II.
An und für sich ist cs unwahrscheinlich, dassChristus seinen Jüngern sein Fleisch und Blutzum Genuss dargeboten habe.
So lange Christus mit seinen Schülern auf Erden ver-bunden war, suchte er auf ihre Gcmüther einzuwir-ken, ihren Geist zu bilden, zu nähren, zu erheben,und für die göttlichen Angelegenheiten sie empfäng-lich zu machen. Yon Befriedigung ihrer irdischenoder Leibesbedürfnisse ist im Besondern nicht dieRede. Diese erscheinen auf dem hohen Standpunctdes Weltheilandes und in den Verhältnissen des Got-tesreichs als gänzlich untergeordnet. So lässt sichauch im Voraus vermuthen, dass die Absicht desHerrn bei dem Abschiedsmahle keine andere gewesensejn werde, als auf ihren Geist noch einmal leben-dig und kräftig einzuwirken, durch eine nachhaltigeErregung ihres Innersten mittelst eines eindringlichensinnbildlichen Actes seine fortdauernd wirksame Ge-genwart und Gemeinschaft ihnen bei der nahen äusser-lichen Trennung zuzusichern, und sich insofern alsihre fortbleibende Geistesnahrung in seiner leiblichenAufopferung darzustellen. War aber das Bediirfniss,welches befriedigt werden sollte, nicht ein Bediirfnissdes Leibes, sondern des unsterblichen Geistes;' so