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Vierter Band (1834) S bis Z
Entstehung
Seite
14
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14 Sachsen seit dem Zahrs 1827

Die Stände priesen zwar in derselben Schrift, worin sie ihre Federung aufspra-chen, die wohlthätigen Wirkungen dec bestehenden Verfassung auf dai Glück desLandes und den Geist des Volkes, fanden aber zugleich die aus der Vorzeit über-gegangene» Formen der Verfassung mit den Bedürfnissen der Zeit nicht mehr in-Einklang, und wünschten eine Verbesserung der Landtagsordnung und eine zweck-mäßige Gestaltung der ständischen Verfassung. Auf diese Wünsche antwortete dieRegierung, e» sei ihre Absicht, die Ständeverfassung unverändert zu lassen, dochwolle sie Anträge zur Verbesserung des Geschäftsganges erwarten. Bei der Ein-richtung der vielfach gespaltenen Ständeversammlung, welche die Vereinigung ei-ner entschiedenen Mehrheit zur Unterstützung eines Antrags erschwerte, war einZwiespalt der Ansichten unvermeidlich, und der freimüthige Antrag des Kammer-herrn von Watzdorf auf ein« Umwandlung der Landesverfassung und die Einfüh-rung repräsentativer Formen fand mehr Anklang außerhalb der ständischen Säleals in der Mitte der Versammlung. Im Fortschreiten der Verhandlungen aberzeigte sich mehr und mehr eine entschiedene Haltung der Stände. Sie wollten nurauf eine dreijährige Bewilligung eingehen und wünschten sich im Jan 1832 wie-der zu versammeln, um sich mit mehren ihrer Berathung vorzulegenden Gegen-ständen zu beschäftigen. Die Regierung gab nach und suchte die verweigerte Dar-legung der Übersicht des Staatshaushalts nun in mildern Ausdrücken zu begrün-den als bei der frühern Ablehnung. Die Mehrheit der Stände aber wiederholteihr Gesuch in der Schrift vom 19. Ixn., womit die Verhandlungen über die Be-willigung geschlossen wurden. Der Geist unserer Zeit, sagten sie, sodcre mehr vonden Vertretern der Nation, als das Volk noch vor Jahrzehnden verlangt habe, unddie Stände würden das Vertrauen der Nation verscherzen und das Band schwä-chen, welches durch das Bestehen der ständischen Verfassung das Volk an den Für-sten binde, wenn sie jenen Geist nicht achten wollten, den sie nicht zu beherrschenvermöchten.Ansichten, Gefühle und Ansprüche sind erwacht, die auch auf denGang des öffentlichen Lebens haben einwirken müssen. Es gibt nur Wenige, diesich nicht als Glieder des Gemeinwesens fühlen, die nicht Antheil an allen Angele-genheiten des Ganzen nehmen, die sich nicht für fähig hielten, Maßregeln deröffentlichen Verwaltung zu beurtheilen und daher die Gründe dieser Maßregelnkennen lernen wollen, um von ihrer geglaubten Befähigung Gebrauch zu machen.Der Geist der Öffentlichkeit gilt für den Genius des öffentlichen Wohls." DieMehrheit der ritt-rschaftlichen Stände, die in der Curie der allgemeinen Ritter-schaft vereinigt war, fügte die bestimmte Erklärung hinzu, die dreijährige Bewil-ligung geschehe nur in der zuversichtlichen Voraussetzung, daß das Gesuch um Mit-theilung einer Staatshaushaltsübersicht Gewährung finden werde. So hattendie Stände noch nicht gesprochen. Auch über andere Angelegenheiten des Landeswurden srelc Stimmen laut. Während der Abgeordnete der Universität Leipzigdie ungeschmälerte und ungekränkte Freiheit foderke, über die Lehren der evangeli-schen Kirche und über die davon abweichenden Lehrmcinungcn mit würdiger Frei-müthigkeit nach eigner Überzeugung zu spreche», erhob die ständische Mehrheit ihreBeschwerden gegen die Verordnung vom 19 Febr. 1827, welche sie durch Beru-fung auf Zeugnisse der Erfahrung über verfassungswidrige Ansprüche der katho-lisch-geistlichen Behörde zu begründen suchte. Zur Geschichte der noch immer nichtgeschlossenen Verhandlungen über gemischte Ehen gehört die Angabe, daß dieMehrheit dec Stände sich für lie Einführung einer gesetzlichen Vorschrift über diereligiöse Erziehung der Kinder erklärte, aber an die Stelle ihres frühern Antragsden Vorschlag setzte, daß sämmtliche Kinder aus gemischten Ehen dem Glaubens-bekenntnisse der Vorfahren von väterlicher oder mütterlicher Seite, die am läng-sten ihren Wohnsitz in Sachsen gehabt hätten, folge» sollten, oder wenn man Ver-träge gestatten wollte, die Übereinkunft vor dem ersten Ausgebote bei der weltliche»