!0 Sachsen seit dem Jahre 1827
weise einer neue» obrigkeitlichen Gewalt and einem Oberhaupte, das der Prote-st link bis jetzt gar nicht und der Katholik wenigstens nicht in staatsbürgerlicher Be-ziehung kannte ' Im Laufe weniger Jahre traten mehre Falte hervor, welche dieausgesprochenen Besorgnisse rechtfertigten und das Streben der katholischen Be-hörde zeigten, ihre Ansprüche, auf das neue Gesetz sich stützend, zum Nachtheilder Rechte der protestantischen Kirche zu erweitern. Auch gegen die Wirksamkeitder Verordnung über die bei dem Übertritte zu einem andern Glaubensbekenntnissezu befolgenden Vorschriften hatten sich Zweifel unter dem Volke erhoben, »nd ein-zelne Fälle von Umgehungen des Gesetzes waren hinlänglich, selbst übertriebenenGerüchten Eingang z» verschaffen. Die herrschende Verstimmung wurde durchein anderes Gerücht erhöht, das sich seit 1827 immer mehr verbreitete und in in-ländischen und ausländischen Zeitschriften ausgesprochen wurde, die Sage, daßVorbereitungen getroffen würden, den Jesuiten in Sachsen eine Ansiedelung z»gestatten. Je lauter diese Besorgnis sich regte, um so mehr war es zu bedauern,daß erst die Bewegungen des Jahres 1830 die bestimmte Versicherung hervor-rufen konnten, cS habe nie im Sinne der Regierung gelegen, den Jesuitenorden inSachsen aufzunehmen.
Die Wirkung all dieser aufregenden Einflüsse ward erhöht durch Hemmungim gewerblichen Verkehr des Volkes. Wer den Gewinn der Gewerbthätlgkeit »nddcS HandclS gegen frühere Zelten gemindert sah, wer den Druck der Noth fühlte,unterschied freilich nicht immer, was die Schuld ungünstiger Aiitverhällniffk, dieaußer dem Bereich von RegierungSmaßrezcln lagen, und was die Schuld wirkli-cher MiSgriffe der Verwaltung war. Es hatte seit einer Reih« von Jahren leidernicht an verkehrten Maßregeln gefehlt. Während die Zollstättcn der Nachbarlän-der Sachsen absperrten und dc» Erzeugnissen seines GcwcrbfleißcS immer mehrAusflüsse abgeschnitten wurden, hatte eine unselig« Einrichtung der indirectcn Ab-gaben der Industrie des Inlandes es unmöglich gemacht, mit dem begünstigte»Ausländer gleichen Schritt zu halten, indem die ausländischen rohen ArbcitSstoffcmit schweren Abgaben belegt und dagegen die aus denselben verfertigten ausländi-schen Fabrikate unvcrhälknißmäßig geringen EingangSzöllcn und Verbrauchsteucrnunterworfen waren. Dies war besonders auch der Fall hinsichtlich deS Unter-schieds der Abgaben von roher Baumwolle und baumwollenem Garn, wodurchdie Weder bewogen wurden, lieber ausländisches Garn zu kaufen als die in-ländischen Spinner zu beschäftige». Bei gleicher Begünstigung der Baum-wolle»-Manufaiturwaaren des Auslandes konnte der inländische Arbeiter den-noch nicht die Bewerbung mit dem Ausländer aushalten, der ihn immermehr von den inländischen Märkten verdrängte. Die Thätigkeit der Spinnerund Weber im Erzgebirge und im Voigllandc wurde gelähmt. Manche Fabrik-besitzer ließen mit baarem Verlust arbeiten, um ihre Werkleute nicht zu ver-abschieden, und doch wurden Viele erwcrbloS und wanderten in das AuSland. Eswurden von angesehenen sächsischen Häusern Commanditen in Preußen, Ba»m-wollspinnereien in Böhmen angelegt. Man hatte das Geheimniß noch nicht ge-sunden, die Interessen des Handels und der Fabriken auszugleichen. Durch die-selbe inisverstandenc Anwendung dcS Grundsatzes der Handelsfreiheit, welche dieweitverbreitete Baumwollfabrlkatlon niederdrückte, ward auch die einst blühendeSpitzenmanufactur gelähmt, da ausländische Spitzen nur einen geringen Grenz-zoll bezahlten und der Unterschied deS Mehrbetrag« der Generalaccise von aus-ländische» Spitzen gegen inländische bei einer Waare, von welcher ein Centneroft den Werth von mehren tausend Thalern hatte, nicht in Betrachtung kommenkonnte. Besonders litt auch die Fabrikation der Mctailwaare» unter dem Druckeder Abgabenverhältnisse, welche gleichfalls die ausländische Waare, besonder« dasEisen, durch geringe Eren,zolle begünstigte »nd die SingangSabgab« de« au« der