ja sogar derselben die Anmuthung machten, sie solle sich unterihren Schutz stellen. Dies nöthigte die Regierung den Beistand preußischer Trup-pen zur Herstellung des Gehörsinns zu suchen. Dem Herzog war es aber nicht zuverdenken, daß er sich eines so fernen und so unruhigen Landes zu entledigen wün-schen mußte. Das Recht einer Vertauschung dieser Provinz war ihm auf demCongresse zu Wien ausdrücklich vorbehalten worden. Er knüpfte Unterhandlun-gen mit Preußen an, über deren Resultat aber bis jetzt noch nichts öffentlich be-kannt gemacht worden ist.

Die Regierung hat mit Kraft, Einsicht und Wohlwollen darnach gestrebt,beide Länder, Koburg und Gotha, zu näherer Vereinigung und zu glücklicher Aus-bildung ihrer innern Verhältnisse zu führen. Die geographische Geschiedenheitbeider Provinzen und der allerdings etwas verschiedene Geist ihrer Bewohner ma-chen die Lösung dieser Aufgabe freilich schwierig; indessen ist die geographische Ent-fernung durch die neue Kunststcaße, welche vermöge des Vertrags mit Preußenüber das thüringische Waldgebirge von Gotha nach Koburg geführt wurde, wesent-lich vermindert worden. Diese 1832 vollendete schöne Straße, die höchst bequcnsiund sicher über vorher sehr unwegsame Gebirge leitet, bildet für den Reisendeneine ebenso interessante Lustpartie, als sie für die gewerbliche Verbindung zwischenThüringen und Franken von der größten Wichtigkeit ist. Die glückliche Wahl derGebirgsthäler, durch welche sie führt und die Benutzung der sich dabei darbietendenNaturschönheiten verdankt man dem Geschmack des HerzogS, der an dem Plan zudiesem wichtigen Bau persönlich den lebhaftesten Antheil nahm. Er wirkt auchdadurch für die gesellige Verknüpfung beider Länder, daß er !m Winter mit seiner

s.

,D-°^

»shiaiAisuch! Dechnllkü

rdÄnii

ksrlvÄ

s-Mkch

*>Miti»d, U'»«ach

^K»,!tll

'^«urr

»usT's»,