Druckschrift 
Die christliche Lehre vom heiligen Abendmahl nach dem Grundtext des neuen Testaments : mit e. Abriss d. Geschichte dieser Lehre ; ein Versuch
Entstehung
Seite
292
Einzelbild herunterladen
 

292

führen könne: vielmehr muss auch diese Versöhnungdes Menschen mit Gott von innen heraus, durch selbst-thätige Erregung und freie Erhehung des Gemüths zudem Erlöser, durch geistkräftige lebendige Ergreifungder Gnadenwohlthaten Gottes durch Christum, derVergehung der Sünden, der ewigen Seligkeit erstrebtwerden. (1 Tim. VI, 12. 19. liöm. VI, 4. 6. Gal.II, 19 f. Eph. IV, 22 ff. Kol. II, 20. u. a.) DasVerdienst Christi kann Keinem willkührlieh beigelegt,es muss in freier Glaubensthat ergriffen werden. Werin leidender Unthätigkeit bloss darauf harrt, dass esihm zugeschrieben, d. h. auf ihn von Christo überge-tragen werden soll, und nicht selbst mit redlicher Ge-sinnung und ernster Bestrebung, mit aller Kraft dasewig Wahre und Gute zu erfassen sucht, dem wirdjenes Verdienst nimmer zu gute kommen.

Sonach ist cs nicht Ein oder das Andere von demErwähnten, was wir in dem Sacrament des Abend-mahls finden, Gedächtnissfeier, Bundcsmahlzeit, Aus-druck der Gemeinschaft mit Christo und den Gläubi-gen, Versöhnung mit Gott, oder, was damit Eins ist,Sündenvergebung, sondern Alles dieses insgesamt.Weit entfernt die Gegenwart Christi beim hei-ligen Abendmahl zu bezweifeln oder zu bestreiten,müssen wir sie vielmehr bestimmt behaupten; nur nichtdie leibliche, in der Materie beschlossene, sondern dieunsichtbare, reingeistige, welche überall da, aber auchnur da Statt findet und wirklich eintritt, wo die See-len gläubiger Christen sich in frommer Andacht zuGott und dem göttlichen Mittler erheben, vom Irdi-schen und Sinnlichen losgebunden, frank und ledig indie höhere Einheit und Gemeinschaft mit dem Heilande