nannt. Doch damit nicht genug, ernannte man ihn auch zum Professor der Physik an der Uni-versität und bald darauf auch zum Lehrer der mathematisch-physikalischen Fächer für die Kinderdes Kaisers Nikolai 1. Wie er bei dieser vielfachen Lehrtätigkeit, welche die gewöhnliche Lei-stung eines Lehrers weit übersteigt, dennoch Zeit fand, scharf wissenschaftlich zu arbeiten, istkaum verständlich, wenn man nicht neben seiner Pflichttreue die Arbeitslust gelten lassen will.Ihm war eben Arbeiten keine Last, sondern eine Lust. Er fühlte, wenn er nicht täglich inseinem Element der Arbeit frei als Forscher bewegen konnte, sich wie ein Fisch, der insTrockne versetzt ist, unbehaglich.
Sein eigentliches Forschergebiet war, die rätselhaften Erscheinungen des Elektro-Magne-tismus und Galvanismus zu ergründen; und er hat auf diesem Gebiet Ausserordentliches geleistet,wie einer seiner Biographen sagt: „Lenz war der Begründer der elektromagnetischen Wissen-schaft.“ Vgl. Lebedinski im „Journal der Elektrizität“ 1895: „Lenz, der Begründer der elektro-magnetischen Wissenschaft“ (russisch).
Die hauptsächlichsten Ergebnisse seiner Forschungen sind in jedem grösseren Werk Uberdie Physik aufgenommen und zwar:
1) Das Lenzsche Gesetz der Induktion von 1833, nach welchem die Richtung des induk-tiven Stromes immer eine solche ist, dass sie diejenige Bewegung, welche sie erzeugte, hindert.Vgl. darüber seine Arbeiten: „Ueber den Einfluss der Geschwindigkeit des Drehens auf demdurch magneto-elektrische Maschinen erzeugten Induktiosstrom.“ (St. P. Bulletin 1849. Bd. VII und1854 Bd. XII und 1868 Bd. XVI.) Ferner „Ueber die Gesetze der Elektrizitätsleitung in Drähtenverschiedener Länge und Dicke.“ (St. P. Memoires 1838, Bd. III.) „Ueber die Eigenschaft dermagnetisch-elektrischen Ströme.“ (St. P. Bulletin 1840, Bd. VII) etc.
2) Das Peltier-Lenzsche Gesetz von 1838: „Wenn man einen galvanischen Strom durchzwei Stangen aus Wismuth und Antimon führt, welche an den Enden aneinander gelötet sind undeine Temperatur von 0 Grad haben, so kann man Wasser gefrieren lassen, wenn man es in eineVertiefung neben der zusammengelöteten Stelle giesst.“ (Vgl. darüber seine Arbeiten: „Uebereinige Versuche im Gebiete des Galvanismus“ (St. P. Bulletin 1838, Bd. III) und seine älterenWerke: „Ueber einige Punkte aus der Lehre des Galvanismus“ (St. P. Bulletin 1836, Bd. I).„Ueber das Verhalten der Kupfervitriollösung in der galvanischen Kette“ (St. P. Bulletin 1837,Bd. II) etc.
3) Das Joule-Lenzsche Gesetz von 1844: „Die Quantität der Wärme, welche vom Strom derWärmeleitung ausgeströmt wird, ist dem Quadrat der Stärke des Stromes und des Widerstandsdes Leiters proportional.“ Vgl. darüber seine Arbeiten: „Ueber die Gesetze der Wärmeentwick-lung durch den galvanischen Strom“ (St. P. Bulletin 1848, Bd. I und 1844 Bd. II). „Ueber dieGesetze und Anziehung der Elektromagneten“ (St. P. Bulletin 1844, Bd. II) etc.
4) Das Saweljew-Lenzsche Gesetz von 1847: „Ueber die Polarisation der Elektroden.“Vgl. darüber seine Arbeit mit Saweljew: „Ueber die galvanische Polarisation und elektromagne-tische Kraft in Hydroketten“ (St. P. Bulletin 1847, Bd. V). Den Galvanismus behandeln nochfolgende Arbeiten von Lenz: „Ueber den Leistungswiderstand des menschlichen Körpers gegendie galvanischen Ströme“ (Poggendorffs „Annalen“ 1842 Bd. 56). „Ueber die Stärke in einemSystem neben einander verbundener galvanischer Ketten“ (St. P. Bulletin 1845, Bd. III) und„Ueber die Leitung des galvanischen Stromes der Flüssigkeiten, wenn der Querschnitt verschiedenist von dem der Elektroden“ (St. P. Bulletin 1852, Bd. X) etc.
Während dieser Zeit war Lenz nicht nur zum ordentlichen Professor an der Univer-sität ernannt, sondern auch ordentlicher Akademiker und Direktor des physikalischen Kabinetsder Akademie geworden. Als solcher wurde er 1837 mit Hess und Göbel bestimmt, die Steppen